Neubau

Neues Wall-Haus schließt Baulücke an der Friedrichstraße

Der Unternehmer Hans Wall war mit „Stadtmöbeln“ erfolgreich, jetzt plant er einen Neubau an der Friedrichstraße.

Noch ist es nur ein Entwurf: So soll das „Hans-Wall-Haus“ an der Friedrichstraße aussehen

Noch ist es nur ein Entwurf: So soll das „Hans-Wall-Haus“ an der Friedrichstraße aussehen

Foto: GNÄDINGER ARCHITEKTEN

Berlin. Es sind verheißungsvolle Worte, die seit mehreren Wochen an der Friedrichstraße auf einem Plakat prangen. An der Ecke Torstraße, hinter einem hölzernen Bauzaun, verkündet ein Aufsteller: „Ich bin ein Ästhet, der das Schöne liebt.“ Schwarz auf Weiß, darüber die schemenhafte Abbildung eines Gebäudes mit geschwungener Fassade. Zitatgeber ist der Aufschrift zufolge der bekannte Unternehmer Hans Wall, Gründer der Wall AG – und seit Kurzem auch Immobilien-Entwickler:

Dort, wo heute noch eine Brachfläche ist, plant Wall ein schickes Bürogebäude. Damit würde eine der letzten Baulücken an der Friedrichstraße geschlossen. „Das Grundstück vis-à-vis meiner alten Firmenzentrale gehört mir schon seit 2009“, sagte Wall der Morgenpost. „Lange wusste ich aber nicht, was ich damit anfangen soll.“ Die Idee für den Bau des Hans-Wall-Hauses habe seine Tochter gehabt. „Wir wollen Raum für Büros schaffen, für Ladenlokale und Restaurants“, so Wall. „Im sechsten und siebten Stock sind zwei Penthouse-Wohnungen geplant.“

Die Fassade gleicht einem geschwungenen Vorhang

Der Entwurf für das Gebäude stammt vom Berliner Architekten Rolf Gnädinger. „Ich will mit dem Haus auf die strengen Gebäude jenseits der Kreuzung reagieren“, sagte er und spricht von einer „bewegten Fassade“. Die Geome­trie des Eckhauses „gleicht einem geschwungenen Vorhang“, sagt der Architekt. „Die Glasfassade soll Transparenz schaffen, sowohl für diejenigen, die drinnen sitzen und arbeiten als auch für Passanten, die an dem Haus vorbeilaufen.“ Auch im Inneren sollen sich die Kurven wiederfinden. Für Büros typische Jalousien an den Fenstern wird es deshalb nicht geben, vielmehr sind Vorhänge gegen das Sonnenlicht geplant. Im Erdgeschoss werde Gewerbe einziehen, die mittleren Etagen eins bis fünf sind für Büros gedacht. „Wie genau die ausgestaltet werden, steht noch nicht fest“, sagte Gnädinger. Auf dem Dach sieht sein Entwurf, leicht zurückgestezt, zwei Maisonettewohnungen vor. Auch eine begrünte Dachterrasse soll es geben. Die Gesamtfläche aller zu vermietenden Etagen beläuft sich auf rund 4000 Quadratmeter.

Pate für das Gebäude stehe laut Wall das Borsighaus an der Chausseestraße, im 19. Jahrhundert als Firmenzentrale des bekannten Lokomotivbauers Borsig errichtet. „Dieses Haus beeindruckt mich“, sagte Wall. „Ich möchte als Berliner Unternehmer ein ebenso wichtiges Wahrzeichen am Oranienburger Tor bauen.“ Entsprechend hoch sind die Ansprüche, die Wall an sein neues Haus hat. Architektur sei für ihn mehr als die bloße Gestaltung von Häusern. „Im Design und in der Ästhetik liegt eine unglaubliche Kraft, die uns aufbaut“, so Wall. „Wenn wir durch ein schönes Gebäude gehen oder es allein nur am Straßenrand sehen, freut sich nicht nur das Auge. Ist ein Haus anspruchsvoll gestaltet, spüren wir die Architektur. Das will ich auch mit dem Hans-Wall-Haus erreichen.“

Der Bauantrag für das Haus an der Friedrichstraße 116 ist bereits gestellt, jedoch noch nicht endgültig bewilligt. Die Planungen sind allerdings mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgestimmt. Geht alles glatt, könne der Baustart bereits Anfang nächsten Jahres erfolgen, so Architekt Gnädinger. Derzeit erstellt Wall ein Exposé, um bei potenziellen Mietern für die Immobilie zu werben. „Einen Teil des Gebäudes werde ich selbst mit meiner neuen Immobilienfirma ‚Wall Houses‘ beziehen“, sagte der Bauherr. Hans Wall hat die gleichnamige Firma Wall im Jahr 1976 gegründet. 2009 verkaufte er seine Unternehmensanteile, auch Sohn Daniel schied 2015 aus der Firma aus. Das Unternehmen ist bekannt für seine „Stadtmöbel“ – Plakatwände, Litfaßsäulen, City-Light-Poster an Bushaltestellen und Toilettenhäuschen.

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