Nahverkehr

Neue Straßenbahn soll direkt ums Rote Rathaus fahren

Die Tram soll ab 2027 vom Alexanderplatz direkt zum Roten Rathaus fahren. Bis dahin soll das ganze Areal umgestaltet werden.

Die Straßenbahnen der Linie M4 sollen ab 2027 in westlicher Richtung über die Rathausstraße weiterfahren.

Die Straßenbahnen der Linie M4 sollen ab 2027 in westlicher Richtung über die Rathausstraße weiterfahren.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Bereits im Juni stellte die Senatsverkehrsverwaltung die Pläne für die Verlängerung der Tram vom Alexanderplatz bis zum Potsdamer Platz vor. Damals stand der Bereich um die Leipziger Straße im Fokus. Am Donnerstagabend ging es nun um den Abschnitt um das Rote Rathaus. Dazu waren rund 60 Interessierte in die Stadtwerkstatt an der Karl-Liebknecht-Straße gekommen, wo die Planung vorgestellt wurde.

Demnach soll die Trasse von der Leipziger Straße über den Molkenmarkt weitergeführt werden, wo sie nach links auf die Spandauer Straße einbiegt und sich am Roten Rathaus teilt. Die reguläre Strecke führt um das Regierungsgebäude herum über die Rathausstraße bis zum Alexanderplatz. Daneben soll eine Ausweichstrecke auf der Spandauer Straße in nördlicher Richtung zur Karl-Liebknecht-Straße führen und erst dort den Abzweig nehmen. „Wir wollen diese Verbindung schaffen, damit die Straßenbahn das Rote Rathaus sowohl bei Protokollereignissen, als auch bei Störungen umfahren kann“, erklärte Hartmut Reupke, Leiter der Verkehrsabteilung in der Senatsverkehrsverwaltung. Eine Alternative, um die betriebliche Stabilität zu erhöhen.

Trassenführung über Rathausstraße sorgte für Unmut

Die Tram-Pläne kamen beim Großteil der Anwesenden sehr gut an. Bei einigen sorgte jedoch die Führung über die Rathausstraße für Unmut. „Mit der Karl-Liebknecht- und der Grunerstraße haben wir schon zwei ausgebaute Straßen“, sagte Anwohnerin Claudia Jäger. „Wenn wir da noch eine dritte einziehen, gibt es mitten auf dem Rathausforum eine städtebauliche Trennlinie.“ Außerdem befürchtet die 65-Jährige, dass Fußgänger dadurch gefährdet werden könnten. Sie befürworte die Tram – allerdings lieber regulär über die Ausweichstrecke. „Deshalb wünsche ich unserem Regierenden Bürgermeister möglichst viel Besuch aus dem Ausland.“

Zwar gebe es auf der Rathausstraße schon heute Nutzungskonflikte, die man berücksichtigen müsse, räumte Reupke ein. Allerdings habe sich diese Variante von allen als die beste herausgestellt. „Mittlerweile sind das schon gesetzte Elemente, so dass die Straßenbahn gar nicht mehr anders geführt werden könnte“, so der Abteilungschef weiter. Von einer Gefährdung gehe er nicht aus. Am Alexanderplatz, wo die Tram schon jetzt direkt durch die Fußgängerzone fährt, habe es bislang auch keine Unfälle gegeben.

Senat will gesamtes Rathausareal umgestalten

Die Kritiker der Trassenführung blieben allerdings in der Minderheit. „Da sind mindestens 300 Meter Platz, also genug Raum“, meinte Peter Mackensen. Dieser müsse allerdings belebt werden, so der 42 Jahre alte Anwohner weiter. Dazu konnten die Anwesenden an diesem Abend auch Wünsche einbringen. Denn im kommenden Jahr startet ein Gestaltungswettbewerb für den gesamten Bereich zwischen Humboldtforum und Fernsehturm. „Und je genauer wir wissen, was die Anforderungen sind, umso besser können Vorschläge erarbeitet werden“, sagte Manfred Kühne, Leiter der Abteilung Städtebau und Projekte der Senatsbauverwaltung.

In den vergangenen 20 Jahren sei kaum in die Flächen investiert worden, so Kühne weiter. „Zu DDR-Zeiten waren die Anlagen zum Teil in einem besseren Zustand.“ Außerdem seien sie nicht mehr zeitgemäß – Spielplätze würden etwa fehlen. „Viele Angebote, die heute in Grünflächen selbstverständlich sind, gibt es dort noch nicht.“ Das solle sich in den kommenden fünf Jahren ändern.

Tram soll ab 2025 parallel zur Mühlendammbrücke gebaut werden

Die neue Tramtrasse soll die M4 von Weißensee in westlicher Richtung verlängern und perspektivisch über den Potsdamer Platz hinaus bis zum Rathaus Steglitz verlängert werden. Außerdem ist eine Abzweigung über Hermannplatz und Sonnenallee bis nach Schöneweide geplant.

Der Abschnitt zum Potsdamer Platz soll laut Planer 2027 in Betrieb genommen werden. Baubeginn soll zwei Jahre zuvor zeitgleich mit dem Neubau der maroden Mühlendammbrücke sein. Das sei „in die ganze Planung eingetaktet“ und solle parallel erfolgen, sagte Verkehrsabteilungsleiter Reupke.

Straßenbahn bekommt nur teilweise eigenes Gleisbett

Wo es möglich ist, solle die Tram im eigenen Gleisbett fahren, so Reupke weiter. Auf der Leipziger Straße, wo außerdem Rad- und breite Fußwege geplant sind, werde das jedoch nicht überall funktionieren. „Im engen Bereich wird es darauf hinauslaufen, dass sich die Verkehrsträger untereinander den Raum so gut wie möglich aufteilen.“

Genau hier sieht die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus das größte Problem. Wenn es kein durchgehendes eigenes Gleisbett gebe, „wird es schwierig in der Berliner Innenstadt einen leistungsfähigen und störungsfreien Ablauf sicherzustellen“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Friederici. Dann stehe die Straßenbahn nur mit dem restlichen Verkehr im Stau. Ähnlich sieht es auch Friedericis FDP-Kollege Henner Schmidt. „Zwischen Glinka- und Charlottenstraße ist es so eng, dass mir nicht klar ist, wie das gehen soll.“ Er plädiert stattdessen dafür, die Pläne einer U-Bahntrasse aus den 50er-Jahren wieder aufzugreifen.