Rechtspopulismus

Christliches Hotel wirft AfD kurzfristig heraus

Die Berliner Stadtmission verweigert der Partei die Nutzung ihrer Räume im Albrechtshof in Mitte.

Gäste verlassen ein Hotel. (Symbolbild)

Gäste verlassen ein Hotel. (Symbolbild)

Foto: pa

Berlin. Eigentlich sollte am Montagnachmittag im Hotel Albrechtshof in Mitte eine Podiumsdiskussion der AfD-Bundestagsfraktion stattfinden. Nur wenige Stunden vor Beginn wurde die Veranstaltung jedoch vom Hoteleigentümer, der Berliner Stadtmission, abgesagt. Grund sei das Menschenbild der Partei gewesen, sagte Stadtmissionsdirektor Joachim Lenz am Dienstag.

Der evangelische Verein ist in der Obdachlosen- und Flüchtlingshilfe aktiv. „Wir haben den Eindruck, dass wir uns um Menschen kümmern, die die AfD ablehnt“, so Lenz weiter. Die Partei stehe für Ausgrenzung und nehme in Kauf, dass Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. „Als christliche Einrichtung müssen wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ablehnen.“

AfD-Fraktion unterstellt Stadtmission „Böswilligkeit“

AfD-Fraktionssprecher Christian Lüth nennt das Verhalten der Stadtmission „undemokratisch“. „Wir haben uns von Anfang an zu erkennen gegeben, aber dann wurde uns aus politischen Gründen kurzfristig abgesagt.“ Zwei Wochen im Voraus sei die Veranstaltung, bei der es um Umwelt- und Verkehrspolitik gehen sollte, geplant gewesen. Die Absage erfolgte maximal zwei Stunden vor dem angedachten Start, wie auch die Stadtmission bestätigte. „Aufgrund der Kurzfristigkeit unterstelle ich Böswilligkeit“, so Lüth weiter. Für die Vorbereitung seien Kosten im niedrigen fünfstelligen Bereich entstanden.

Die Absage sei nicht so kurzfristig erfolgt, um die AfD vorzuführen oder zu ärgern, hält Lenz dagegen. „Hätte ich früher davon Kenntnis gehabt, hätte ich früher abgesagt.“ Vom Inhalt der Veranstaltung und dass sie öffentlich sein sollte, habe er erst wenige Stunden vor dem Start erfahren. „Unsere Vorwarnsysteme haben versagt, das muss man selbstkritisch sagen.“

AfD-Parteimitglieder privat in der Stadtmission weiterhin willkommen

Der Stadtmission gehe es darum, der AfD kein öffentliches Podium bieten zu wollen. Ein pauschales Hausverbot spricht sie nicht aus. „Unsere Hotels stehen allen Gästen offen, unabhängig von Herkunft, Glauben, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Überzeugung“, sagte Lenz. Vor wenigen Wochen verließen einige Gäste das Hotel-Restaurant, weil AfD-Fraktionschefin Alice Weidel dort privat zu Gast war.

Bereits im Mai verweigerte ein Restaurant in Mitte die Bewirtung ranghoher Parteimitglieder. Die Europawahlparty der AfD musste in einem Staakener Tanzsaal stattfinden, weil der Festsaal Moabit die Reservierung stornierte. Im Vorfeld gab es laut AfD Drohungen aus dem linksextremen Spektrum.