Manchmal wünscht man sich den Glamour von Klaus Wowereit zurück. Nicht, dass es nicht glamourös genug zuging, auf dem 65. Bundespresseball: im Gegenteil. Die geladenen Politiker, Schauspieler, Sportler Manager und Journalisten sahen alle fantastisch aus, fast zu dunkel und gedeckt im Durchschnitt vielleicht, das gilt vor allem für die Damen. Man freute sich über jede mutige bunte Kleiderwahl: Claudia Roth und Daniela Schadt in Rot.
Die Schlange bei den Austern im 1. Stock war ausnehmend fröhlich und höflich, die Speisen von Tim Raue im Untergeschoss waren zum Nach-Hause-Telefonieren gut gelungen und die Live-Musik im großen Ballsaal belebte mit sanfter Stimme die Berlinerin Hildegard Kneef wieder. Das Adlon war an diesem Abend der beste Ort der ganzen Stadt. Berlin kann keinen Flughafen, aber eine Großen Ball.
Und doch wäre das breite, lockere Lächeln vom Regierenden Bürgermeister ein Zeichen gewesen, dass die Stadt hinter all dem wirklich steht. Und dass es nicht immer so steif sein muss. Nachfolger Michael Müller (SPD) tat es in diesem Jahr wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und blieb fern.
Viel Prominenz beim Bundespresseball im Hotel Adlon
Im großen Ballsaal waren wie üblich die 25 Tische in vier langen Reihen angeordnet. Der Chef der Bundespressekonferenz, Gregor Mayntz, eröffnet den Ball. Das Menü war regional und saisonal gehalten: Braisierter Rinderbug in Rotwein geschmort mit glasierten Schalotten und Nederauer Kartoffeln. Zum Nachtisch: gefrorener Joghurt, weiße Schokolade, Creme von Ananas und Estragon. Den ersten Tanz des Abends im Hotel Adlon am Brandenburger Tor absolviert Bundespräsident Joachim Gauck. Fünf Bundesminister, darunter Thomas de Maizière (CDU) und Manuela Schwesig (SPD), waren ebenfalls unter den Ehrengästen.
Nicht eingeladen wurden AfD-Politiker. Die Veranstalter vom Verein der Bundespressekonferenz, dem Zusammenschluss der Hauptstadt-Journalisten, gaben keine konkreten Gründe dafür an. Doch von den Gästen äußerten viele Zustimmung: „Wer Journalisten als Lügenpresse bezeichnet“, sagte Manuela Schwesig, „muss sich nicht wundern, wenn er hier nicht mitfeiern darf, auch Journalisten haben Respekt verdient.“ Hermann Gröhe wurde noch deutlicher: „Auf die kann ich hier gut auch verzichten.“ Peter Frey, ZDF-Chefredakteur, gab sich zurückhaltender: „Ich weiß nicht, ob ein Ball der richtige Zeitpunkt für solch eine Aktion ist.“
Den Preis der Bundespressekonferenz 2016 erhielt Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios in Brüssel, ein Experte für die Europäische Union. Ein gutes Zeichen in Zeiten der großen EU-Skeptiker. „Dem unbestechlichen und klaren Krause“, sagte Mayntz über Krause und zitierte einen seiner Arbeitsgrundsätze: „Die Fakten müssen stimmen.“ Krause hielt eine kurze Dankesrede, in der er seine Kollegen erwähnte. Dann: „Ich habe in vielen unfreien Ländern gelebt“, sagte Krause, „deshalb sollten wir ab und zu dankbar für die Freiheit sein, in der wir leben.“ Anschließend eröffnete Gauck den Ball - mit dem Walzer Nr. 2 von Schostakowitsch.














