Auf Klassenreise

Muslimische Schüler aus Berlin in Polen bespuckt und bedroht

Schüler der Theodor-Heuss-Schule wollten sich über den Holocaust informieren. Muslimische Jugendliche wurden massiv angefeindet.

Schülerin mit Kopftuch (Archivbild)

Schülerin mit Kopftuch (Archivbild)

Foto: dpa / dpa/DPA

Es sollte eine Schülerfahrt auf den Spuren der deportierten Juden in Polen werden. Doch auf ihrer Exkursion durch verschiedene Städte erlebten die größtenteils muslimischen Schüler der Theodor-Heuss-Gemeinschaftschule in Moabit massive Beschimpfungen und Bedrohungen. „Die Angriffe richteten sich ganz klar gegen die Schülerinnen mit Kopftuch“, sagte die Lehrerin Sabeth Schmidthals. Dabei habe es sich keinesfalls um Einzelfälle gehandelt. Die rassistischen Angriffe hätten sich in Lodz, Lublin und Warschau ereignet.

„Mit so viel Hass haben wir nicht gerechnet“, sagte die Schülerin Isra (20) der Berliner Morgenpost. In einem Einkaufscenter habe sie sich in einem FastFood-Restaurant zu einem Pärchen an den Tisch gesetzt. Als sich ihre Freundin Seydanur (18) dazusetzte, sei die Frau weggerückt, während der Mann die Mädchen aufgeregt und laut beschimpft habe. Schließlich habe er sogar versucht, den Müll von seinem Tablett in ihre Richtung zu werfen.

Die 18-jährige Damla erzählte, wie ihr ein Mann in der Altstadt von Lublin ins Gesicht gespuckt hat, nachdem er sie beschimpft hatte. Daraufhin hätten Jungen aus der Klasse Polizisten angesprochen, die in der Nähe standen. Ein polnischer Student sei hinzugekommen und habe den Schülern beim Übersetzen geholfen. Die Polizisten hätten jedoch gesagt, dass sie da nichts machen könnten, obwohl der Mann noch in der Nähe war, sagte Damla.

"Wir wurden angesehen wie Abfall"

In einer Synagoge, in der die Schüler zur Besichtigung angemeldet waren, wurde ihnen der Zutritt verweigert, aus „Sicherheitsgründen“, wie es hieß. Die Vorfälle ähnelten sich nach den Erzählungen der Schülerinnen in allen Städten. Mal wurde eine brennende Zigarette nach den Mädchen geworfen, mal wollte ein Kioskbetreiber den Schülern kein Wasser verkaufen. „Wir wurden angesehen wie Abfall, manchmal hatten wir richtig Angst“, sagte Isra.

Trotzdem beschlossen die Schüler, die Reise nicht vorzeitig abzubrechen. Schließlich hätten sie auch Menschen getroffen, die aufgeschlossen waren und ihnen geholfen hätten, sagte die Lehrerin. Zum Beispiel die pädagogische Leiterin der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Majdanek, die die Vorfälle an die Antidiskriminierungsstelle in Polen weitergeleitet hatte. Mehrere polnische Medien berichteten über die rassistischen Anfeindungen gegen die Schülergruppe aus Berlin.

Die Reise für Schüler der Oberstufe fand im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „Erinnern“ statt, die vor allem antisemitische Vorurteile abbauen soll. Im Jahr zuvor waren die Schüler bereits in Frankreich und Spanien.

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