Morgenpost-Test

Kombibad Seestraße: So ist es in der Traglufthalle

Mit einer Traglufthalle können die Außenbecken von nun an auch im Winter genutzt werden. Unser Reporter wagte den Sprung ins Wasser.

Bei der Eröffnung der Schwimmbad-Traglufthalle durften Kinder als erste ins Becken springen.

Bei der Eröffnung der Schwimmbad-Traglufthalle durften Kinder als erste ins Becken springen.

Foto: Carsten Koall / dpa

Kurz wird es nochmal kalt. In der kleinen Schleuse vom Hallenbad zu den Außenbecken im Kombibad Seestraße spürt man für einen Moment die winterlichen Temperaturen. Doch nur einmal durch die Drehtür durch und das Frieren ist vorbei. Plötzlich lässt es sich auch nur mit Badeshorts bekleidet vortrefflich aushalten – bei 28 Grad Lufttemperatur und tropisch hoher Luftfeuchtigkeit. Auch der Sprung ins Nass endet nicht bibbernd, das Wasser in den Becken ist auf gut 20 Grad aufgewärmt. Hier kann man planschen und seine Bahnen ziehen, ohne zu frieren.

Dass das in den Außenbecken des Kombibads Seestraße plötzlich auch im Winter möglich ist, dafür sorgt die Traglufthalle, die am Mittwoch in Betrieb genommen wurde. In den kommenden drei Wintern macht die Konstruktion die Außenbecken zum Hallenbad. Mit einer Spannweite von 68 mal 60 Metern spannt sich die imposante Kuppel über die beiden 50-Meter-Becken der Schwimmanlage in Wedding. Davon zeigt sich bei der Eröffnung auch Berlins Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) beeindruckt. „Ich bin begeistert von der Größe und Weite der Halle, die hier in so kurzer Zeit entstanden ist.“

Auch Johannes Kleinsorg, Vorstand der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), zeigt sich von der Inbetriebnahme zufrieden: „Die Halle ist ein zentrales Projekt für die Sanierung und Modernisierung der Berliner Bäder.“ Wegen dringend nötiger Sanierungsarbeiten mussten die BBB zuletzt das Stadtbad Tiergarten in Moabit sowie das Paracelsus-Bad in Reinickendorf schließen. „Hier können wir die Bäder ersetzen“, so Kleinsorg. Und mehr noch als das: Durch die provisorische Halle gewönnen die Bäderbetriebe mehr als 2000 Quadratmeter Wasserfläche hinzu. Mehr als bei den beiden geschlossenen Hallen zuletzt vorübergehend verloren gegangen war. Mit der Traglufthalle, so Kleinsorg, schaffe man die Kapazitäten, um in Moabit und Reinickendorf in Ruhe bauen zu können.

„Paradigmenwechsel“ für Berliner Bäder

Senator Geisel sieht in dem großen Plastikzelt gar einen „Paradigmenwechsel“ in Bezug auf die Berliner Bäder. Die Zeiten des bedingungslosen Sparens bei den Schwimmhallen sei vorbei. Die Frage laute nun: Wie könne die Stadt mehr Qualität in den Bädern schaffen, so Geisel. „Wir werden in den nächsten Jahren viel investieren.“ Die Traglufthalle sei dafür der erste Schritt. Die Kosten von 2,2 Millionen Euro für Aufbau und Betrieb seien durch zusätzliche Landeszuschüsse gedeckt. „Die sind gut angelegt, denn das Ziel ist, mehr Berliner in die Bäder zu bringen“, erklärte der Sozialdemokrat.

Die Traglufthalle selbst können Badegäste künftig nicht nutzen. Sie steht für das Schwimmen im Schulsport und bei Vereinen zur Verfügung. Ab morgens findet im Dauerbetrieb der Schwimmunterricht für je drei bis vier Grundschulen mit mehreren Klassen statt. Am späten Nachmittag und abends ist die Halle den Schwimmclubs, aber auch der Feuerwehr für ihre Rettungsschwimmer vorbehalten. Das direkt angrenzende Hallenbad an der Seestraße, das bisher mehrheitlich von diesen Gruppen genutzt wurde, ist dafür nun nahezu ausschließlich für die allgemeine Öffentlichkeit da. „Wir sind sehr froh, hier an der Seestraße ein großes Angebot für alle unsere Nutzerinnen und Nutzer zur Verfügung stellen zu können“, teilte BBB-Vorständin Annette Siering mit. Die Garderoben und Sanitäranlagen des Hallenbades reichten für alle Gäste aus, sowohl für die privaten als auch für die aus Schulen und Vereinen.

Am Tag der offenen Tür am Sonntag für alle zugänglich

Damit all das möglich wird, ist eine ausgefeilte Technik von Nöten. Die Konstruktion ist nicht die erste in Deutschland – auch nicht in Berlin, wo bereits in den 70er-Jahren das Freibad Mariendorf überspannt wurde – doch keine Schwimmbadtraglufthalle in der Bundesrepublik war je größer. Das Dach ist aus einer vierlagigen Folienkonstruktion hergestellt und wird von einem Netz in Form gehalten, dessen Seile mit 131 Ankern im Boden stecken. Insgesamt wiegt das Dach sechs Tonnen.

„Das ist nur das Hundertstel des Gewichts eines normalen Baus“, erklärte Jürgen Wowra, Geschäftsführer des Herstellers Paranet. Mit ständig laufenden Luftgebläsen wird das Dach in Form gehalten. Der Verbrauch liege bei 3,5 bis 5 Kilowatt pro Stunde, sagt Wowra. „Das entspricht ungefähr dem Verbrauch eines Mopedmotors.“ Für die hohen Temperaturen im Inneren sorgt der Fernwärmeanschluss. Lange Phasen für den Auf- und Abbau seien nicht nötig, so Wowra. In drei bis vier Tagen sei die Halle bei Bedarf weg. Und dann kann die Sommersaison starten.

Wer sich selbst ein Bild vom provisorischen Hallenbad machen will, kann dies am Sonntag, 8. Dezember von 10-16 Uhr beim Tag der offenen Tür tun. Um 12 Uhr startet die Kinder-Pool-Party.