Berlin

"Auf die Presse": Ein Abend für Freiheit und Demokratie

Tausende Menschen kommen ans Brandenburger Tor, um für die Freilassung inhaftierter Journalisten weltweit zu demonstrieren.

Solidarität am internationalen Tag der Pressefreiheit

Solidarität am internationalen Tag der Pressefreiheit

Es war ein eindrucksvolles Bekenntnis: Mehrere Tausend Menschen haben sich am Mittwochabend auf dem Platz des 18. März versammelt, um gemeinsam mit Journalisten, Künstlern und Politikern ein Zeichen für Freiheit und Demokratie zu setzen und die Freilassung der in der Türkei und anderswo inhaftierten Journalisten zu fordern. Künstler wie die Antilopen Gang, The Notwist, Die Sterne, Jasmin Tabatabai oder Andreas Dorau wollten mit ihrem Auftritt vor dem Brandenburger Tor dieses Anliegen lautstark, aber auch mit leisen Tönen unterstützen.

Für das Konzert war der Platz des 18. März mit Bedacht gewählt. Starben doch 1848 an gleicher Stelle Menschen im Barrikadenkampf für die bürgerlichen Rechte, darunter auch die Rede- und Meinungsfreiheit. Für den Publizisten und TV-Moderator Michel Friedman gehört die Pressefreiheit zu den Säulen der Demokratie.

„Die Presse- und Redefreiheit ist die DNA jeder Demokratie“

Gleich zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Friedman an die Charta der Vereinten Nationen, in der das Recht auf freie Rede und freie Meinungsäußerung fest verankert sei. „Präsident Erdoğan – erinnern Sie sich, dass auch die Türkei diese Charta unterschrieben hat. Lassen Sie die Menschen frei, deren einziges Verbrechen es ist, eine Meinung zu haben, die nicht die Ihre ist!“

Nach Friedman wurde Udo Lindenberg mit einer Videobotschaft zugeschaltet. „Die Presse- und Redefreiheit ist die DNA jeder Demokratie“, sagte Lindenberg, der wegen einer Tournee nicht persönlich dabei sein konnte. Die Einschränkung der Pressefreiheit sei der Beginn der Zerstörung unserer Demokratie, warnte der Musiker.

Die Festnahme von Deniz Yücel hatte in Deutschland für Empörung gesorgt

Organisiert worden war das Konzert unter dem Motto „Auf die Presse“ von der Initiative „Freundeskreis Free Deniz“. Dahinter stehe eine „historische Allianz“ von Medien, so die „Taz“-Redakteurin Doris Akrap. Zu dieser würden auch die „Bild“-Zeitung oder die linksalternative „Jungleworld“ gehören. Sie alle vereine der Protest gegen die Inhaftierung des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel, aber auch die Verfolgung von Journalisten weltweit. Unterstützt wurde die Veranstaltung auch von Amnesty International und der Initiative „Reporter ohne Grenzen“.

Die Festnahme von Deniz Yücel hatte in Deutschland für scharfe Kritik und Empörung gesorgt. Auch in Berlin haben verschiedene Initiativen bereits Demonstrationen, Autokorsos und Lesungen für die Freilassung des „Welt“-Korrespondenten organisiert. Der deutsch-türkische Journalist sitzt seit mehr als zwei Monaten in der Türkei in Untersuchungshaft.

Mitte Februar hatte er sich selbst auf dem Polizeipräsidium in Istanbul gemeldet, weil nach ihm gefahndet wurde. Ihm werden „Terrorunterstützung“ und „Volksverhetzung“ vorgeworfen. Der Journalist hatte unter anderem zu fragwürdigen Geschäften türkischer Regierungsmitglieder recherchiert. Nach 13 Tagen in Polizeigewahrsam wurde er in das Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul gebracht. Dort sitzt er in Einzelhaft und hat kaum Kontakt zur Außenwelt.

Proteste auch vor der türkischen Botschaft in Berlin

Bereits am Nachmittag hatten rund 100 Menschen vor der türkischen Botschaft die Freilassung des „Welt“-Korrespondenten und anderer inhaftierter Journalisten gefordert. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International befinden sich in keinem anderen Land so viele Journalisten in Haft wie in der Türkei. Nach dem Putschversuch einiger Militärs im Juli 2016 hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan zahlreiche unliebsame Zeitungen und Radiosender wegen angeblicher Unterstützung der Putschisten schließen lassen.

Nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) wurden daraufhin mehr als 100 Journalisten verhaftet und mehr als 700 Presseausweise annulliert. Andere Quellen sprechen gar von mehr als 150 inhaftierten Journalisten. „Sie haben nur ihren Job gemacht“, sagte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr vor der Botschaft an der Tiergartenstraße. Mit Fotos inhaftierter Journalisten wie des Chefredakteurs der Zeitung „Cumhuriyet“, Murat Sabuncu, wollten die Aktivisten ein Zeichen der Solidarität setzen. Laut Polizei verlief die Aktion friedlich. mit dpa

Mehr zum Thema:

Immer mehr Journalisten recherchieren unter Gefahr

Solidaritätskonzert für Deniz Yücel am Brandenburger Tor

Yücel machen Haftbedingungen in der Türkei zu schaffen