Berliner Schloss

Die Schlosskuppel nimmt Gestalt an

Der einst umstrittene Bau auf dem Dach des Humboldt-Forums kommt voran.

Nach Planung und Arbeit in Thüringen werken die Bauarbeiter seit September 2018 am Humboldt-Forum über der Museumsinsel.

Nach Planung und Arbeit in Thüringen werken die Bauarbeiter seit September 2018 am Humboldt-Forum über der Museumsinsel.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE / FUNKE Foto Service

Berlin. Das frisch montierte Blech glänzt noch kupfern. Bisher haben Regen und Luft ihre Spuren auf dem Metall nicht hinterlassen können. Ganz neu und ohne Patina, so präsentieren sich die zuletzt angebrachten Kupferbleche an der Kuppel des Berliner Schlosses und zeigen: Mit dem Bau auf dem Dach des Humboldt­forums geht es voran.

Bei einem Rundgang in luftiger Höhe klärte Humboldtforum-Bauvorstand Hans-Dieter Hegner über den gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten auf. Im Herbst, möglicherweise schon im September, soll demnach der Kuppelbau grundsätzlich fertig werden. Zuständig dafür, dass die Kuppel ihre metallische Hülle bekommt, ist ein Klempner- und Blechverarbeitungsbetrieb aus dem thüringischen Greiz. Seit Frühjahr vergangenen Jahres leiten die Mitarbeiter Rainer Sterzl und Daniel Hartleib die Anfertigung des Kupferbeschlags. Kein alltäglicher Auftrag für die Thüringer. „Es ist für uns eine Errungenschaft, die Kuppel machen zu dürfen. Eine tolle Sache, für unsere Firma“, sagte Sterzl.

Sieben Mitarbeiter kümmern sich aktuell um die Montage am Berliner Schloss, vier weitere kümmern sich um die Vorfertigung im Werk. Für das Unternehmen sei es der erste Auftrag in dieser Größenordnung gewesen – und ein komplizierter dazu. Denn die Kuppel ist an verschiedenen Punkten unterschiedlich geformt. Während der untere Ring eine Ellipse bildet, nimmt die Kuppel im oberen Bereich eine Kreisform an. „Die Herausforderung war, die Formen herzustellen und das mit Kupfer umzusetzen.“ Das Unternehmen hat dafür ein Formteil der Kuppel im Werk in Thüringen nachgebaut. Dort wurden dann auch die Hüllenstücke aus 0,8 Millimeter dickem Kupferblech geformt. „Das hat viel Feingefühl benötigt“, erklärte Daniel Hartleib. Ein weiteres Problem: Wie die einstigen Baumeister die komplizierte Kuppelhülle einst angefertigt hatten, sei heute nicht mehr bekannt, so der Mitarbeiter. „Die Methoden mussten erst wieder neu gefunden werden.“ Nach Monatelanger Planung und Arbeit in Thüringen werkten die beiden seit September 2018 hoch oben über der Museumsinsel. Ein Anblick, den sie nicht alle Tage beim Arbeiten hätten, befand Hartleib. „Das ist schon eine schöne Baustelle.“

Ein Kreuz soll Anfang 2020 auf dem Humboldt-Forum landen

Auch der ostthüringer Bundestagsabgeordnete Volkmar Vogel (CDU), Stiftungsratsmitglied der „Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum“, machte sich vor Ort ein Bild vom Stand er Arbeiten. „Es freut mich, dass Handwerker aus unserer Region hier tätig sind“, sagte Vogel. Das Vogtland sei eine strukturschwache Gegend, die Handwerksbetriebe brauche, deren Arbeit auch nach außen strahle.

Um den Kuppelbau auf dem wiederaufgebauten Schloss hatte es immer wieder Aufregung gegeben. In den ursprünglichen Finanzplanungen waren keine Mittel für den Aufbau vorgesehen gewesen. Eine Umsetzung gelang nur wegen zusätzlicher privater Spenden. Für Diskussionen sorgte auch die Frage, ob auf die Spitze der Kuppel wieder ein Kreuz platziert werden solle. Mittlerweile ist die Entscheidung dafür gefallen. Die Arbeiten am Kreuz und der darunter liegenden Laterne, beide zusammen zwölf Meter hoch, liefen bereits, sagte Humboldtforum Bauvorstand Hegner. Sie sollten nach Abschluss der Kuppelarbeiten per Kran auf den Bau gesetzt werden. Auf der Baustelle ist zu hören, dass es möglicherweise Verzögerungen bei der Fertigung der Laterne geben könne. Hegner jedoch wiegelte ab. Er rechne mit einer Fertigstellung des höchsten Punkts der Großbaustelle Anfang 2020.