Freie Grundstücke

Mitte fordert vom Bund Wohnungsbau auf Bundesgrundstücken

Mehrere bundeseigene Grundstücke in Mitte liegen schon lange brach. Mittes Baustadtrat fordert, dort Wohnungen zu bauen.

Mittes Baustadtrat wünscht sich Wohnungen gegenüber dem Bundesfinanzministerium an der Wilhelmstraße.

Mittes Baustadtrat wünscht sich Wohnungen gegenüber dem Bundesfinanzministerium an der Wilhelmstraße.

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Zu einer Ballonfahrt über Berlin kann man an der Wilhelmstraße Ecke Zimmerstraße, dem ehemaligen Postblock, aufsteigen. Auch Trabi-Touren werden hier angeboten, daneben gibt es Currywurstbuden. All das ändert nichts an der puren Tristesse dieses Ortes, unterstützt noch durch den angrenzenden, großen Parkplatz. Für Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) ist die Fläche so vollkommen verschwendet. „Es ist schade, dass da schon seit so vielen Jahren eine Brache ist.“ Die Gegend sei deswegen durch Monotonie geprägt.

Bundesbrachen sorgen für Tristesse

Die Fläche ist nicht die einzige ihrer Art. Mehrere Grundstücke in Berlins Zentrum, die dem Bund gehören, liegen seit vielen Jahren brach. Gleichzeitig leidet der Bezirk Mitte unter Wohnungsmangel und fehlenden Flächen für dringend benötigte Schulbauten – auch weil allein durch die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) und andere Bundesbehörden Tausende Staatsdiener nach Berlin gezogen seien, so Gothe. „Der Bund muss einen Beitrag leisten und auf noch nicht bebauten Flächen Wohnungen und soziale Infrastruktur errichten.“

Der Baustadtrat sähe darin ein Anknüpfen an die Politik der 90er-Jahre und den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin. Das Motto sei damals gewesen „Der Bund bringt seine Wohnungen mit“, so Gothe.
Für das Areal an der Wilhelmstraße hat der Sozialdemokrat ganz konkrete Vorstellungen. Gebaut werden könnten eine Schule, Wohnungen und ein kleiner Ministeriumsbau. „Damit dort ein lebendiger Straßenabschnitt entsteht und die Wilhelmstraße ein bisschen zum Leben erweckt wird.“

Bezirk Mitte benötigt dringend Wohnungen und Schulen

Gothe fordert den Bund auch bei anderen Flächen zum Bauen auf. Etwa an der Krausenstraße Ecke Charlottenstraße neben einem Dienstsitz des Innenministeriums. Aktuell befindet sich dort ein Parkplatz. „Es wäre natürlich toll, wenn man dort Wohnungsbau umsetzen könnte“, sagt er. Auch ein freies Grundstück nördlich des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses an der Luisenstraße hat der Baustadtrat ins Auge gefasst. Die Hoffnung auch hier: neue Wohnungen.

Die Forderungen aus dem Bezirk stoßen beim Bund nicht auf offene Ohren. Das Postblock-Areal sowie die Fläche an der Krausenstraße seien „aufgrund ihrer Lage im Regierungsviertel für Erweiterungsbaumaßnahmen der Bundesministerien vorgesehen“, teilte Thorsten Grützner, Sprecher der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit. Das Grundstück an der Luisenstraße werde derzeit für die Baustelle zur Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus gebraucht. Auch solle sie „für Zwecke des Deutschen Bundestages verwendet werden“, so Grützner. Konkrete Pläne für die Bebauung der Grundstücke lägen jedoch nicht vor.

Bima lehnt Forderung des Bezirks Mitte ab

Zumindest an der Wilhelmstraße solle in absehbarer Zeit gebaut werden, teilt hingegen die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit. „Im Frühjahr 2020 sollen dazu Machbarkeitsstudien erarbeitet und diskutiert werden.“

Auf einem anderen Grundstück in Mitte kommt die Bima Gothes Forderung jedoch nach. An der Breite Straße auf der Fischerinsel sollen in den kommenden Jahren 50 Beamtenwohnungen entstehen. Ein 2800 Quadratmeter großes Bundesgrundstück an der Bernauer Straße hat die Bundesanstalt Ende 2018 an die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) verkauft. Die landeseigene Gesellschaft plant dort bis zu 80 Wohnungen und neun Gewerbeeinheiten.