Wohnungsbau

Grundsteinlegung am Holocaust-Mahnmal

An der Cora-Berliner-Straße ist der Start für eines der langwierigsten Bauvorhaben in der Mitte Berlins endlich erfolgt.

An der Behrenstraße Ecke Cora-Berliner-Straße wird gebaut.

An der Behrenstraße Ecke Cora-Berliner-Straße wird gebaut.

Foto: Harry Schnitger

Berlin. Als das Holocaust-Mahnmal im Jahr 2005 feierlich eröffnet wurde, sollten eigentlich auch auf dem Baufeld gleich daneben die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Doch es kam bekanntlich anders. Jahrelang säumten lediglich Holzbaracken mit Pommesbuden und Souvenirständen das Gelände. Das einstmals landeseigene Areal entlang der Cora-Berliner-Straße wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach den Besitzer. Statt zu bauen, verkauften die jeweiligen Projektentwickler das Gelände lieber mit Gewinn an den nächsten Interessenten weiter. Doch der letzte Käufer in der Reihe, die MUC Reals Estate aus München, machte schließlich ernst.

Die Buden sind bereits 2018 abgerissen worden, die Baugrube ist fertig, und am Freitag wurde der Grundstein gesetzt. „Wir freuen uns, nach über einem Jahr Schachtarbeiten mit dem eigentlichen Bau beginnen zu können“, sagte MUC-Geschäftsführer Christian Ruhdorfer. Denn auch nachdem das Immobilienunternehmen das Areal kaufte, kam es zu Verzögerungen. Daran war allerdings nicht nur der bei der Bodenerkundung entdeckte Tunnel schuld, der einst zum ehemaligen Reichslandwirtschaftsministerium führte und zunächst abgeräumt werden musste.

„2016 hat das Unternehmen den ersten Bauantrag gestellt, 2019 kam die Baugenehmigung“, sagte Verwaltungsstaatssekretär Frank Nägele, der als Vertreter der Senatskanzlei an der Zeremonie teilnahm. Drei Jahre warten auf eine Baugenehmigung, das sei zu lang „da müssen wir dran arbeiten“, so Nägele. „Denn natürlich wollen wir, dass in Berlin gebaut wird und die Grundstücke nicht nur leistungslos zum Geldverdienen genutzt werden“, sagte der Staatssekretär.

Ruhdorf ergänzte, ihm sei sehr bewusst, dass ein Neubau an dieser historisch so bedeutsamen Stelle eine besondere Verpflichtung mit sich bringe. Dieser habe man aber in dem geplanten Neubauvorhaben Rechnung getragen.

Neubau am Holocaust-Mahnmal: Platz für 134 Mietwohnungen

Der Neubau, in dessen oberen Etagen 134 Mietwohnungen Platz finden sollen, wird im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss gewerblich genutzt. Darin sind öffentliche Toiletten für die Besucher des Mahnmals und ein öffentlich zugänglicher Stadtbalkon vorgesehen. Von diesem Balkon im ersten Stock, der sich über die gesamte Länge des Gebäudes zieht, werden Besucher einen Panoramablick auf das eindrucksvolle Stelenfeld des Mahnmals haben.

In die Mietwohnungen, die die MUC als „hochwertig“ beschreibt, werden indes keine Sozialmieter einziehen. Gebaut wird nach altem Bebauungsplan, der noch keine verpflichtende Quote von mietpreisgebundenen Wohnungen vorsah. Über die geplante Miethöhe der Wohnungen in exklusiver Mitte-Lage könne man noch nichts sagen, schließlich werde das Gebäude erst im dritten Quartal 2021 fertiggestellt, sagte MUC-Sprecher Jörg Müller auf Nachfrage der Berliner Morgenpost. Doch angesichts der hohen Investitionskosten – allein das Grundstück soll am Ende rund 70 Millionen Euro gekostet haben, berichten Brancheninsider – ist mit niedrigen Mieten wohl nicht zu rechnen.

Obwohl der Bau in vollem Gange ist, ist derzeit noch unklar, wie genau der 60 Meter lange Gebäuderiegel aussehen soll: Weil der Bezirk Mitte noch nicht über die Fassadengestaltung entschieden habe, könne man derzeit keine Bilder vom fertigen Gebäude liefern, begründete Müller. Dies werde man aber in Kürze nachholen.