Streit um Spielstätte

Monbijou-Theater bekommt neue Betreiber

Die Fläche des Monbijou-Theaters wird an neue Unternehmer vermietet. Vorausgegangen war ein Konflikt zwischen Betreiber und Bezirk.

Das Monbijoutheater bekommt ab Sommer neue Betreiber (Archiv)._

Das Monbijoutheater bekommt ab Sommer neue Betreiber (Archiv)._

Foto: Photographer: berndschoenberger, Hexenkessel Theater.

Berlin. Im Drama um das Monbijou-Theater scheint der letzte Akt erreicht. Die Humboldt-Universität (HU), Eigentümer der Bunkeranlagen auf denen das bekannte Theater liegt, will den Vertrag für die Sommerspielzeit 2019 mit einem neuen Betreiber abschließen. Nun soll die von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern gegründete „Theater an der Museumsinsel Berlin gGmbH i.G.“ die Fläche bespielen. Dahinter stehen der Bühnenbildner David Regehr, der den markanten Holzbau erfunden hat, Regisseur und Dramaturg Maurici Farré, sowie der Ensemble-Sprecher Matthias Horn.

Konflikt zwischen Bezirk und Betreiber

Mit der Entscheidung der HU endet ein Konflikt, der fast das Aus für eines der größten freien Theater in Berlin bedeutet hätte. Zuletzt war die Kritik von Seiten der Bezirkspolitik in Mitte an Betreiber Christian Schulz immer lauter geworden. Kritisiert wurde, dass für den Barbetrieb immer größere Flächen des Monbijouparks genutzt wurden.

Die Gastronomie wurde nur mit einer Sondergenehmigung in der Grünfläche zugelassen, um die Theaterbetrieb querzufinanzieren. Doch ob der Großteil der Einnahmen wirklich dazu diente, schien zunehmend unklar. „Wie viel Geld damit umgesetzt wurde, ist nach wie vor unklar“, sagte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Gerade bei einer öffentlichen Fläche sei es notwendig, Transparenz zu schaffen.

Dem sei Schulz bis zuletzt nicht nachgekommen, so Gothe. Die für Grünflächen zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne) soll die Sondergenehmigung nicht mehr vergeben haben wollen. Im Dezember forderte die Bezirksverordnetenversammlung daher das Bezirksamt auf, nur noch einer gemeinnützigen GmbH die Sondergenehmigung zu erteilen.

Neuer Beirat soll Monbijou-Theater kontrollieren

Die Führung des Theaters durch Schulz hatte da längst zu Konflikten mit den Mitarbeitern geführt, die den weiteren Betrieb bedrohten, heißt es aus dem Ensemble. Bühnenbildner Regehr erhielt von Schulz ein Hausverbot. Um das Theater auch künftig betreiben zu können, gründete Schulz kurzerhand die „Monbijoutheaterproduktions GmbH“.

Die HU entschied sich dennoch für Schulz Konkurrenten. Gothe nannte die Entscheidung „nachvollziehbar“. Gut gefalle dem Bezirk, dass die neuen Mieter der Fläche für ihre gGmbH einen Beirat gründen wollen, in dem je ein Vertreter der HU und des Bezirks sowie eine Persönlichkeit aus dem Berliner Kulturbetrieb sitzen soll. „Wir bekommen so einen Einblick in die finanziellen Ströme“.

Holztheater könnte verschwinden

Froh zeigt sich auch Neumieter Matthias Horn. „Es ging uns darum, das Theater zu retten“, sagte der Schauspieler. Ein Wermutstropfen sei jedoch, dass der Mietvertrag nur bis Ende September laufe. Einen Betrieb im Winter wie bisher könne es daher vorerst nicht geben.

Noch nicht ganz klar ist, wie das Theater zukünftig aussehen wird. Der Holzbau gehört Schulz’ Unternehmen. Er kündigte an, es den Neumietern nicht veräußern zu wollen. Für Schulz ist daher unverständlich, wieso sich die HU für die Gesellschaft von Regehr, Farré und Horn entschieden hat, sei doch Bedingung der HU gewesen, dass die Bewerber in der Lage sein müssten, ein Theater aufzubauen und alle nötigen Genehmigungen einzuholen. „Ihre angekündigte Entscheidung hat zur Konsequenz, dass kein Theater stattfinden wird“, schrieb Schulz an die Universität.

Dem widersprechen die Neumieter. Sollte es keine Möglichkeit geben, das Amphitheater zu erwerben, plant die Gesellschaft zunächst mit einer Gerüstbühne und Containern. Verkleidet werden sollen sie mit einem Bild von Schloss Monbijou. Dort seien vor 200 Jahren erstmals Szenen aus Goehtes Faust aufgeführt worden, so Horn. Genau mit diesem Stoff soll ihre erste Spielzeit daher am 8. Juni beginnen.

Schulz kündigte unterdessen an, einen neuen Ort für das Amphitheater und die Märchenhütten zu suchen.


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