Neubau

Moabiter Bibliothek soll bei Staatsanwaltschaft einziehen

Justizverwaltung und Mitte planen in Moabit einen Bau für Staatsanwälte und Lesefreunde. Die Bruno-Lösche-Bibliothek soll schließen.

Das Bezirksamt Mitte und die Senatsjustizverwaltung planen, ein gemeinsames Gebäude für die Staatsanwaltschaft und eine neue Stadtteilbibliothek zu bauen. (Symbolbild)

Das Bezirksamt Mitte und die Senatsjustizverwaltung planen, ein gemeinsames Gebäude für die Staatsanwaltschaft und eine neue Stadtteilbibliothek zu bauen. (Symbolbild)

Foto: Martin Schutt / dpa

Ermittler und Lesefreunde sollen künftig in der Moabiter Turmstraße unter einem Dach sitzen. Die Senatsjustizverwaltung und das Bezirksamt Mitte planen, ein gemeinsames Gebäude für die Staatsanwaltschaft und eine neue Stadtteilbibliothek zu bauen. Das geht aus der Antwort der Senatsjustizverwaltung auf eine schriftliche Anfrage des Abgeordneten Marc Urbatsch (Grüne) hervor, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegt. Demnach vereinbarten die Senatsverwaltung und das Bezirksamt Mitte im Dezember, das gemeinschaftliche Projekt zu prüfen.

Senatsjustizverwaltung und Bezirksamt prüfen Gemeinschaftsprojekt mit Bibliothek

Offen sei derzeit etwa, ob ein Gemeinschaftsbau den nötigen Sicherheitsbelangen gerecht würde. Das Ergebnis werde noch in diesem Jahr erwartet. Mittes für Bibliotheken zuständige Bezirksstadträtin Sabine Weißler gibt sich dennoch zuversichtlich. „Es sieht so aus, als würden beide Seiten das so haben wollen.“

Für den Bezirk sei die angestrebte Kooperation ein Glücksfall. Das Bezirksamt suchte dringend einen neuen Standort für eine Bibliothek als Ersatz für die zu klein gewordene Bruno-Lösche-Bibliothek. Doch die benötigte Fläche in Moabit zu finden sei „fast aussichtslos“, sagte Weißler.

Untere zwei Etagen des Gebäudes für Moabiter Bibliothek

Häufig kam sie aber durch die Turmstraße und stieß auf die Freifläche an einem Neubau der Staatsanwaltschaft neben dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo). So bekundete das Bezirksamt Mitte im November sein Interesse an einer Kooperation. Die unteren zwei Etagen des Gebäudes sollten demnach zur neuen Mittelbibliothek für den Ortsteil werden.

Moabits aktuelle Stadtteilbibliothek, die Bruno-Lösche-Bibliothek an der Perlebergerstraße, platzt aus allen Nähten. Bei der Eröffnung in den Sechzigern umfasste der Bestand der angebotenen Medien nur rund die Hälfte von dem, was heute in der Bibliothek ausgeliehen werden kann. Zudem gilt der Bau aus dem Jahr 1964 mittlerweile als veraltet.

Bruno-Lösche-Bibliothek in Moabit ist zu klein und alt

„Es ist damals nicht so gedacht worden, wie heute gearbeitet wird“, sagte Weißler. „Wir haben keine Möglichkeit für die Atmosphäre zu sorgen, die man aus anderen modernen Bibliotheken kennt.“ Für Lounges mit Sofas und Sesseln, wie es sie etwa in der neuen Schillerbibliothek am Leopoldplatz gibt, fehlt der Platz.

Auch die stark nachgefragten Lern- und Arbeitsplätze können wegen des Flächenmangels nicht ausgebaut werden. „Dabei könnten wir dreimal so viele Plätze brauchen“, so Weißler. Da es in der Kinderbibliothek keinen separaten Raum gebe, sei auch das Angebot zur Leseförderung stark eingeschränkt.

Neubau am Standort der Bruno-Lösche-Bibliothek nicht möglich

Während die neue Schillerbibliothek fast 1700 Quadratmeter Fläche biete, käme Moabits Stadtteilbücherei auf deutlich weniger als die Hälfte. Viel zu wenig, sagt Weißler: „Unser Platzbedarf liegt bei rund 2000 Quadratmetern“. Diese durch einen Neubau der Bruno-Lösche-Bibliothek zu erreichen, ist nicht möglich.

Das Gebäude liegt auf einem Privatgrundstück. Zudem würde eine Schließung für die Bauarbeiten, die Moabiter jahrelang um ihre Stadtteilbibliothek bringen – und den Bezirk um eine Menge Geld. Denn der Senat zahlt den Bezirken nur in dem Umfang Mittel für ihre Bibliotheken, wie diese Bücher ausleihen.

Zeitplan für den Bau noch offen

Wann der Gemeinschaftsbau für Staatsanwälte und Bücherfreunde Realität wird, ist indessen offen. Ein Zeitplan für die Errichtung des Gebäudes liege bislang nicht vor, heißt es in der Senatsantwort auf Urbatschs Anfrage. Realistisch scheint jedoch Ende 2024.

Wie von der Berliner Morgenpost berichtet, sollen nämlich im Herbst 2019 rund 100 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft übergangsweise in das zuvor von Air Berlin genutzte Gebäude am Saatwinkler Damm ziehen. Der Mietvertrag soll zunächst fünf Jahre laufen. Das Ziel sei, dass die Staatsanwälte dann in das neue Gebäude an der Turmstraße ziehen, sagte Justizverwaltungssprecher Sebastian Brux im Dezember.

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