Wohnbauprojekt

Moabit bekommt neuen Stadtplatz und "experimentelles Wohnen"

An der Rathenower Straße plant die WBM ein Wohnhaus mit Anschluss zum Fritz-Schloss-Park - samt Alternative zu teuren Single-Wohnungen.

Entwurf des Architekturbüros SEK.

Entwurf des Architekturbüros SEK.

Foto: Christian Latz / BM

Berlin. Noch wirkt es an der Rathenower Straße in Moabit wenig einladend. An der Kreuzung zur Birkenstraße steigt gleich hinter dem Bürgersteig ein Erdwall auf, dahinter verwittert ein halbleerer Häuserriegel aus den Siebzigern, gemeinsam nehmen sie jede Sicht sowie den Zugang zum dahinter befindlichen Fritz-Schloss-Park. Doch das soll nicht so bleiben, bald soll hier wieder Leben sein.

In den nächsten Jahren wird das Areal komplett umgestaltet. Nicht nur der Erdwall mit den dahinter befindlichen Parkplätzen wird verschwinden. Auch der langgezogene dreigeschossige Riegel des dahinter liegenden Baus wird abgerissen. Nur der Gebäudeteil mit acht Etagen soll bleiben und saniert werden.

Neuer Wohnblock und Stadtplatz geplant

Auf dem so gewonnenen Platz planen die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) und der Bezirk im südlichen Grundstücksbereich zur Straße hin einen bis zu acht Stockwerke hohen Wohnblock. Gemeinsam mit dem zurückliegenden Achtgeschosser und dem nördlich daran angrenzenden Zille-Haus bilden die Gebäude den Rahmen für einen neuen Stadtplatz zur Straße hin. Anders als heute wird es von dort aus dann auch einen direkten Durchgang zum Park geben.

Von einem so entstehenden "Campus" sprach Stephan Lange, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung im Bauamt Mitte: Nördlich davon befindet sich bereits heute die Kurt-Tucholsky-Schule, südlich davon eine Kita. Ergänzt durch die neuen Wohnungen und soziokulturellen Nutzungen entstehe so ein Viertel im Viertel.

Soziale Träger sollen im Gebäude bleiben

So sehen es die bisherigen Planungen auf dem Areal vor. Offen sind die genaue Fläche und Ausgestaltung des neuen, südlichen Wohnblocks, sowie Abmessungen des Stadtplatzes. Teil der Pläne ist auch, die bisherigen Mieter des Gebäudes weiter unterzubringen. Es sind vor allem soziale Einrichtungen: Die Kiezküchen und ein Träger der Jugendhilfe sowie der Jobvermittlung. Auch das „Haus der Weisheit“, eine Moscheegemeinde, sitzt hier. Weitere Flächen stehen seit längerem leer oder sind im Winter an die Kältehilfe vermietet.

Um beim dafür stattfindenden Architektenwettbewerb auch die Moabiter beteiligen zu können, fand am Mittwoch eine öffentliche Vorstellung samt Diskussion der Pläne statt. Anwohner konnten ihre Ideen und Kritik zu den Entwürfen einbringen.

Drei Entwürfe sind im Rennen

Einer davon stammt vom Architekturbüro DMSW. Dessen Pläne sehen für das Wohnhaus einen Block mit kleinem Innenhof vor. In den untersten beiden Etagen sollen demnach Flächen für das Haus der Weisheit sowie Gewerbe entstehen. Aufgesetzt darauf stellen sich die Architekten mehrere fünfgeschossige Wohntürme vor, zwischen denen Gemeinschaftsgärten für die Bewohner entstehen könnten.

Der Entwurf des Büros Dahm Architekten schlägt statt des Baus mit den Wohntürmen ein Richtung Park offenes „U“ als Grundriss des Gebäudes vor. So ließe sich für die Bewohner der Straßenlärm reduzieren, da die Schlafräume in Richtung des zum Park offenen Hofs gelegen wären.

Einen anderen Weg schlug das Büro SEK ein. Sie planen, einen größeren Teil vom alten dreigeschossigen Riegel zu erhalten. Um die dadurch geringere Grundfläche ihres neuen Hauptbaus auszugleichen, setzen sie auf ein zweites, fünfgeschossiges Haus, das auf dem neuen Stadtplatz Platz finden würde. Auf den über zwei Etagen verfügenden Sockel des Hauptblocks ordnen sie einen vier- beziehungsweise sechsgeschossigen Wohnturm an.

WBM plant Gemeinschaftswohnungen

Wo sich alle Pläne ähneln: Sie halten die vorgegebene Neubaufläche von 11.500 Quadratmetern ein, die WBM und Bezirk fordern. Rund 8000 Quadratmeter davon sind für Wohnungen vorgesehen. Je nach Größe könnten es rund 80 sein, sagte Stephan Lange, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung im Bauamt Mitte. 50 Prozent davon sollen Sozialwohnungen werden.

Die Besonderheit dabei: Aus nur einem Teil davon werden gewöhnliche Wohnungen entstehen. Beim Rest wagt die WBM einen Versuch: "Wir haben einen Bedarf an günstigen Einpersonenwohnungen", sagte Baustadtrat Ephraim Gothe. Denn gerade Single-Wohnungen sind berlinweit heiß begehrt - meist jedoch teurer. Deshalb probiert man es nun mit "experimentellem Wohnen". Geplant sind Gemeinschaftswohnungen. Mieter eines Ein- bis Zwei-Zimmer-Bereichs haben zwar ein eigenes Bad, die Küche teilen sie sich aber mit mehreren Parteien. Neben der günstigeren Miete hoffen die Planer, so auch die Bewohner näher zusammen zu bringen.

Bis Stadtplatz und Wohnexperiment umgesetzt sind, werden allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Zunächst ist für den 25. Februar die Entscheidung für einen der drei städtebaulichen Entwürfe vorgesehen. Geht danach beim Aufstellen des Bebauungsplan alles glatt, hofft die WBM 2023 fertig zu sein.

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