20 Jahre Neugestaltung

Happy Birthday, Potsdamer Platz!

Für die Berliner ist der Potsdamer Platz längst normaler Teil der Innenstadt. Dabei galt er anfangs als „missglücktes Experiment“.

Der Potsdamer Platz heute mit dem Hochhaus-Ensemble aus Forum Tower, Kollhoff-Tower, Bahntower und Beisheim

Der Potsdamer Platz heute mit dem Hochhaus-Ensemble aus Forum Tower, Kollhoff-Tower, Bahntower und Beisheim

Foto: Getty Images / Moment/Getty Images

Ein Grüppchen asiatischer Touristen bleibt vor dem Ampelturm auf dem Potsdamer Platz stehen, diesem 8,50 Meter hohen Nachbau der ersten Leuchtsignalanlage Europas aus den 20er-Jahren. Alle Mitglieder der Reisegruppe zücken ihre Handys und machen Selfies, im Hintergrund die Kulisse der Hochhaustürme aus Glas und Klinker. Dass Berlin hier mit den hoch aufragenden Büro- und Hoteltürmen noch am ehesten so aussieht wie irgendeine andere moderne Metropole auf dem Globus, stört die Besucher offensichtlich nicht. Der neue Potsdamer Platz ist ein Wahrzeichen Berlins geworden, millionenfach fotografiert und in den sozialen Medien geteilt. Und die Berliner?

Die haben sich längst an diesen einst so heftig in der Kritik stehenden Platz gewöhnt, der am 2. Oktober 1998, obwohl erst halb fertig, vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog in Anwesenheit Tausender geladener Gäste feierlich eröffnet wurde. Für Jan (20) und Lena (19) aus Zehlendorf, ist er sogar „der schönste Platz in Berlin, so großstädtisch“. Dass der Platz in seiner heutigen Gestalt Ergebnis eines Wettbewerbs Anfang der 90er-Jahre war, um den erbittert gestritten wurde, überrascht die beiden. „Da kennen wir viele andere Plätze in Berlin, die deutlich langweiliger sind“, sagt Lena, bevor beide in einem der 19 Cinemaxx-Kinosäle verschwinden. Es gibt heute wohl nicht mehr viele Berliner, die ihnen da noch widersprechen würden.

Zu den populärsten Bauwerken des Platzes gehören neben Ampelturm, Bahn- und Kollhoff-Tower natürlich auch das Sony Center mit seinem zirkuszeltartigen Glasdach, das auch den Kaisersaal des im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstörten „Grand Hotel Esplanade“ überspannt. Mit einer Luftkissen-Konstruktion wurde der unter Denkmalschutz stehende Saal 1996 um 75 Meter verschoben und in das Center integriert. Eine Aktion, die die Berliner, wie überhaupt das gesamte Baugeschehen auf dem Platz, aufmerksam verfolgten.

Das Feuilleton sah „architektonische Langeweile“

Schließlich war die eine Million D-Mark teure Aktion für viele weit mehr als nur ein werbewirksamer Investoren-Gag. Denn es ging um eines der letzten Relikte des bis in die 30er-Jahre verkehrsreichsten Platzes Europas. Er war mit seinen Leuchtreklamen, Hotels, Gast- und Vergnügungsstätten Inbegriff der rastlos brodelnden Metropole Berlin. Neben dem Kaisersaal entging nur noch das 1912 errichtete Weinhaus Huth den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Teilung.

Die düsteren Prognosen, die dem neuen Potsdamer Platz angesichts seiner „architektonischen Langeweile“, die die Kritiker nahezu sämtlicher deutscher Feuilletons bei seiner Entstehung konstatierten, haben sich jedoch nicht bewahrheitet. Gut 100.000 Menschen kommen täglich hierher, arbeiten in den vielen Büros, besuchen die Kinos,
Restaurants und Theater, die Spielbank, das Filmmuseum oder Legoland, gehen in den Potsdamer Platz Arkaden einkaufen oder übernachten in einem der drei Luxushotels. Manch einer wohnt hier auch. Die Investoren wurden damals verpflichtet, immerhin 20 Prozent der Fläche für Wohnungen zu reservieren.

20 Jahre, nachdem mit dem Daimler-Benz Areal am Potsdamer Platz die ersten 19 Gebäude, zehn neuen Straßen, eine zentrale Piazza und der rund 12.000 Quadratmeter große „Piano-See“ fertiggestellt wurden – das Sony Center, ein Ensemble aus insgesamt sieben Gebäuden, wurde erst zwei Jahre später eröffnet – gibt es jedoch unübersehbar Nachbesserungsbedarf.

Konzerne sind ausgezogen – das schafft Platz für Neues

Sowohl das Daimler-Quartier als auch das Sony Center haben neue Besitzer, die sich komplett (Daimler-Benz) oder zum großen Teil (Sony) aus dem Quartier zurückgezogen haben. Im Atrium Tower, wie der ehemalige Debis-Turm inzwischen heißt, ist jetzt Coworking angesagt, zu den Nutzern gehören WeWork, Bombardier Transportation und booking.com. Der Auszug der Großkonzerne ist indes die große Chance des Platzes: Mit den neuen Nutzern kommen neue Anforderungen, der Potsdamer Platz wird sich weiter öffnen müssen. Eine neue Öffnung des Atrium-Towers auf der Nordseite in Richtung Park am Gleisdreieck ist dafür sichtbares Zeichen.

Das Leben am Potsdamer Platz wird künftig also bunter werden, auch wenn beispielsweise noch offen ist, was aus dem Kasinogebäude wird, wenn die Berliner Spielbank 2020 aus- und an den Kurfürstendamm zieht. Der neue Besitzer, eine deutsche Tochter des kanadischen Immobilien-Investors Brookfield Properties, hält sich noch bedeckt und verweist auf laufende Mietverträge und den Unternehmensgrundsatz, „bestehende Mietvertragsverhältnisse nicht öffentlich zu kommentieren“.

Etwas in die Karten schauen lässt sich Brookfield-Geschäftsführer Karl Wambach immerhin, wenn es um die Potsdamer Platz Arkaden geht, die ausgerechnet zur grünen Seite des Tilla-Durieux-Parks eine öde Fassade ohne Geschäfte und Cafés aufweist. „Wir planen derzeit in Abstimmung mit dem Shopping-Center-Betreiber ECE eine Modernisierung“, verrät Wambach der Berliner Morgenpost. Allerdings wolle man bauliche und zeitliche Details erst nach Abschluss der Planungen bekannt machen. Auch mit dem Bezirksamt Mitte stehe man im engen Kontakt, um Verbesserungen am Quartier vorzunehmen.