Bildung

Bezirk Mitte will neue Schule im Brunnenviertel bauen

Mitte fehlen Tausende Schulplätze. Am Ort des alten Diesterweg-Gymnasiums soll nun ein Neubau entstehen. Doch die Wahl sorgt für Ärger.

Die Initiative PS Wedding hatte Pläne mit dem Gymnasium. Der Bezirk will das Gebäude nun aber doch als Schule weiter nutzen.

Die Initiative PS Wedding hatte Pläne mit dem Gymnasium. Der Bezirk will das Gebäude nun aber doch als Schule weiter nutzen.

Foto: Reto Klar

Berlin. In der langen Diskussion um die Grundstücksnutzung des ehemaligen Diesterweg-Gymnasiums an der Putbusser Straße im Brunnenviertel hat sich das Bezirksamt Mitte für den Bau einer neuen Schule am Standort ausgesprochen und sich gegen die Pläne der Anwohnerinitiative PS Wedding für ein soziokulturelles Zentrum samt sozialem Wohnungsbau positioniert.

Bei einer Veranstaltung in der Heinrich-Seidel-Grundschule am Donnerstagabend erklärten Schulstadtrat Carsten Spallek (CDU) und Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD), dass die steigende Zahl an Schülern im Bezirk keine andere Nutzung als einen neuen Schulbau zulasse.

Tausende Schulplätze werden in Zukunft fehlen

„Wir haben in Mitte viel Zuzug und auch im Bestand leben mehr Menschen“, sagte Spallek. In den kommenden Jahren fehlten daher Tausende Schulplätze. Konkret habe der wachsende Bezirk ohne weitere Schulbauplanungen im Jahr 2030 gut 1600 Schulplätze an Gymnasien zu wenig, verwies der Schulstadtrat auf Prognosen des Monitorings 2018 der Senatsbildungsverwaltung. An den Integrierten Sekundarschulen (ISS) fehlten demnach zum Schuljahr 2030/31 mehr als 2100 Plätze.

Stadtentwicklungsstadtrat Gothe führte aus, dass der Bezirk sieben neue Grundschulen und mindestens sechs weiterführende Schulen bräuchte, um für die Kinder und Jugendlichen in Mitte genügend Schulplätze zur Verfügung zu stellen. „Da ist noch nicht mit eingeflossen, dass zurzeit 2200 Schüler aus Mitte in anderen Bezirken zur Schule gehen“, so Gothe.

Doch auch dort würde der Bedarf wachsen. Schüler aus Mitte könnten deshalb in den kommenden Jahren immer weniger in Nachbarbezirke wie Charlottenburg-Wilmersdorf oder Pankow ausweichen. Um das Grundstück an der Putbusser Straße komme der Bezirk in seiner Planung also nicht herum.

Neue Schule beansprucht gesamte Fläche

Auch bei der Frage, wie das Grundstück im Brunnenviertel genutzt werden solle, fanden die Stadträte klare Antworten. Gothe legte dar, dass eine vierzügige Schule nach neuem Typus die gesamte Fläche beanspruche. „Ich war vor zwei Monaten noch so naiv zu glauben, noch andere Nutzungen auf das Grundstück bringen zu können“, sagte Gothe. In der Überlegung waren Mobile Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) oder eine Teilnutzung durch PS Wedding, die das Bezirksamt nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte zu prüfen hatte. „All das können wir uns nach Lage der Dinge abschminken“, sagte Gothe.

Bei den Vertretern von PS Wedding sorgten die Aussagen für großen Unmut. „Es ist ein politischer Totalschaden über den einzelnen Fall hinaus“, sagte Sabine Horlitz, Sprecherin der Initiative. „Wir denken, Politik muss ein verlässlicher Partner sein, auf dessen Absprachen sich zivilgesellschaftliche Initiativen verlassen können.“

Initiative ist vom Bezirk enttäuscht

Jahrelang hatte der Bezirk die Pläne von PS Wedding unterstützt, dem leerstehenden ehemaligen Gebäude des Diesterweg-Gymnasiums neues Leben einhauchen zu wollen. In dem futuristischen orangefarbenen Bau aus den siebziger Jahren sollten Nachbarschaftszentrum, Kita, Bibliothek und Theater Platz finden. Die Pläne wurden auch befürwortet, da es im Brunnenviertel nur wenige soziokulturelle Räume für die Anwohner gibt. Zudem sollte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo Wohnungen auf dem Areal errichten.

Ihr zur Seite sprang der stellvertretende Landesvorsitzende der Linken und Mitglied des Abgeordnetenhauses, Tobias Schulze. PS Wedding sei „ein Pilotprojekt fürs Land und ein Signal, dass Menschen mit wenig Geld weiterhin einen Platz haben im Zentrum dieser Stadt“.

Er glaube, dass es noch andere Flächen für den Schulbau im Bezirk gebe. Als Alternative schlugen PS Wedding und die Linke Mitte eine bezirkseigene Fläche am Dohnagestell östlich des Plötzensees vor, auf der sich derzeit ein Betriebshof des Grünflächenamts befindet. Zudem setzten sie sich für einen Runden Tisch mit dem Bezirk ein, um nach Standorten zu suchen.

Beschluss über Schulstandort soll im Herbst fallen

Nicht nachvollziehen, konnte dies Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD im Abgeordnetenhaus und Abgeordnete für das Brunnenviertel. Die Grundschulen im Bezirk würden jetzt schon aus allen Nähten platzen. Das komme bald auf die weiterführenden Schulen zu. Wenn wir den Standort nicht berücksichtigen, weiß ich nicht, wo wir unsere Weddinger Kinder runterbringen können“, sagte sie.

Konfrontiert mit der Forderung nach einem Runden Tisch reagierten die Bezirksstadträte zögerlich. „Dialog ist immer gut, aber wir sollten jetzt keine Zeit ins Land gehen lassen, um in zwei Jahren festzustellen, dass wir hier eine Schule bauen müssen“, sagte Gothe. Bei einem Runden Tisch könne es nur darum gehen, ob es auch eine andere Fläche für PS Wedding geben kann. Letztlich stimmten Gothe und Spallek jedoch zu. Bis die BVV im Herbst über einen Beschluss des Bezirksamts zum Standort entscheidet, soll nun weiter diskutiert werden.

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