Schießerei in Wedding

Mordanklage gegen fünf Rocker der „Guerilla Nation Vaynakh“

Mitglieder der „Guerilla Nation Vaynakh“ sollen im Mai auf Albaner in einem Café in Wedding geschossen haben. Anklage gegen Rocker.

Berlin.  Nach der spektakulären Schießerei vor einem Café im Berliner Stadtteil Wedding müssen sich fünf Beschuldigte wohl bald vor Gericht verantworten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost aus Justizkreisen will die Staatsanwaltschaft in dem Fall in den kommenden Monaten Anklage wegen der versuchten gemeinschaftlichen Begehung eines Mordes erheben.

Die Beschuldigten waren am Abend des 10. Mai dieses Jahres mit mehreren Fahrzeugen vor einer Gaststätte in der Groninger Straße vorgefahren und hatten unvermittelt mit einer Kalaschnikow und einer Maschinenpistole auf das Lokal geschossen. Einige der Cafébesucher, dem Vernehmen nach Albaner aus dem Bereich der organisierten Kriminalität, erwiderten das Feuer mit Handfeuerwaffen. Insgesamt wurden vor und in dem Café 30 Schüsse abgegeben. 17 Einschüsse stellen die Beamten in der Glastür und im Schaufenster des Lokals fest.

Die Angreifer flohen nach dem Schusswechsel in drei Autos, konnten aber wenig später festgenommen werden. Ursache für die Auseinandersetzung könnten nach Informationen aus Justizkreisen Streitigkeiten in der organisierten Dealer-Szene gewesen sein.

"Guerillla Nation Vaynakh" gilt als unberechenbar

Polizeipräsident Klaus Kandt hatte nach der Tat bestätigt, dass die Angreifer zu einer sogenannten „rockerähnlichen Gruppierung“ gehören: der „Guerilla Nation Vaynakh“. Laut einem internen Lagebericht der Berliner Polizei zur Rockerkriminalität, den die Berliner Morgenpost einsehen konnte, ist einer der Beschuldigten, der 31 Jahre alte Magomed E., der „Präsident“ der Gruppe. Die übrigen sind zwischen 26 und 33 Jahre alt und vorwiegend tschetschenischer Abstammung.

Die Polizei stuft die „Guerilla Nation“ als die zurzeit gefährlichste und vor allem unberechenbarste „rockerähnliche Gruppierung“ in Berlin ein. Die Liebe zu Motorrädern, bevorzugt schwere Maschinen der Marke Harley Davidson, sei bei den Anhängern der Gruppe wenig ausgeprägt. „Rockerähnliche“ Gruppen seien aber ebenso wie traditionelle Rockerklubs meist hierarchisch organisiert und würden auch oft Wert auf ein einheitliches Erscheinungsbild legen. „Das verschafft Respekt und verleiht den Anhängern das Gefühl, Teil einer elitären Gemeinschaft zu sein“, sagte der Dezernatsleiter für Rockerkriminalität des Landeskriminalamtes Berlin, Stephan Strehlow der Berliner Morgenpost.

Die Schießerei in der Groninger Straße sei vermutlich weitgehend ausermittelt, heißt es in Justizkreisen. Weder die Beschuldigten noch die Gäste des Cafés in der Groninger Straße hätten in den Vernehmungen mit den Behörden kooperiert. Die Beweisführung sei aber dennoch vermutlich eher unkompliziert, da die Angreifer zur Tatzeit nicht maskiert gewesen seien. Im Fall einer Verurteilung droht ihnen eine langjährige Haftstrafe.

"Kuttenverbot" zeigt Wirkung

In der Szene der traditionellen „Outlaw Motorcycle Gangs“ (OMCG, Rockerclubs, die in kriminelle Machenschaften verwickelt sind), herrsche dagegen weitgehend Ruhe, heißt es im Dezernat für Rockerkriminalität. Hauptgrund sei, dass der einstige Anführer der Berliner „Hells Angels“, der 33-jährige Kadir P., in Untersuchungshaft sitzt. Er muss sich seit November 2014 wegen des Verdachts der Anstiftung zum Mord in einem Wettbüro verantworten. Das Verfahren war zuletzt ins Stocken geraten, weil einer der Angeklagten über einen längeren Zeitraum verhandlungsunfähig war. Nun wurde sein Fall abgetrennt und das Mammutverfahren kann ohne ihn fortgeführt werden.

Eine beruhigende Wirkung auf die Szene der traditionellen OMCG hatte offenbar auch das im März dieses Jahres erlassene „Kuttenverbot“. Anhänger eines Klubs, bei dem eine regionale Untergliederung verboten wurde, dürfen seitdem nicht mehr ihre Embleme zur Schau stellen – womit sie bei Kontrahenten und „Geschäftspartnern“ bis dahin Eindruck schinden konnten. Das Verbot wird laut Polizeikreisen in Berlin eingehalten. Die Rocker machen gegen die Maßnahme aber auf andere Weise mobil. Für den 9. September haben sie, ganz legal, eine Demonstration angemeldet. Sie soll vom Biesdorfer Schloss über die Frankfurter Allee zum Alexanderplatz und zurück führen. Die Teilnehmer haben angekündigt, mit ihren Motorrädern unterwegs sein zu wollen.

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