Schwere Vorwürfe

Berliner Obdachlosenhilfe lehnt Ehrenamtspreis ab

Der Verein hat den Ehrenamtspreis 2019 abgelehnt und schwere Vorwürfe gegen das Bezirksamt Mitte erhoben.

Die Berliner Obdachlosenhilfe sollte geehrt werden, doch der Verein hat den Preis abgelehnt.

Die Berliner Obdachlosenhilfe sollte geehrt werden, doch der Verein hat den Preis abgelehnt.

Foto: Frank Lehmann

Berlin. Das Bezirksamt Mitte hat in der vergangenen Woche den Ehrenamtspreis 2019 verliehen. Die Behörde will damit Einzelpersonen und Teams würdigen, die sich in besonderem Maß für das Gemeinwohl im Bezirk engagieren.

Auch die Berliner Obdachlosenhilfe e.V. sollte am 8. November geehrt werden, doch der Verein hat den Preis abgelehnt. Auf Facebook warf er dem Amt vor, obdachlose Menschen würden aus dem öffentlichen Raum verdrängt, ihr Besitz werde wie Müll behandelt.

„Der Bezirk kommt seiner Unterbringungspflicht nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz nicht nach.“ Die Berliner Obdachlosenhilfe sei maßgeblich damit beschäftigt, „ehrenamtlich Aufgaben zu erfüllen, die der Bezirk vernachlässigt“. Es sei zynisch, „dass der Bezirk nun mit großer Geste einen Preis an unseren Verein verleihen möchte“. Die Berliner Obdachlosenhilfe fordert vom Bezirksamt „die Erfüllung der Unterbringungspflicht für obdachlose Menschen, einen sofortigen Stopp der Räumungen von Lagern obdachloser Menschen und ein Ende von Zwangsräumungen in die Obdachlosigkeit“.

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Stadtrat Gothe will Rücksprache mit dem Sozialamt halten

Den Ehrenamtspreis des Bezirksamtes gibt es seit 2003. Die Auszeichnung für 2019 wurde im Juni ausgeschrieben. Vorschläge konnten bis Ende August eingereicht werden. Stadtrat Ephraim Gothe (SPD), zuständig für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit, informierte am 8. November über die Preisträger, die im Roten Rathaus ausgezeichnet werden sollten, darunter auch die Ehrenamtlichen des Allgemeinen Sportvereins Berlin und die Helfer von Ausgabestellen der Aktion „Laib und Seele“.

Gothe teilte am Sonntag auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit, wegen der Vorwürfe der Berliner Obdachlosenhilfe e.V. werde er am Montag Rücksprache mit dem Sozialamt halten. Der Verein hat seinen Sitz an der Lynarstraße in Wedding. Ehrenamtliche Helfer unternehmen wöchentlich mehrere Touren zu Plätzen, an denen Obdachlose leben. Sie bringen ihnen Essen und Getränke, Obst, Kleidung, Schlafsäcke und Isomatten. Ziel sei es, einen Beitrag zum sozialen Miteinander zu leisten, heißt es auf der Internetseite der Obdachlosenhilfe.