Rekommunalisierung

Häuserkauf in Wedding: Amma65 gehört jetzt doch der Stadt

Das Haus wäre fast Mittes erster Vorkaufsfall geworden. Nun konnte es Berlin doch kaufen. Doch die Bewohner haben neue Forderungen.

Das Haus an der Amsterdamer Straße 14 Ecke Malplaquetstraße 25 ist an die Stadt und Land verkauft worden (Archiv).

Das Haus an der Amsterdamer Straße 14 Ecke Malplaquetstraße 25 ist an die Stadt und Land verkauft worden (Archiv).

Foto: Amma65

Berlin. Mit diesem Weihnachtsgeschenk hatte der Verein Amma65 nicht gerechnet. Seit langem sind die Bewohner des Gebäudes Amsterdamer Straße 14 Ecke Malplaquetstraße 25 in der Wohnungspolitik aktiv. Als ihr Haus vor gut einem Jahr verkauft wurde, wären sie beinahe der erste Vorkaufsfall in Mitte geworden. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist unterzeichnete der Käufer damals jedoch noch die Abwendungsvereinbarung. Die Enttäuschung bei den Bewohnern war groß.

Umso unverhoffter kam die Nachricht, die sie am 1. Weihnachtstag erreichte. Ihrem neuen Besitzer, der Investor Jakob Mähren, hatten sie über Instagram einen Weihnachtsgruß geschickt. Der antwortete prompt: „Frohe Weihnachten. Ich habe ein ganz besonderes Geschenk für sie.“ Das Haus sei rekommunalisiert, wieder verkauft an die Stadt.

Hausgemeinschaft Amm65 erleichtert über Häuserkauf

In der Tat hat der Mähren das Haus Ende 2018 an die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land verkauft. Das bestätigte die Gesellschaft auf Anfrage. Die Hausbewohner bekamen die Bestätigung nach einigen Tagen Ende September vom Bezirksamt Mitte.

Eine „Erleichterung“ sei die Nachricht für sie gewesen, sagte Sandrine Woinzeck, Bewohnerin und Sprecherin von Amma65. Nun müssten sie nicht mehr permanent Angst um ihren Wohnraum haben. „Ich hatte eine Flasche Champagner zu Hause. Die haben wir sofort aufgemacht.“

Bewohner wollen nicht von Stadt und Land verwaltet werden

Die Initiative habe ein Jahr lang intensiv gearbeitet und gekämpft, sagt Woinzeck. Nun seien sie froh, dass ihr Haus mit den rund 60 Bewohnern in 29 Wohnungen nicht mehr auf dem freien Wohnungsmarkt sei. Dennoch, macht Woinzeck deutlich: „Teil einer Wohnungsbaugesellschaft zu sein ist nicht, was wir wollen.“

Zu einer Wohnungsbaugesellschaft habe der Verein „kein Vertrauen“. Es gebe die Angst, dass das Gebäude irgendwann doch wieder verkauft werde, wie es um die Jahrtausendwende bei den öffentlichen Gesellschaften der Fall war – aktuell aber längst nicht mehr praktiziert wird.

Baustadtrat Gothe hat Sympathie für Selbstverwaltung

Die Bewohner wollten selbstverwaltet wohnen. „Wir sind eine gut organisierte und zusammengewachsene Hausgemeinschaft“, sagt Woinzeck. Die Stadt und Land bräuchten sie dafür nicht. Ein mögliches Modell, das ihnen vorschwebt: Die Miete geht an die Wohnungsbaugesellschaft, um den Rest kümmerten sie sich selbst. „Wir sind in der Lage, das zu leisten. Die Stadt und Land könnte sich auf ihre anderen Häuser konzentrieren.“

Die Wohnungsbaugesellschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu den Ideen der Bewohner äußern. Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) zeigte sich „hocherfreut“, dass es auf diesem Weg möglich war, das Haus in kommunalen Besitz zu bringen. Für die Vorstellungen der Hausgemeinschaft hat er Verständnis. „Über Selbstverwaltung zu sprechen, finde ich okay“, sagte er.

Bei den anstehenden Renovierungsarbeiten sehe er etwa Potentiale, dass nach Absprachen mit den Bewohnern nicht zu umfangreich saniert werde, oder sich die Hausgemeinschaft selbst daran beteilige, um die Mieten niedrig zu halten.

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