Tödlicher Unfall

Gedenken und belastende Ermittlungen im Fall Fabien M.

Vor einem Jahr starb Fabien M. bei einem Crash mit einem Polizeiauto. Die Prozessbeteiligten warten weiter auf Ermittlungsergebnisse.

Familie, Freunde und Bekannte trauern am Alexanderplatz um die bei dem Unfall gestorbene Fabien M.

Familie, Freunde und Bekannte trauern am Alexanderplatz um die bei dem Unfall gestorbene Fabien M.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Pinselstrich für Pinselstrich wird die Laterne an der Grunerstraße in Mitte schwarz gemalt, Kerzen flackern. Dahinter steht das Rote Rathaus. Hier wurde vor einem Jahr die 21-jährige Fabien M. tot gefahren – von Polizisten auf dem Weg zum Einsatz. Wohl mit 134 Kilometern pro Stunde, mitten in der Stadt.

Einige Schritte weiter, auf dem Boden, steht in roter Farbe: Fabi. Daneben ein Bild der blonden Frau, Blumen. Viele Freunde sind ein Jahr nach ihrem Tod gekommen. Die Polizei hat die Straße gesperrt. Fabiens Mutter tritt an das Mikrofon: „Wir möchten heute unserer Tochter Fabi gedenken.“ Ihre Stimme stockt. Es war ihr Traum, sagt sie, zur Polizei zu gehen. „Und ein Polizist war es, der ihr das Leben nahm.“ Nichts sei auch zwölf Monate nach dem Unfall passiert, sagt die Mutter und fragt: „Gelten für Beamte andere Gesetze?“

Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall warten die Prozessbeteiligten noch immer auf Ermittlungsergebnisse. Damals war ein Polizeiauto auf dem Weg zu einem gemeldeten Raubüberfall mit dem Kleinwagen der Frau kollidiert. Sie wollte gerade auf dem Mittelstreifen ein- oder ausparken. Der Raubüberfall, zu dem die Polizei unterwegs war, entpuppte sich später als Fehlalarm. Fabien M. starb bei der Kollision.

Die junge Frau aus Reinickendorf war damals in Mitte, um Behördengänge zu erledigen, sie wollte einen eigenen Laden eröffnen. Recherchen der Berliner Morgenpost ergaben, dass das Polizeiauto deutlich zu schnell unterwegs gewesen sein soll. Laut einem Gutachten soll der Polizeiwagen mit 134 Kilometern pro Stunde gefahren sein. Als er mit dem Kleinwagen kollidierte, war er noch mehr als 90 Kilometer pro Stunde schnell. Er bohrte sich in das Auto der jungen Frau. Die beiden Polizisten wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt seitdem wegen fahrlässiger Tötung.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind die Ermittlungen abgeschlossen, allerdings konnte noch keine Anklage erhoben werden. Das hängt auch mit Anträgen der Nebenklage – also der Familie – zusammen.

Nachdem die Mutter von Fabien am Dienstag gesprochen hat, zwei Freundinnen an sie erinnert haben, wird geschwiegen. Dann errichten Mitglieder des Verkehrsclub Deutschland, von Fuss e. V. und Changing Cities die kleine Gedenkstelle. „Fabien 21“, mehr steht nicht auf dem kleinen Kreuz an der schwarz getünchten Laterne. Die Aktivisten fordern eine Ombudsstelle für Geschädigte schwerer Unfälle und eine schnellere Aufklärung der Ursachen.

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