Keine 20 Meter von einem Kindergarten an der Schwedenstraße in Berlin-Wedding entfernt steht ein Spritzen-Automat. Täglich werden zwischen 20 und 30 Schachteln Spritzbesteck aus dem unauffälligen Kasten von Drogennutzern gekauft.

Direkt dahinter ist ein kleiner Park, zwischen Grashalmen und Büschen liegen hier benutzte Spritzen und blutbefleckte Taschentücher. Bleibt man auf der Grünfläche stehen, hört man auf der einen Seite vorbeirauschenden Verkehr, auf der anderen, Kindergelächter. Denn nur ein knapp zwei Meter hoher Zaun trennt das Kindergartengelände vom Park – und vom Spritzen-Automat.

Schon 2009 wurde der Automat an der Ecke Osloer Straße/Schwedenstraße aufgestellt. Den Standpunkt wählte das Bezirksamt Mitte, der Senat für Gesundheit und Soziales und der Automatenbetreiber, der Verein „Fixpunkt“. „Damit unsere Automaten Drogennutzern helfen, müssen sie auch an ihnen vorbeikommen – und diese Kreuzung war uns als Durchlaufpunkt bekannt“, sagt Astrid Leicht, Projektleiterin bei „Fixpunkt“.

Insgesamt gibt es 17 Spritzen-Automaten in Berlin. Darunter sind vier in Wedding, von denen der auf der Osloer Straße am meisten benutzt wird.

70 Schachteln mit Besteck

Dass die Automaten mit sauberem Spritzbesteck Drogennutzern helfen, steht außer Frage. Dass ein Automat so dicht an einer Kita stehen muss, ist weniger wünschenswert. Denn was passiert, wenn eine Spritze über den Zaun in den Kindergarten geworfen wird, dort von einem Kind aufgehoben wird?

Diese Sorge hat Melanie Schmidt (33, Nachname geändert). Ihr Sohn Luca (4) geht in den Kindergarten an der Schwedenstraße. „Ich habe vor Verletzungen und Ansteckungsgefahr Angst. Wenn ich mir überlege, nur eine der Spritzen könnte bei den Kindern landen könnte, wünsche ich mir, der Automat würde gleich heute entfernt werden“, sagt sie.

2012 gab es von der Kindergartenleitung eine Beschwerde wegen hinterlassener Spritzen. Daraufhin brachte Fixpunkt im Februar 2012 einen extra Mülleimer für die Entsorgung von Spritzen und ein Schild mit der Anweisung an Drogennutzer, gebrauchte Spritzen nicht über den Zaun in den Kindergarten zu werfen, an den Automaten an. Zusätzlich bekamen Mitarbeiter und Eltern die Möglichkeit, an Schulungen über Ansteckungsgefahr durch Spritzen teilzunehmen. Bisher wurde das Angebot jedoch nicht in Anspruch genommen. „Praktisch gesehen ist die Ansteckungsgefahr von ernsten Krankheiten gleich null“, sagt Leicht.

Laut dem Senat für Gesundheit und Soziales ist eine Abschaffung des Automaten bisher nicht geplant. „Man hat sich gegenseitig versichert, sich bei Problemen zunächst direkt an den Träger zu wenden. Da dies in der Vergangenheit nicht erfolgt ist, sind auch keine Probleme mit Drogenabhängigen oder mit dem Automaten bekannt“, sagt Pressesprecherin Regina Kneiding.

Manche Politiker sehen das anders, befürworten eine Entfernung auch bevor sich Eltern beschweren. „Es handelt sich um eine Grundsatzfragestellung“, sagt Gesundheitspolitischer Sprecher der Berliner SPD-Fraktion, Thomas Isenberg (45). „So wie Zigarettenautomaten nicht im Umfeld von Kitas sein sollten, gehören auch solche Automaten nicht dort hin“. Nach den Sommerferien wird das Abgeordnetenhaus das Thema Drogen bearbeiten und, laut Isenberg, dann auch über den Spritzen-Automat an der Osloer Straße diskutieren. Doch nicht nur dieser Automat ist umstritten. Auch auf dem Bahndamm südlich des Stuttgarter Platzes in Charlottenburg liegen Hunderte von Spritzen und Kanülen und sorgen seit Jahren bei Anwohnern für Ärger.

Mitarbeit bsm