Was nützt das beste Denkmal, wenn man es nicht sehen kann? Dieses Schicksal ereilt alle paar Monate der Erinnerungsort für die Bücherverbrennung 1933 auf dem Bebelplatz in Mitte. Durch eine Glasscheibe im Boden des Areals geht der Blick auf einen hellen Raum mit leeren Bücherregalen. Doch all die Menschen, die täglich über den Platz laufen, hinterlassen Spuren auf der Scheibe. Besonders im Winter leidet das Glas durch Streumittel. Vom Denkmal unter der Erde ist dann kaum noch etwas zu sehen.

Scheibe muss viermal im Jahr für 1800 Euro ersetzt werden

Neuen Durchblick hat der Installation nun der Berliner Unternehmer Hans Wall verliehen. Er trägt ab jetzt die Kosten für den Austausch des Glases. Zur Einweihung der ersten von ihm finanzierten Scheibe am Dienstag erschien Wall gemeinsam mit Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel und Verkehrsstadträtin Sabine Weißler (beide Grüne). Von Dassel bedankte sich bei Wall für die Unterstützung. „Das Denkmal ist gerade wieder umringt gewesen von vielen jungen Menschen“, sagte der Bürgermeister. Dies zeige das Interesse an einem der ganz wichtigen Denkmäler in Deutschland. „Das Denkmal wirkt“, so von Dassel. „Doch es steht und fällt damit, dass man durch das Glas sehen kann.“

Das Denkmal auf dem Bebelplatz wurde am 20. März 1995 eingeweiht. Es erinnert an die Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten am 10. Mai 1933. Damals zündeten Mitglieder des Nationalsozialistischen Studentenbundes gemeinsam mit SA und SS mehr als 20.000 Bücher von Autoren an, die nicht den nationalsozialistischen Idealen entsprachen. Entworfen hat das Denkmal mit den leeren Bücherregalen der israelische Künstler Micha Ullman.

Vier- bis fünfmal pro Jahr muss das Glas jedoch ausgewechselt werden. Kosten: 1800 Euro pro Scheibe. Seit 1996 hatte das die Firma Wall übernommen. Ende 2018 lief der Vertrag aus. Von Seiten des Unternehmens, an dem Gründer Hans Wall seit einigen Jahren keine Anteile mehr hält, hätte die Vereinbarung fortgeführt werden können. „Es sollte Gespräche geben für eine weitere Zusammenarbeit“, sagte Wall-Sprecherin Frauke Bank. Vom Bezirk gab es darauf jedoch keine Reaktion. Stattdessen teilte das Bezirksamt vergangene Woche mit, dass künftig Hans Wall die Scheiben finanzieren werde. Von Dassel erklärte den Schritt damit, dass Bezirk und Unternehmen vom Senat aufgefordert worden seien, sich bei Kopplungsgeschäften zurückzuhalten, bei denen die Firma Maßnahmen in der Stadt gegen den Erhalt von Werbeplätzen durchführt.

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