Annett Greiner-Bäuerle hat einen günstigen Moment erwischt, um kurz durchs Nikolaiviertel zu spazieren. Es ist später Vormittag, die großen Touristengruppen, einem Führer hinterherlaufend, seien schon wieder weg. Und die meisten individuellen Touristen kämen erst ab der Mittagszeit, sagt die Vorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Nikolaiviertel. So ist es in den kleinen Straßen und Gassen mit dem holprigen Feldsteinpflaster friedlich und unaufgeregt.

Es ist ein Bild, das zum Nikolaiviertel passt. Die Straßen rund um die Nikolaikirche sind der Geburtsort Berlins. Hier wurde die Stadt im 13. Jahrhundert gegründet. Tausende Touristen zieht es täglich hierhin. Doch Berlin und die Berliner haben auffallend wenig Verbindung zu ihrem historischen Kern. Das Nikolaiviertel liegt ganz im Zentrum der Stadt und doch im Schatten, zwischen den Verkehrsachsen Mühlendamm und Spandauer Straße abgeschieden und fast wie vergessen.