Öffentliche WCs

Berlin bekommt 192 neue City-Toiletten

Am Dienstag wurden die neue Stadttoiletten mit dem Namen „Berlin“ in Mitte eingeweiht. Doch Behinderte üben Kritik.

Wall-Geschäftsführer, Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese und Wall Finanz-Vorstand Andreas Scholz (von links) bei der Einweihung der neuen Stadt-Toiletten der Firma Wall in Berlin.

Wall-Geschäftsführer, Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese und Wall Finanz-Vorstand Andreas Scholz (von links) bei der Einweihung der neuen Stadt-Toiletten der Firma Wall in Berlin.

Foto: Christian Latz / BM

Berlin.  Frisches Design für stille Örtchen: Die ersten neuen Stadt-Toiletten der Firma Wall sind in Berlin in Betrieb genommen worden. Anders als die bisherigen, abgerundeten Häuschen sind die neuen WGs graue Rechtecke, die nun nach und nach an Straßen und Plätzen in Berlin aufgebaut werden.

„Berlin ist mit dem Toilettenkonzept Vorreiter bei der Barrierefreiheit öffentlicher Toiletten“, sagte Verkehrsstaatssekretär Ingmar Streese bei der offiziellen Einweihung des neuen Häuschens an der Gutav-Meyer-Allee Ecke Brunnenstraße am Humboldthain. Die WCs sähen modern und ansprechend aus. „Das passt gut ins Berliner Stadtbild.“

88 neue City-Toiletten in Berlin noch in diesem Jahr

Die ersten sieben der neuen Toiletten wurden nun in Berlin aufgestellt. Neben der Anlage am Humboldthain stehen sie an der Ottostraße Ecke Alt-Moabit, und an der Pestalozzistraße Ecke Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg. Weitere bisherige Standorte der modernen Toiletten sind der Forckenbeckplatz in Friedrichshain, am Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain und am Friedhof an der Eythstraße in Schöneberg.
Die WCs bilden den Auftakt zum schrittweisen Austausch der bisherigen Wall-City-Toiletten nach dem neuen Toilettenvertrag, den das Land Berlin 2018 mit der Firma Wall geschlossen hat. Danach soll die Zahl der vollautomatischen, barrierefreien Toiletten in Berlin bis Ende 2020 von bisher 172 auf 190 Stück steigen. Insgesamt soll es dann 281 statt bisher 257 öffentliche WCs im Stadtgebiet geben. Der Vertrag zwischen Berlin und Wall beinhaltet zudem eine Option.

Zieht das Land sie, würde die Zahl der Toiletten im Stadtraum auf 360 steigen. Bis Ende 2019 sollen zunächst 88 der neuen Anlagen aufgebaut werden. Die meisten davon in den Bezirken Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf mit 15 beziehungsweise elf Häuschen.


Eigene App zeigt Standort der Toiletten an

Das Design der neuen Toiletten ist eigens für die Hauptstadt entwickelt worden. Entsprechend heißt der Name des Models „Berlin“. Wie die bisherigen Häuschen sind die neuen Toiletten vollständig barrierefrei. Über das Euroschlüsselsystem kommen Behinderte wie bisher frei in die WCs.

Für alle anderen kostet die Nutzung 50 Cent. Zahlen kann man über den neben dem Münzeinwurf auch mit Karte oder mit der von Wall entwickelten App „Berliner Toilette“ bezahlen. Die App bietet zugleich einen Überblick über Standort, Entfernung und Zustand aller öffentlichen Toiletten in Berlin.

Land Berlin zahlt 240 Millionen Euro für Aufbau, Betrieb und Wartung

Wall-Geschäftsführer Patrick Möller sprach von einem „Meilenstein“ durch die neuen WCs. „Wir haben die erste Toilette hier in Deutschland, die der neuesten DIN-Verordnung für Barrierefreiheit entsprechen.“

Auch für Wall ist der Auftrag ein wichtiger Sprung. Der Vertag mit dem Land hat ein Volumen von mindestens 240 Millionen Euro. Darin enthalten ist neben dem Aufbau der Anlagen auch die Wartung und bis zu drei Reinigungen pro Tag für die kommenden 15 Jahre. Im Werk in Velten baut Wall die Klohäuschen aus 2500 Einzelteilen zusammen. 30 Prozent der Teile werden vor Ort von Wall selbst gefertigt.

Kritik von Behindertenvertretern

Unter anwesenden Behinderten-Vertretern waren die Meinungen zu den neuen Örtchen gemischt. „Es ist schon eine Besserung“, befand Karl von Freyhold vom Behindertenbeirat und der Seniorenunion Mitte. Die neuen Häuschen böten viel Platz zum Rangieren und für Begleitpersonen. Doch er merkte an: „Die Toilettensitze sind zu niedrig, da kommt man nur schwer wieder hoch.“ Schon bei der Vorstellung des Modells im vergangenen Herbst hätten sie dies moniert, sagte der Gehbehinderte. Geändert worden sei jedoch nichts.

Anders bewertete Ilja Seifert, Ehrenvorsitzender des Allgemeinen Behindertenverbands Deutschland und ehemaliger Vorsitzender des Berliner Behindertenverbands die Sitzhöhe. „Das ist eine uralte Diskussion.“ Die Behindertenverbände hätten die DIN-Verordnung miterarbeitet. Die Höhe sei ein Kompromiss, für niemanden ideal, aber alle kämen damit klar.

Die neuen Toilettenhäuschen kosten in der am Humboldthain installierten Basisversion rund 150.000 Euro pro Stück. Neben der Grundausstattung gebe es auch Erweiterungen wie zusätzliche Pissoirs oder mehreren aneinander gebauten Häuschen. „Wir müssen an jedem Standort gucken, was möglich ist“, erklärte Wall-Sprecherin Frauke Bank.