Bezirksamt

Was Mittes neue Jugendstadträtin im Bezirk anpacken will

Die 33-jährige Ramona Reiser ist neue Jugendstadträtin in Mitte. Wegen ihres Alters begegnen ihr Vorbehalte - doch sie hat einiges vor.

Mittes neue Jugendstadträtin Ramona Reiser.

Mittes neue Jugendstadträtin Ramona Reiser.

Foto: Markus Heine

Berlin. Ganz gewöhnt hat sich Ramona Reiser noch nicht an die neue Aufgabe. „Es gibt aktuell jeden Tag etwas Neues.“ Reiser hat Anfang des Jahres das Amt als Stadträtin für Jugend, Familie und Bürgerdienste im Bezirk Mitte übernommen. Bis vor wenigen Wochen war sie Bürokraft in der Bundesgeschäftsstelle der Bahnhofsmission, plötzlich steht sie mit gerade mal 33 Jahren mehreren Hundert Mitarbeitern vor. „Das ist immer noch eine Umstellung“, gesteht sie.

Aber Reiser nimmt die Herausforderung gerne an – auch wenn sie sich den Schritt nicht leicht gemacht habe. Am Anfang der Suche nach einem Nachfolger für die zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gewechselten bisherigen Stadträtin Sandra Obermeyer (parteilos, für Linke) sei das „gar keine Option“ gewesen, sagt Reiser.

Reisers Anforderungen an einen Kandidaten erfüllte nur sie selbst

Doch im Laufe der Suche änderte sich die Sicht. „Ich habe immer gesagt, ich möchte auf jeden Fall eine Frau als Nachfolgerin von Sandra Obermeyer - im besten Fall eine junge Frau.“ Damit seien für sie auch inhaltliche Erwartungen an das Stadtratsamt verbunden gewesen. Doch da sei niemand gewesen, der das erfüllen konnte. Reiser sagte sich: „Ich muss jetzt über meinen Schatten springen und selbst die Person sein, auf die ich warte.“

Als dann der zunächst für das Amt vorgesehene Bezirksverordnete Sven Diedrich wegen einer Vorstrafe wegen Steuerschulden von der Parteiführung überraschend zum Rückzug gedrängt wurde, war der Weg frei für Reiser.

Die neue Jugendstadträtin trifft auf Vorbehalte wegen ihres Alters

Im Bezirksamt fällt die junge Frau mit Kurzhaarschnitt und ihrem sportlichem Kleidungsstil auf. Sie ist einige Jahre jünger als ihre Stadtratskollegen. Wurde ihr gesagt, sie sei zu jung für den Posten? „Manchmal wird es nicht ausgesprochen, aber man merkt gewissen Vorbehalte“, sagt Reiser.

Die werde sie nicht so schnell auflösen können, ahnt sie. „Ich bin automatisch immer die jüngste, immer die Ausnahme.“ Manche unterschätzten sie deshalb, versuchten sie unnötig in Schutz zu nehmen. „Aber es gibt teilweise auch richtig viel Zuspruch.“

Aus einem Schwarzwalddorf nach Moabit

Die 33-Jährige Moabiterin stammt gebürtig aus einem 600-Einwohner-Dorf im Schwarzwald. Nach ihrem Abitur zog sie 2005 zum Studium nach Berlin. In der Hauptstadt studierte sie Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften. Nach ihrem Masterabschluss arbeitete sie zunächst am Theater, ließ die oft prekäre Branche aber hinter sich und war ab 2014 zunächst ehrenamtlich für die Bahnhofsmission am Hauptbahnhof tätig.

Seit 2016 arbeitete sie dann hauptamtlich in der Bundesgeschäftsstelle, zuletzt zuständig für den Bereich Finanzen, Personal und Spenden. „Die Bahnhofsmission hat mich ganz stark geprägt“, sagt Reiser.

Der Job habe sie sensibilisiert für die fehlende Anerkennung Ehrenamtlicher. „Auch mein Blick für Ausgegrenzte und Benachteiligte ist dadurch stärker geworden.“ Dinge, die sie mit in ihre neue Position als Jugendstadträtin mitnehmen will. „Das Thema Benachteiligung muss man auch hier anpacken“. Die fange schon erschreckend früh an, so Reiser. „Da kann man hier mit der frühkindlichen Bildung schon viel leisten.“ Nötig seien qualifizierte Kitas, damit Benachteiligung nicht schon im Kindesalter beginne.

Reiser will Fokus auf Sportförderung legen

Daneben will sie im Bereich Rassismus und Diskriminierung weitere Akzente setzen und bei der Sport- und Bewegungsförderung. „Wir haben im Bezirk Mitte das Problem, dass viele Kinder motorische Probleme haben und von der Entwicklung nicht so weit sind, wie sie in ihrem Alter sein sollten.“

Das Thema beschäftige die bisherige Vorsitzende des Sportausschusses seit 2016. „Jetzt muss ich sehen, wie ich da als Stadträtin ansetzen kann.“ Dafür wolle sie Rahmenbedingungen schaffen, damit Jugendarbeit und Sportvereine noch besser zusammenarbeiten. Auch Spielplätze würde sie gerne so umbauen lassen, dass sie mehr zur Bewegung anregen.

Thema Zweckentfremdung soll konsequenter angegangen werden

Ein weiteres drängendes Problem in ihrem Zuständigkeitsbereich: Die Zweckentfremdung von Wohnraum. „Wir haben nur begrenzten Platz in Mitte“, sagt Reiser. Umso wichtiger sei es, dass die Wohnungen, die es gebe auch zum Wohnen zur Verfügung stünden. „Da müssen wir konsequenter sein.“

Wie in vielen anderen Bereichen hake es bisher auch hier am mangelnden Personal. „Im Grunde ist mittlerweile Geld da.“ In der Vergangenheit seien jedoch so viele Stellen gekürzt und Flächen abgegeben worden, dass der Bezirk nun in der Situation sei, die Mittel gar nicht ausgeben zu können, so Reiser. „Das ist frustrierend.“ Bis der Bezirk wieder da sei, wo sie hin wollten, sei viel zu tun, sagt Reiser. Der Wille anzupacken, den hat sie jedoch.

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