Italienisches Restaurant

Keine AfD im Bocca di Bacco: Das sagt Berlins DEHOGA-Chef

Das Bocca di Bacco lehnte eine Tischreservierung für die AfD-Spitze ab. Der Berliner DEHOGA-Chef verteidigt die Entscheidung.

Restaurant Bocca di Bacco.

Restaurant Bocca di Bacco.

Foto: Amin Akhtar

Berlin.  Die Entscheidung des „Bocca di Bacco“-Betriebsleiters, für Alice Weidel, Jörg Meuthen und Alexander Gauland keinen Tisch im Restaurant zu reservieren, sorgt auch noch Tage später für heftige Diskussionen. Beim RBB äußerte sich nun Thomas Lengfelder, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin (DEHOGA), zu dem Fall. „Wenn die Inhaber dieses Restaurants die Bewirtung nicht vornehmen möchten, ist es das gute Recht“, sagte Lengfelder. Letztendlich müsse das jeder Unternehmer selbst entscheiden.

Da Restaurants und Hotels teilweise weit über 50 Prozent ausländische Mitarbeiter hätten, sei es aus Lengfelders Sicht verständlich, dass ein Restaurantleiter keine führenden Mitglieder von Parteien bewirten möchte, die sich gegen diese Internationalität aussprächen.

Das Bocca di Bacco erhält nach der Entscheidung zahlreiche negative und positive Online-Bewertungen. „Ein Restaurant, das Andersdenkende nicht bedient, ist für mich das Letzte. Wo leben wir hier? Hatten wir alles schon mal. Hier werde ich niemals einkehren. Wehret den Anfängen!!!“, schreibt etwa jemand - und vergibt nur einen von fünf Sternen, die schlechtestmögliche Wertung.

Professionelle Hilfe gegen negative Bewertungen

„Ihr seid einfach nur mies und falsch, begrenzt intelligent und borniert. Ab jetzt boykottieren wir!!!! euch“, schreibt ein anderer. Und: „Die Zukunft wird es zeigen, wie es euch mal ergehen wird. Es kommt die Zeit. Alles Gute schon im Voraus.“ Bewertung: ebenfalls nur ein Stern. Auch nur einen Stern vergab ein User, der folgende Rezension schrieb: „Früher hieß das ‘Klassenstandpunkt’, heute nennt man das ’Haltung’. Klingt zwar besser, ist aber das Gleiche. Man steht halt auf der guten, richtigen Seite und hält sich für die besseren Menschen - die Parallelen sind mittlerweile erschreckend.“ Andere berichten auch über angeblich schlechtes Essen und unsaubere Toiletten. Die Bewertungen wurden alle kurze Zeit nach dem Bekanntwerden der Absage an die AfD verfasst.

Dehoga-Geschäftsführer Thomas Lengfelder empfiehlt Restaurants, die ins Fadenkreuz von Rechtspopulisten geraten sind, auf keinen Fall auf negative Bewertungen zu antworten oder anderweitig in Kommunikation zu treten. Betroffene Gastronomen sollten stattdessen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, die vom DEHOGA auch angeboten werde. Hinter vielen negativen Kommentaren steckten keine Menschen aus Fleisch und Blut, sondern Bots.

Bei Google gibt es allerdings auch viele positive Bewertungen und Kommentare. „Natürlich dürfen Sie selbst entscheiden, wen Sie beherbergen wollen oder nicht! Lassen Sie sich nicht beirren!“, schreibt etwa jemand und vergibt fünf von fünf Sternen. Oder auch: „Wenn ich das nächste Mal in Berlin bin, dann werde ich sicher auf ein wunderbares Abendessen, auf das ich mich jetzt schon freue, bei Ihnen zu Gast sein. Heute möchte ich mich aber nur bei Ihnen bedanken, dass Sie Rückgrat zeigen und einem gewissen Personenkreis den Zutritt zu Ihrem Lokal verwehren. Das machen Sie genau richtig, Sie sind der Wirt, es ist Ihr Recht, vom Hausrecht Gebrauch zu machen.“ Erneut: fünf Sterne.

Tischbestellung abgewiesen

Das Bocca di Bacco hatte geweigert, AfD-Spitzenpolitiker zu empfangen. Eine Tischbestellung für ein Abendessen am Montag sei abgewiesen worden, teilte das Restaurant auf dpa-Anfrage mit. Zuvor hatte Fraktionssprecher Christian Lüth einen entsprechenden Tweet verbreitet. An dem spontan anberaumten Abendessen hätten Parteichef Jörg Meuthen, Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland, Co-Fraktionschefin Alice Weidel und der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann teilnehmen sollen, wie Lüth sagte.

Bei Twitter schrieb Lüth, die Absage sei „undemokratisch und dumm“. Stattdessen wollten sich die Politiker nun in der Parlamentarischen Gesellschaft treffen. Auf die Frage nach dem Grund für die Absage betonte einer der Betriebsleiter des Restaurants Bocca di Bacco, Martin Birnbaum, es gebe die Annahme, dass Mitglieder der AfD-Fraktion Menschen aufgrund ihrer Herkunft „diskriminieren und diskreditieren“. Ihm zufolge hatte das Restaurant im vergangenen Jahr schon einmal eine Reservierung der AfD abgewiesen.

Ein ähnlicher Fall hatte sich im November in einem Restaurant in München zugetragen. Damals war die AfD-Fraktionschefin im bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, der „Goldenen Bar“ im Haus der Kunst verwiesen worden. Die Betreiberin hatte die Politikerin mit Verweis auf das multikulturelle Personal gebeten, das Restaurant zu verlassen, was Ebner-Steiner und ihre Begleitung auch taten. Juristisch ist ein solches Vorgehen durch das Hausrecht und die Vertragsfreiheit gedeckt.