„Berlin leuchtet“

Licht-Hitler mit Nazi-Geschrei sorgt für Polizei-Einsatz

Hitler-Projektion an der "Mall of Berlin“, dazu schreit Goebbels „Wollt ihr den totalen Krieg?“ Das irritierte einen Autofahrer.

Der Kopf von Adolf Hitler prangt auf der "Mall of Berlin"

Der Kopf von Adolf Hitler prangt auf der "Mall of Berlin"

Foto: BM

Irritation um eine Lichtinstallation am Leipziger Platz: Im Zuge der Vorbereitungen zum Event „Berlin leuchtet“ werden dort 200 Jahre deutsche Geschichte an die Fassade der „Mall of Berlin“ projiziert - im Schnelldurchlauf und mit Ton.

Die Illumination spart auch den Nationalsozialismus nicht aus. Adolf Hitler wird übergroß auf einer Fassade gezeigt. Er rollt die Augen, rechts und links von ihm erstrahlen Hakenkreuz-Flaggen auf der Hauswand. Die Hakenkreuze sind dabei durch schwarze Rauten ersetzt. Dazu schallt aus Lautsprechern das Geschrei des einstigen Reichspropagandaministers Joseph Goebbels, der 1943 im Berliner Reichsportpalast rief: „Wollt ihr den totalen Krieg?“

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Eben dieser Ausruf dröhnt auch über den Leipziger Platz. Allerdings ist der Nazi-Spuk nach acht Sekunden vorbei.

Ein Testlauf hat am Montagmorgen für die empörte Reaktion eines vorbeifahrenden Autofahrers gesorgt. Dieser rief gegen 4 Uhr die Polizei, weil er die Projektion mit Hitlers Gesicht und den angedeuteten Nazi-Flaggen für "rechtlich fragwürdig" hielt. Das löste einen Einsatz der Berliner Polizei aus, der allerdings rasch beendet war. Von der Wache aus riefen Beamte des Abschnitts 32 den Sicherheitsdienst der "Mall of Berlin" an und schilderten, was der Autofahrer gemeldet hatte. "Die Situation ließ sich schnell klären", sagte eine Sprecherin der Berliner Morgenpost. Der Sicherheitsdienst habe mitgeteilt, dass es sich um die Generalprobe für die genehmigte Lichtshow handelt.

Hitler und Hakenkreuze sind in so einem Kontext legal

Das Zeigen von Adolf Hitler - auch in dieser Größe an einer Hausfassade - sei rechtlich nicht zu bestanden. Das gelte auch für die Fahnen. "Es handelt sich um einen klaren geschichtlichen Kontext im Rahmen einer Kunstvorführung", sagte die Polizeisprecherin. "Selbst wenn die Flaggen statt der Rauten tatsächlich Hakenkreuze zeigen würden, wäre auch das nicht strafbar." Aufgrund der historisch-künstlerischen Einbettung greife Paragraf 86 a, der das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole verbietet, hier nicht.

Auch beim Dreh zum Film "Walküre" mit Tom Cruise seien zum Beispiel am Platz der Luftbrücke Hakenkreuzfahnen installiert worden, die für den Film als Kulisse dienten. Auch das sei angesichts des Kontexts legal gewesen.

Bei dem Kunstprojekt handelt es sich um eine Aktion von Lichtdesigner Andreas Boehlke

Lichterfestival "Berlin leuchtet" am Leipziger Platz gestartet

Am Leipziger Platz ist am Dienstagabend das Lichterfestival "Berlin leuchtet" gestartet. Bis zum 16. Oktober sind kreuz und quer in Berlin verschiedene Lichtprojektionen geplant.
Vorbereitungen zum Lichterfest 2016 sind gestartet

„Berlin leuchtet“ gut zwei Wochen lang

Das Festival „Berlin leuchtet“ wird am Freitagabend um 19 Uhr am Brandenburger Tor eröffnet und bringt in den folgenden 16 Tagen Licht in die Herbstnächte. Unter dem Motto „Licht verbindet“ inszenieren zum zwölften Mal Künstler aus aller Welt 70 Berliner Bauten. „Die Installationen unterstreichen, dass in Berlin ein Zusammenleben in Toleranz und Freiheit möglich ist“, so der Vorstandsvorsitzende von Berlin leuchtet e.V., Uwe Timm. Die Videoinstallation an der „Mall of Berlin“ hatte bereits am Dienstagabend Premiere.

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