Berlin

Rohrpostanlage in Mitte: Baupläne noch ungewiss

Was wird aus dem Industriedenkmal? Der Denkmalschutz will die Anlage im ehemaligen Haupttelegrafenamt erhalten.

Die Rohrpost-Empfangsstelle im ehemaligen Haupt-Telegrafenamt Berlin

Die Rohrpost-Empfangsstelle im ehemaligen Haupt-Telegrafenamt Berlin

Foto: dpa Picture-Alliance / Arno Burgi / picture-alliance/ ZB

Berlin. Die historische Maschinenstation im 1927 erbauten Haupttelegrafenamt an der Oranienburger Straße zählt zu den bedeutenden Industriedenkmälern der Stadt. Bis 2008 war sie der Öffentlichkeit zugänglich, seit eineinhalb Jahren lagert sie auseinandergenommen in einer Halle in Spandau, die der Freiberger Konzern gemietet hat. Die Anlage musste ausgelagert werden, weil der Keller saniert und das Fundamente verstärkt wird.

Besitzer der Rohrpostanlage ist der Berliner Immobilienunternehmer Ernst Freiberger. Er realisiert auf einem 32.000 Quadratmeter Areal zwischen Oranienburger Straße und Spree, Monbijoustraße und Tucholskystraße das Bauprojekt Forum an der Museumsinsel. Es zählt zu den größten Investitionen im Bezirk Mitte. Rund 300 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen für hochwertige Wohnungen und Büros, ein Vier-Sterne-Hotel, Flächen für Einzelhandel und Gastronomie.

In dem riesigen Komplex des ehemaligen Haupttelegrafenamtes soll unter anderem das Vier-Sterne-Hotel „Telegraf“ eröffnen. Es wäre das erste Hotelprojekt des Gastronomen Roland Mary, dem das Borchardt, das Grosz am Kurfürstendamm und das Café am Neuen See im Tiergarten gehören. Auf Baustellentafeln wirbt die Freiberger-Gruppe an der Oranienburger Straße bereits mit einer „Rohrpostbar“ im Hotel. Ursprünglich gab es vom Landesdenkmalamt begrüßte Pläne, die historisch einmalige Anlage in einer musealen Präsentation der Öffentlichkeit zu erhalten.

400 Kilometer betrug einst das unterirdische Rohrpostnetz unter Berlins Strassen. Dazu gab es Gespräche an denen Vertreter vom Freiberger Planungsbüro, der oberen Denkmalbehörde und Landesdenkmalamt teilnahmen. „Es ist schließlich mit London 1853 die weltweit erste Rohrpostanlage und die einzige, die noch so gut erhalten ist“, sagt Norbert Heuler, bis zu seiner Pensionierung beim Landesdenkmalamt für den Bezirk Mitte und jetzt mit einem Werkvertrag für die Rohrpostanlage zuständig. Vom ursprünglichen Plan ist indes wenig übrig geblieben.

„Trotz massiver Intervention der unteren Denkmalschutzbehörde und des damaligen Postmuseums wurde der Denkmalschutz für die Rohrpostzentrale nicht immanenter Bestandteil des Vertragswerkes, sondern lediglich in einem Begleittext paraphiert“, schreibt Wolfgang Wengel. Der pensionierte Mitarbeiter der Post der DDR bezeichnet sich als „Retter der Rohrpostanlage“, denn er habe in den Achtzigerjahren verhindert, dass die 200 Quadratmeter großen Räume für Werkstätten zweckentfremdet wurden.

"Deutschlandweit einmalig"

„Diese Anlage war und ist deutschlandweit einmalig. Mehr als ein dreiviertel Jahrhundert befanden sich hier die Apparaturen, Walzstahlrohre und mehrere Verdichter, mit denen der Unterdruck zur Beförderung des Post in dem bis zu 400 Kilometer langen Postnetz verteilt wurde. Bis August 1976 hat sie funktioniert“, erklärt Wengel.

Im Haupttelegrafenamt wurden Telegramme aufgenommen und in Kartuschen zu den Postämtern versandt. Wengel war bis 2006 mit der Rohrpostzentrale beschäftigt. Von der Freiberger Gruppe wurde er über die ersten Planungen informiert. „Die Zusage der Freiberger-Gruppe über weitere Informationen bzw. beratende Mitwirkungen wurden nicht eingehalten“, so Wengel.

Weitere Experten wie der Architekt Michael Richter, der ein 120-Seiten-Konzept für den konservatorischen Umgang mit der Anlage erstellt hatte, beurteilen das Verhalten des Immobilieninvestors mittlerweile als „semifeudal“. Auf Anfragen dieser Zeitung reagierte die Freiberger-Gruppe mit der Auskunft, Details zur Planung könnten erst „nach Abschluss der Planungs- und Abstimmungsprozesse“ bekannt gemacht werden.

Anlage wurde bereits ein zweites Mal umgelagert

Fakt ist, die Anlage wurde bereits im Frühjahr 2017 von einer Fachfirma abgebaut und eingelagert. Mittlerweile wurde sie jedoch ein zweites Mal, in eine Halle in Spandau umgelagert. Ende Mai diesen Jahres soll es in dieser Halle zu einem Treffen der neuen Bauleitung und Projektleitung des Forum Museumsinsel, der Firma Aptoplan, und Vertretern der Landesdenkmalbehörden gekommen sein.

Von Seiten der Landesdenkmalschutzbehörde hieß es, bislang läge kein Bauantrag vor, der sich mit dem Verbleib der Rohrpostanlage im Hotelkomplex beschäftige. Sybille Haseley vom beantwortet eine Anfrage über die Zukunft der demontierten Anlage folgendermaßen: „Es soll zeitnah ein umfassendes detailliertes Konzept für die Restaurierung und den Einbau bzw. die Wiederaufstellung in Abstimmung mit den Denkmalbehörden erarbeitet werden.“

Ein solches Konzept hatte Architekt Michael Richter bereits vorgelegt. Weiterhin versichert Haseley: „Eine Rückführung in das Gebäude des ehemaligen Haupttelegrafenamts ist vorgesehen. Die wichtigsten Teile der Rohrpostanlage sollen in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden und unter Hinzuziehung von Sachverständigen und eines fachlich qualifizierten Restaurierungsbetriebs restauriert im Bereich des geplanten Hotels in neuem Kontext aufgestellt werden.“

Die für Bau- und Kunstdenkmalpflege zuständige Mitarbeiterin des Landesdenkmalamts versichert außerdem: „Denkmalfachliches Ziel ist es, dieses bedeutende Industriedenkmal in seiner gesamten Funktionsweise für Besucher nachvollziehbar zu präsentieren.“ Eindeutig festlegen, dass die Rohrpostzentrale allgemein öffentlich zugänglich ist, will sich Sybille Haseley nicht. „Es ist davon auszugehen, dass die Anlage besichtigt werden kann“, heißt es vage.

Der Denkmalschutzbehörde bietet sich im Forum Museumsinsel die Chance, der Historie der Kommunikationsgeschichte mit einer einmaligen Anlage ein öffentlich zugängliches Denkmal zu erhalten. So wie es derzeit aussieht aber nur für Hotel- und Bargäste.

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