Tiergarten

Wie ein Spielplatz gegen Drogen und Prostitution helfen soll

Die Kurfürstenstraße ist ein Brennpunkt der Drogenszene und der Rotlichtkriminalität. Mit dem Umbau eines Spielplatzes will der Bezirk Mitte öffentlichen Raum zurückerobern.

Foto: Reto Klar

Im Görlitzer Park in Kreuzberg verschwinden Hecken und Büsche, in Moabit und Prenzlauer Berg werden begrünte Innenhöfe von Wohngebäuden ausgeleuchtet und in Tiergarten-Süd soll ein Spielplatz umgestaltet werden. Die Aufzählung erscheint wie eine willkürliche Zusammenstellung verschiedener Baumaßnahmen ohne jeden Zusammenhang. Doch alle Projekte haben eines gemeinsam: Es geht bei ihnen vor allem um die Verdrängung krimineller Milieus, vornehmlich der Drogenszene.

Ein Kinderspielplatz als Mittel zur Bekämpfung dieser kriminellen Szene, das ist keinesfalls so absurd, wie es zunächst erscheint. Städtebauliche Maßnahmen gelten in Berlin längst als probates Mittel zur Eindämmung ausufernder Kriminalität.

Der Kinderspielplatz im Süden Tiergartens, dessen Umgestaltung das Bezirksamt Mitte derzeit in Angriff nimmt, liegt an der Kurfürstenstraße mitten zwischen einem bekannten Möbelhaus und dem renommierten Französischen Gymnasium. Hier dominiert sowohl die Drogen- wie auch die Rotlichtkriminalität. Das Areal gilt bislang als besonders abschreckender Beleg dafür, wie eine kriminelle Szene Besitz vom öffentlichen Raum ergreift. Künftig soll der Spielplatz nach dem Willen von Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) zum positiven Beispiel für eine erfolgreiche Rückeroberung werden.

Spritzen in der Buddelkiste

Bereits 2011 musste das Gelände geschlossen werden. Dort Kinder spielen zu lassen, konnte niemand mehr verantworten. Das Bezirksamt spricht zurückhaltend neutral von „starker Fremdnutzung“. Im Klartext bedeutete dies: Kleinkinder förderten beim Buddeln in der Sandkiste regelmäßig hochgefährliche Gegenstände zutage, die schnell ihre kindliche Neugierde weckten. Spritzen gehörten ebenso dazu wie benutzte Präservative. In den Büschen, die den Spielplatz umschließen, setzten sich Drogensüchtige zu jeder Tages- und Nachtzeit ihren Schuss, und die Prostituierten vom nahe gelegenen Straßenstrich zogen sich mit ihren Freiern gern hierher zurück, um ihrer Tätigkeit nachzugehen.

Seit der Schließung des Spielplatzes 2011 ist das Areal der immer weiter heruntergekommene alleinige Tummelplatz der Drogen- und Rotlichtszene.

Keine großen Mengen Sand

Das soll sich jetzt ändern. Seit Herbst vergangenen Jahres treibt das Bezirksamt Mitte das Vorhaben voran. Ein Landschaftsarchitekturbüro wurde mit den Planungen beauftragt, die Beratungen zur Gestaltung des Geländes erfolgten unter Beteiligung von Kindern und Eltern aus der Umgebung sowie Schülern des nahen Französischen Gymnasiums. Auch eine Sprecherin der an der Kurfürstenstraße tätigen Prostituierten war zeitweise eingebunden.

Die Pläne sehen Klettergerüste, Karussells und Schaukeln vor, doch keinen festen Untergrund. Sprich: Es soll keine große Mengen Sand geben, in denen Hinterlassenschaften der Drogen- und Rotlichtszene versickern können. Sichtbehindernde Hügel auf dem Gelände sollen ebenso verschwinden wie ein Großteil der Sträucher und Büsche, damit alle Bereiche des Platzes einsehbar bleiben. Gänzlich auf Begrünung verzichten will man nicht, uneinsehbare Ecken soll es allerdings nicht mehr geben.

350.000 Euro Kosten

Am Mittwoch stand eine Ortsbegehung durch Mitarbeiter des Bezirksamtes, des Architektenbüros und der mit den Arbeiten betrauten Baufirma an. Alle Anwesenden zeigten sich „höchst erfreut“ darüber, dass der aufwendig vorbereitete Umbau endlich beginnen und voraussichtlich bereits im Sommer dieses Jahres abgeschlossen werden kann.

„Wir wollen einen Platz für Kinder und nicht für Prostitution und Drogenhandel“, beschreibt Stadtrat Spallek die Bedeutung des Projektes für den Bezirk. Das größte Hindernis hat das mit 350.000 Euro Kosten veranschlagte ambitionierte Vorhaben bereits genommen: die Bewilligung der Mittel durch den Haushaltsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Mit einem dadurch möglichen Beginn noch in diesem Monat umgeht der Bezirk ein weiteres Problem: Die Baumfällarbeiten müssen vor dem 1. März abgeschlossen sein, danach dürfen sie zum Schutz der Brut- und Nistzeiten von Vögeln nicht mehr erfolgen.