Eröffnung

Erste Fahrrad-Abstellanlage am Berliner Hauptbahnhof

Bahn und Bund wollen 100.000 neue Abstellplätze für Fahrräder schaffen. Am Berliner Hauptbahnhof startet jetzt die Bike+Ride-Offensive.

Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Bahnmanager Bernd Koch eröffnen die erste Anlage am Berliner Hauptbahnhof.

Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Bahnmanager Bernd Koch eröffnen die erste Anlage am Berliner Hauptbahnhof.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin. Wer das Problem erkennen will, hat es am Berliner Hauptbahnhof nicht weit. Auf dem Europaplatz, dem nördlichen Vorplatz des Kreuzungsbahnhofes, sind mehr als 100 Fahrräder abgestellt. Seitdem an der Ostseite des Bahnhofs die Baustelle für das S21-Projekt erheblich vergrößert wurde, sind dort viele Stellplätze weggefallen. Nun stehen die Räder oft kreuz und quer auf dem Platz.

So gesehen konnten die Deutsche Bahn und das Bundesumweltministerium kaum einen besseren Ort für den Start ihrer gemeinsamen „Bike+Ride-Offensive“ finden. Das erklärte Ziel ist es, bis Ende 2022 bundesweit bis zu 100.000 zusätzliche Stellplätze für Fahrräder zu errichten. Laut Bernd Koch, Vorstandschef der Bahntochter DB Station&Service, würde sich die Gesamtzahl der Plätze an Bahnhöfen damit auf rund eine halbe Million erhöhen. „Fahrradabstellplätze im Bahnhofsumfeld sind ein wichtiger Schlüssel für die umweltfreundliche Anfahrt zum Zug“, sagte Deutschlands oberster Bahnhofschef am Donnerstag bei der symbolischen Eröffnung der ersten Abstellanlage am Berliner Hauptbahnhof.

Erste Abstellanlage klein und noch nicht ausgeschildert

Die Reihenbügelanlage, die sich an der Ella-Trebe-Straße an der Westseite des Bahnhofs befindet, fällt mit zunächst zehn Stellplätzen recht bescheiden aus. Weitere Plätze sollen aber folgen, ebenso wie eine Ausschilderung, die den Radfahrern den Weg auf die etwas versteckt liegende Parkfläche weist. Mit dem Standort gleich neben der Bundespolizei-Wache dürften die abgestellten Räder dort aber sehr sicher stehen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßte die Initiative. „Dass die Bahn sich jetzt das Fahrradparken vornimmt, nachdem sie es jahrzehntelang links liegen gelassen hat, ist immerhin bemerkenswert“, sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Allerdings seien die angestrebten 100.000 Fahrradabstellplätze „höchstens zwei Tropfen auf den heißen Stein“. In Deutschland würden Millionen von Fahrradparkplätzen an Bahnhöfen fehlen. „Wenn der Bund will, dass die Menschen häufiger das Auto stehen lassen und mit Bahn und Rad zum Ziel kommen, muss er das multimodale Pendeln sehr viel leichter und attraktiver machen“, erklärte Stork. Aktuell würden in Deutschland gerade einmal sechs Prozent der Reisenden Rad und Bahn kombinieren, in den Niederlanden läge der Anteil dagegen bei 46 Prozent.

Der Bund fördert das Programm aus den Geldtöpfen der Nationalen Klimaschutzrichtlinie. Bis zu 40 Prozent der Investitionssumme würden übernommen, sagte Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), Parlamentarische Geschäftsführerin im Bundesumweltministerium. Ab Januar 2019 können die Kommunen Anträge dafür stellen. Die Deutsche Bahn AG will ihnen dann geeignete Flächen im Umfeld ihrer Stationen kostenlos bereitstellen und die Anlagen auch planen und montieren. Über eine europaweite Ausschreibung sollen zudem kostengünstige Lieferanten für die Anlagen gefunden werden.

Drei Bauvarianten sind bislang vorgesehen: einfache vorgefertigte Bügelanlagen, die montagefertig angeliefert und lediglich am Boden befestigt werden müssen, Doppelstockanlagen, mit denen auf engem Raum möglichst viele Räder abgestellt werden können, sowie überdachte, per App bedienbare Sammelschließanlagen, in denen auch teure E-Bikes trocken und sicher untergebracht werden können. Mindestens 1000 solcher Anlagen mit eben den rund 100.000 Radparkplätzen sollen in den nächsten vier Jahren entstehen.

Wie viele Stellplätze davon in Berlin errichtet werden, hängt nun von der Pfiffigkeit des Berliner Senats ab. Die rot-rot-grüne Landesregierung hat vor zwei Jahren das Programm „5000 Fahrradbügel“ gestartet. Im Vorjahr wurden 2388 Abstellplätze aufgebaut. In diesem Jahr sollten weitere 3700 Fahrradbügel dazukommen. Wie viele es bis Jahresende tatsächlich sein werden, konnte die Senatsverkehrsverwaltung am Donnerstag auf Anfrage nicht mitteilen. Was auch damit zusammenhängen dürfte, dass die konkrete Planung und Aufstellung vor Ort von den Bezirken übernommen wird, denen wiederum oft die Kapazitäten dafür fehlen.

Auf der Vorhabenliste des Senats stehen aktuell elf Abstellanlagen unter anderem an den Bahnhöfen Grünau, Warschauer Straße, Bundesplatz, Jannowitzbrücke, Rathaus Spandau, Mahlsdorf, Senefelder Platz, Karlshorst und Priesterweg. Anlagen an weiteren 22 Bahnhöfen seien in Vorbereitung, hieß es bei einem Pressetermin im September. Der Hauptbahnhof gehört neben den Bahnhöfen Zehlendorf, Gesundbrunnen und Ostkreuz zu den Standorten in Berlin, an denen große Fahrrad-Parkhäuser nach holländischem Vorbild entstehen sollen. Eine konkrete Projektvorbereitung gibt es bislang aber nur für das Parkhaus in Zehlendorf. Die Anlage am Hauptbahnhof soll erst nach Ende der S21-Bauarbeiten, also nicht vor 2021, errichtet werden.