Obdachlosigkeit

120 Kältehilfeplätze nach langem Ringen in Moabit geschaffen

Ein Streit um die Kostenübernahme verhinderte lange die Eröffnung einer Obdachlosenunterkunft in Moabit.

Für Obdochlose gibt es in der Winterzeit nun eine weitere Unterkunft in Moabit (Archiv).

Für Obdochlose gibt es in der Winterzeit nun eine weitere Unterkunft in Moabit (Archiv).

Foto: Thomas Koehler/photothek.net / imago/photothek

Berlin. Draußen sind die Temperaturen frostig. Eine gute Nachricht kommt da für alle Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben: Nach langem Gezerre stehen der Kältenothilfe in Berlin weitere 120 Plätze in Moabit zur Verfügung. Die Plätze werden vom Bezirk Mitte und der Senatsverwaltung in einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft an der Straße Alt-Moabit geschaffen, wie die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mitteilte.

Von Freitag, dem 21. Dezember 2018 bis zum 30. April 2019 steht die Unterkunft jede Nacht für Obdachlose zur Verfügung. „Gerade in den kalten Monaten benötigen obdachlose Menschen nachts einen warmen und trockenen Schlafplatz, denn die niedrigen Temperaturen können lebensgefährlich sein“, sagte Norbert Prochnow, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Unionhilfswerk Berlin, die die Unterkunft betreibt.

Pläne, den Standort auch in diesem Jahr zu nutzen, gab es lange. Zu einer Öffnung kam es bisher jedoch nicht. Unklar blieb lange, wer die im Verhältnis hohen Kosten tragen sollte, die bei der Unterkunft pro Platz anfallen. Einer der Gründe: Da es im Gebäude keinen technischen Brandschutz gibt, müssen zusätzlich durchgängig Brandwachen eingesetzt werden. Zudem richtet sich die Unterkunft speziell an Familien. Deshalb sollen den Übernachtenden dort auch vollwertige Mahlzeiten serviert und nicht nur Snacks.

Kosten für Unterbringung sind am Standort deutlich höher

Die Kosten pro Platz liegen damit bei rund 35 Euro. Der aktuelle Kältehilfesatz deckt jedoch nur bei 17 Euro pro Platz und Nacht. Eine Öffnung scheiterte deshalb lange an einer Erklärung der Senatsfinanzverwaltung, die zusätzlichen Kosten zu Übernehmen. Hier wurde nun zwischen den Senatsverwaltungen und dem Bezirk Mitte eine Einigung erzielt.

„Wir sind froh, dass es den Standort wieder gibt“, sagte eine Sprecherin der Senatssozialverwaltung. Zufrieden mit der Entscheidung zeigte sich auch Mittes Sozialstadtrat Ephraim Gothe (SPD). „Der Standort ist gut geeignet, der Betrieb im letzten Winter funktionierte sehr gut.“

Über Tausend Plätze stehen zur Verfügung

Die 120 Plätze kommen zu den schon bisher in dieser Kältesaison zur Verfügung stehenden 953 Plätzen. Deren Auslastung lag zur Monatsmitte im Dezember bei 76,7 Prozent, teilte die Koordinierungsstelle des Kältetelefons mit. Dass aktuell noch Plätze frei blieben, heiße nicht, dass sie nicht gebraucht würden, sagte Clemens Ostermann, Leiter der Koordinierungsstelle des Kältehilfe-Telefons mit. Der Hauptzulauf komme erst im Januar und Februar. „Dann werden wir an unsere Grenzen kommen.“

In den vergangenen Jahren sei in dieser Zeit nicht für alle Bedürftigen Platz gewesen. „Da macht es Sinn, jetzt weiter aufzustocken.“ An leer bleibende Standorte durch die zusätzlichen Kapazitäten glaubt Ostermann nicht. „Wenn man so ein Angebot schafft, wird es auch die nachgefragt.“ Es müsse sich nur rundsprechen.

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