Museum

Was man alles im Spionagemuseum erleben kann

Das Deutsche Spionagemuseum wurde umgebaut. Rund 80 Prozent der Ausstellung sind erneuert worden. Jetzt wird es wiedereröffnet.

Robert Rückel, Direktor des Deutschen Spionagemuseums, demonstriert einen Lügendetektor.

Robert Rückel, Direktor des Deutschen Spionagemuseums, demonstriert einen Lügendetektor.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin. Sowohl die Fans von James Bond als auch technisch und historische Interessierte kommen hier auf ihre Kosten: Im Deutschen Spionagemuseum hat Direktor Robert Rückel rund 80 Prozent der Ausstellung erneuern lassen. Am 28. November ist Neueröffnung. „Die wirklich spannenden Geräte stammen aus dem vorigen Jahrhundert“, sagte Rückel bei einem Vorab-Rundgang am Dienstag.

Etwa der Lügendetektor aus den 70er-Jahren, der bei den amerikanischen Bundesbehörden im Einsatz war, oder auch das Abhörgerät für Feldtelefone aus dem Ersten Weltkrieg. Oder die Kamera, die im Lippenstift verborgen war und vom KGB eingesetzt wurde. Sie ist eines der rund 400 Exponate der Stasi, die Rücker für das Museum erworben hat.

Seit 2015 gibt es das Museum am Leipziger Platz. Die Idee dafür hatte der Journalist Franz-Michael Günther. Er legte eine Sammlung an und eröffnete das Spy Museum. Nach einem finanziellen Engpass kam es zu einem Betreiberwechsel. 2016 eröffnete Robert Rückel das Deutsche Spionagemuseum. Er hatte zuvor das DDR-Museum mit aufgebaut.

Gegenseitige Befragung mit dem Lügendetektor

In der Ausstellung sind Wanzen zu sehen, die in Stuhlbeinen und in Steckdosen versteckt wurden, außerdem Kameras im Autoatlas oder in der Streichholzschachtel. Informationen wurden auch in einer Fünf-D-Mark-Münze verborgen. Einen Seifenspender im D-Zug benutzte der Bundesnachrichtendienst, um Mikrofilme oder Nachrichten zu übermitteln. Aus den 80er-Jahren stammt der amerikanische Schlüssel-Anhänger mit Kamera, den ein CIA-Agent bei sich trug, den die DDR-Staatssicherheit gefangen nahm. „Die technische Abteilung des MfS sollte eine Replik bauen“, erzählte Franz-Michael Günther, der auch am Rundgang teilnahm. „Doch dann kam die Wende dazwischen.“

Im Museum sind kleine und große Gäste zum Mitmachen eingeladen. Es gibt eine Kabine mit einem eigens konstruierten und getesteten Lügendetektor, an dem sich die Besucher gegenseitig befragen können. In einer anderen Kabine steht ein altes Telefon mit Wählscheibe. Hier kann man herausfinden, wo Wanzen versteckt sind. Ein Tresor ist mittels eines Hörgeräts zu öffnen. „Wir haben ihn so nachgebaut, wie er in Filmen zu sehen ist“, so Rückel. „Man kann die Kombination durch Hören herausfinden.“

Requisiten aus „Moonraker“ und „Casino Royal“

In vielen Spionagefilmen kriechen die Helden und ihre Verfolger durch einen Lüftungsschacht. Für die jüngsten Besucher ist im Museum ein solcher Schacht auf zehn Metern Länge nachgebaut worden. Auch im Laser-Parcours kann man die eigene Geschicklichkeit testen und sich durch den Raum bewegen, ohne die Strahlen zu berühren. „Neu ist auch das Labor, in dem Kinder Geheimtinte ausprobieren können“, so Rückel.

Den berühmten Film-Agenten ist ein Raum gewidmet. Bilder und Szenen aus James-Bond-Filmen sind zu sehen. Auch Original-Requisiten wie das Hemd und die Schuhe der Größe 56 von Richard Kiel, der die Figur „Beißer“ in „Moonraker verkörperte, sind ausgestellt. Ebenfalls ein Requisit: die Maschinenpistole, aus der Bond bei einer Verfolgungsjagd in „Casino Royal“ beschossen wurde, hat Rückel für das Museum angeschafft.

Spionagekatze wird beim ersten Einsatz überfahren

Ein besonderes Kapitel ist Tieren gewidmet, die für Spionagezwecke eingesetzt wurden. Zu sehen ist das Bild einer Katze, der die CIA Mikrofone und Antennen implantiert hatte – eine Operation, die Millionen Dollar kostete. Geplant war, dass das Tier auf dem Gelände der Sowjetischen Botschaft in Washington herumstreunt und Gespräche aufzeichnet. Doch die Katze wurde bei ihrem ersten Einsatz von einem Taxi überfahren. Auch eine Taube mit kleinem Fallschirm ist zu sehen. Mit Kameras ausgerüstete Tauben seien während des Ersten Weltkriegs aus der Luft abgeworfen wurden, so Franz-Michael Günther. „Die Deutschen waren die Ersten, die Tauben als Überwachungsdrohnen eingesetzt haben.“

Eindrucksvoll ist das Diorama der Glienicker Brücke. Es zeigt den legendären Austausch von Agenten aus dem Jahr 1985. Die Busse und Autos, in denen sie gefahren wurden, sind zu sehen. Auch Beteiligte am Austausch wie der DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel und der spätere US-Botschafter John Kornblum.

Auch „Big Data“ und „Alexa“ sind Themen des Museums

Auch die Gegenwart ist Thema. „Big Data“ heißt dieser Teil der Ausstellung. Man müsse auch darüber sprechen, so der Museumsdirektor: „Was machen wir selbst mit unseren Daten?“ Es gehe um Geräte wie den Voice-Service Alexa, um Fitnesstracker, smarte Glühbirnen oder auch ein Spielzeugauto mit Kamera, das per Smartphone gesteuert wird. „Es ist so leicht zu hacken, dass man das Auto auch beim Nachbarn nachts durch die Wohnung fahren lassen kann.“

Zwei Jahre lang lief der Umbau des Museums. Er sei vor allem nachts geschehen, so Robert Rückel. Kosten: rund 800.000 Euro. 2019 kamen bislang etwa 380.000 Besucher. 2018 waren es insgesamt 340.000. In der neuen Ausstellung ist noch Platz gelassen worden. „Für Spannendes, was wir uns ausdenken“, so Rückel, „oder auch für das, was wir von den Nachrichtendiensten ergattern können.“

www.deutsches-spionagemuseum.de