Die Berliner Zoo-Besucher müssen Abschied von Gorilla-Männchen Ivo nehmen. Nach 14 Jahren verlässt das Oberhaupt die Gorilla-Gruppe. Der 30-jährige Silberrücken wird in den kommenden Wochen nach Saarbrücken ziehen.

Der Zoo Berlin wollte gerne Nachwuchs haben. Doch trotz mehrfachen Damen-Annäherungen gab es jahrelang keine kleinen Gorillas. Der Zoo wurde stutzig und untersuchte den Silberrücken im Jahr 2015 gründlich. Es stellte sich heraus, dass Ivo zeugungsunfähig ist.

Damit die genetisch-wertvollen Berliner Gorilla-Weibchen dennoch für Nachwuchs sorgen können, entschied der Zoo Berlin auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) Ivo abzugeben. Im Saarbrücker Zoo warten drei Gorilla-Damen nun auf Ivo. Das Trio kann aber nicht mehr für Nachwuchs sorgen.

„Durch die Zerstörung ihres Lebensraumes und die illegale Jagd sind Gorillas heute vom Aussterben bedroht. Jedes geborene Jungtier trägt somit bedeutend zur Erhaltung der gesamten Art bei“, erklärt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem.

Zoo Berlin bekommt ein neues Gorilla-Männchen

In den kommenden Wochen wird ein anderes Gorilla-Männchen in den Zoo Berlin ziehen. Dort erwarten ihn dann die Westlichen Flachlandgorilla-Weibchen Djambala (17), Bibi (21) und Mpenzi (33). Außerdem lebt mit Fatou (61) noch die älteste Gorilla-Dame der Welt im Zoologischen Garten, der germeinsam mit dem Tierpark Berlin der weltweit artenreichste Zoo ist, wie Direktor Knieriem am Donnerstagvormittag bei einem weiteren, überaus erfreulichen Anlass betonte.

Bauarbeiten im Affenhaus sind abgeschlossen

Denn im weitläufigen Tierpark Berlin im Bezirk Lichtenberg konnte ein Etappenziel im Umbauprogramm der Institution gefeiert werden. Im Affenhaus konnte nach fast einem Jahr Bauzeit die großzügige Umgestaltung abgeschlossen werden. Das Refugium für Primaten sorgt nun für neue, naturnahe Einblicke in die Welt der Affen. Einige der dortigen Tieranlagen sind modernisiert und neu gestaltet worden. Dabei wurden vorallem Holz und Naturmaterialien verwendet. Die Felsenlandschaft, Kletterbäume und Bepflanzungen in und rund um die Außen- und Innenanlagen von Kapuzineraffen und zwölf weiteren Primatenarten wie etwa Rotscheitelmangaben, Silberäffchen oder Gelbbrustkapuzinern erinnern nun an den natürlichen Lebensraum der jeweiligen Bewohner.

Ein neues Highlight stellt dabei ein mehrere Meter hoher Wasserfall auf der Außenanlage der aus Südamerika stammenden Affenarten dar. Durch neue und vor allem zusätzliche Klettermöglichkeiten wurde für die Tiere nicht nur mehr Fläche geschaffen, Kunstfelsen und aufwendige Wandgestaltungen ließen auch sterile Fliesen, Gitter und Klinkermauern verschwinden. „Die wenigen, abgezählten Sitzbretter haben wir innen wie außen gegen unzählige Baumstämme, Äste und Taue ausgetauscht, so dass besonders unsere kletteraffinen Affenarten nun auch die gesamte Höhe ihrer Anlagen nutzen können“, erzählt Zoo- und Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem. Das munterere, lebhafte Treiben, etwa bei winzig anmutenden Silberäffchen oder den aus Äthiopien stammenden Dscheladas, auch als Blutbrustpaviane bekannt, bestätigten diese Aussage.

„Durch die naturnahe Anlagengestaltung sollen unsere Besucher künftig auch ein Gefühl für den Lebensraum und die angepasste Lebensweise unserer Tiere erhalten,“ ergänzte Knieriem. Bereits zuvor hatten Tierpark-Besucher im Affenhaus seit Ende 2017 bei der interaktiven Rallye #abenteuerArtenschutz allerhand über die weltweiten Schutzbemühungen bedrohter Tierarten erfahren.

Projekte für Elefanten, Geier und Pinguine in Planung

Tierparkdirektor Knieriem betonte, dass das nun vollendete Projekt ein Beispiel für ein aus verschiedenen Töpfen finanziertes Vorhaben sei und man auch mit einer bescheidenen Summe viel leisten könne. Die aufwendigen Modernisierungsarbeiten kosteten insgesamt rund 620.000 Euro. Die Umgestaltung der Anlagen der südamerikanischen Affenarten wurde mit Landesmitteln der Senatsverwaltung für Finanzen im Rahmen der Förderung nach dem Mauergrundstücksgesetzes unterstützt. „Die Umgestaltung des Affenhauses im Tierpark Berlin steht exemplarisch für unsere nachhaltige Förderpolitik“, erklärt Staatsekretärin in der Senatsverwaltung für Finanzen, Dr. Margaretha Sudhof.

Auch die Gemeinschaft der Förderer von Tierpark Berlin und Zoo Berlin e.V. unterstützten das Projekt mit einem Zuschuss in Höhe von 180.000 Euro, wodurch die großzügige Aufwertung der Dschelada-Anlage möglich war. „Ich bin froh, dass wir dank unserer Mitglieder und Spender einen wesentlichen Beitrag dazu leisten konnten. Wer sich bewusst erinnert, wie das Affenhaus im Tierpark noch vor einigen Jahren ausgesehen hat, wird zugeben wie dringend die Erneuerung der Anlagen war, sagte der Vereinsvorsitzende Thomas Ziolko. Einen dritten Teil der Summe finanzierte der Tierpark aus Eigenmitteln, um die knapp 2000 Quadratmeter großen Anlagenflächen umzugestalten. Die Aufwertung des Tierparks wird fortgesetzt. Ein Elefantenhaus, eine Geiervoliere sowie bessere Lebensräume für Pinguine oder Nashörner sind in Planung.

BM