Paula-Preis

Elternberatung der Charité wird mit Auszeichnung geehrt

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Laura Réthy

Foto: Krauthoefer

Für einen guten Start: Die Elternberatung der Charité wird für ihre Arbeit zum Wohle der Allerkleinsten ausgezeichnet. Seit zwanzig Jahren betreut sie einfühlsam die Eltern von Frühgeborenen.

Das Baby mit dem pechschwarzen Haar ist an diesem Morgen geboren. Der kleine Brustkorb hebt sich mit kurzen heftigen Stößen. Die Augen geschlossen liegt es in einem Inkubator, einem Brutkasten. Die Temperaturanzeige zeigt 34 Grad Celsius und hohe Luftfeuchtigkeit an. Ein bisschen soll es sein wie in Mamas Bauch.

1800 Gramm wiegt das Baby. „Da ist alles dran, es ist nur noch sehr klein“, sagt Christoph Bührer, Leiter der Klinik für Neonatologie der Charité, in der zu früh geborene und kranke Kinder betreut werden. Dabei ist das Baby im Vergleich zu anderen Kindern groß. Die Kleinsten auf der Intensivstation in der Virchow-Klinik wiegen 350 Gramm.

Obwohl es eine Intensivstation ist, soll die Atmosphäre familiär sein, wie in einem Wohnzimmer. Denn die Eltern, deren Kinder ihr Leben umgeben von Schläuchen und Hightech-Medizin beginnen, erleben ohnehin große Ängste und Sorgen. Vor zwanzig Jahren wurde deshalb an der Charité eine Elternberatung gegründet – nach eigener Aussage ist sie bis heute in Berlin beispiellos.

Anlaufstelle für Eltern von Frühgeborenen oder kranken Säuglingen

Für ihre gute Arbeit wurden die Frauen der Beratung nun vom Bundesverband Das frühgeborene Kind e.V. mit dem Preis für außergewöhnliche Leistungen zum Wohle der Allerkleinsten (Paula) ausgezeichnet. Paula hat auch ein Gesicht. Ein Berliner Künstler hat eine Tonplastik geschaffen. Ein winziges Baby, mit Wollmütze auf dem Kopf und einer riesigen Windel um den kleinen Körper. „So sehen sie tatsächlich aus“, sagt Silke Germer, eine der Elternberaterinnen. „Paula ist sogar ganz schön groß.“

Marion Glückselig und Kerstin von der Hude haben die Elternberatung gegründet. Bis heute sind sie dabei. Damals leiteten sie eine Elterngruppe und stellten fest, dass es für die Sorgen der Eltern von Frühgeborenen oder kranken Säuglingen keine richtige Anlaufstelle gab. Denn nicht nur für die Kinder ist die vorzeitige Geburt zu früh, auch für die Eltern. Sie hätten die Zeit noch gebraucht, um sich auf diesen neuen Lebensabschnitt vorzubereiten, besonders, wenn es das erste Kind ist.

„Viele Frauen haben auch Schuldgefühle“, sagt Marion Glückselig, „sie fragen sich, ob sie es nicht hätten verhindern können.“ Und sie erleben das Trauma, gleich nach der Geburt von ihrem Kind getrennt zu werden. „Das versuchen wir wieder gutzumachen“, erklärt Klinikleiter Christoph Bührer, „denn es ist ein Geschenk des Himmels, dass Mütter ihre Kinder lieben können.“

„Wir sind der rote Faden“

Die Elternberaterinnen sind alle gelernte Kinderkrankenschwestern mit Erfahrungen auf der Intensivstation. Die Beratung der Eltern beginnt schon vor der Geburt. „Wir sind ein roter Faden, der sich durch ihre Zeit in der Klinik zieht. Und auch noch danach“, sagt Glückselig. Wenn eine schwangere Frau in die Klinik kommt und klar ist, das Kind wird früher kommen als geplant, wird auf der Station alles vorbereitet. Auch die Mutter.

Die Frauen der Elternberatung machen eine Führung über die Station, um den werdenden Eltern eine Vorstellung davon zu geben, was sie erwarten wird. Dass es zwar eine Intensivstation ist, aber trotzdem eine warme Atmosphäre herrscht. Tatsächlich, an den Fenstern kleben Bilder, die Vorhänge sind bunt. Am Nachmittag, erzählt Bührer, wird es richtig voll, wenn die Eltern ihre Kinder besuchen. Für sie gibt es keine festen Besuchszeiten, sie werden als Teil des Teams gesehen.

Das ist auch der entscheidende Punkt in der Arbeit der Elternberaterinnen: wie man den Familien begegnet. „Das Wichtigste ist ein wertfreier, empathischer und respektvoller Umgang“, sagt Kerstin von der Hude. Die Frauen hören zu, geben Rat, sind mit den Gedanken immer nur so weit, wie es die Eltern sind, um nichts zu überstürzen, und machen Sterbebegleitung. Denn jedes Jahr sterben etwa 40 Babys in der Klinik. Auch der Tod ist Teil ihrer Arbeit.

Auf der Station 40i, der Intensivstation, ist ein Elternbüro eingerichtet. Jetzt hängt ein weiß leuchtender Stern im Fenster, es ist warm, ein Adventskerze steht auf dem Tisch, daneben ein Sessel. In diesem Sessel sind viele Tränen geflossen. Drei der Beraterinnen arbeiten im Virchow-Klinikum, zwei auf der Neonatologie auf dem Campus Charité Mitte. Fünf Tage pro Woche sind sie da, von acht bis 16 Uhr. Für das, was die Eltern brauchen. „Alles, was wir tun, machen wir, weil Eltern es uns gesagt haben“, sagt Kerstin von der Hude, „nicht, weil wir es an irgendeinem runden Tisch erarbeitet haben.“