Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Nord-Ost möchte zukünftig die Helle Tierarche in Marzahn-Hellersdorf betreiben. Das erklärte die Vorstandsvorsitzende Kati Avci auf einer Sondersitzung des Hauptausschusses der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). „Wir wissen, dass es eine Mammutaufgabe ist“, sagte Avci.
Die Helle Tierarche ist ein beliebter Tierhof in Hellersdorf. Doch seit Februar ist er geschlossen. „Mehrere Hinweise aus der Bevölkerung sowie amtliche Kontrollen bestätigten, dass dringender Handlungsbedarf bestand, um eine Gefährdung der Tiere zu verhindern“, schrieb das Amt damals auf Anfrage unserer Redaktion.
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Zuletzt wurde das Projekt vom Helle Tierarche e. V. betrieben, gegründet wurde der Tierhof aber von einem Verein, der mittlerweile aufgelöst ist. Der Bezirk, dem die Fläche gehört, argumentiert daher, dass es keinen gültigen Pachtvertrag mit dem Helle Tierarche e. V. gibt – und begann daher via eines sogenannten Interessenbekundungsverfahrens einen neuen Betreiber zu suchen. Der Verein sieht es anders und glaubt, einen gültigen Vertrag zu haben.
Helle Tierarche in Berlin-Hellersdorf: Im Mai überstürzten sich die Ereignisse
Im Mai überstürzten sich dann die Ereignisse. Nach einem Streit zwischen dem Amt und dem Verein stellte der Helle Tierarche e. V. die Versorgung der Tiere ein. Der Verein meint, die Tiere gehörten dem Land Berlin. Das Amt brachte die Tiere daraufhin auf einen Gnadenhof. Sie sind laut Bezirksamt in schlechter gesundheitlicher Verfassung.
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Bis zum Ablauf der Frist des Interessenbekundungsverfahrens waren zwei Bewerbungen für den Betrieb der Hellen Tierarche beim Bezirksamt eingegangen. Doch nur die des DRK war verwertbar. Wie das Bezirksamt auf Morgenpost-Anfrage erklärte, wurde die zweite Bewerbung durch eine Privatperson eingebracht – auf dem Briefpapier eines Unternehmens. Das Amt sucht aber „Träger und Trägerverbünde“.
Der Helle Tierarche e. V. hatte sich nicht beworben. Der Verein kritisierte das Verfahren gegenüber unserer Redaktion. In Schreiben, die der Berliner Morgenpost vorliegen, drohte er dem Bezirk mit Anzeige.
Die Vereinsvorsitzenden werden im Ausschuss laut
Der Vorsitzende des Vereins, der AfD-Politiker Ralf Lechelt, war auf der Sondersitzung der BVV-Vertreter anwesend. Gemeinsam mit Bernd Pachal, einem ehemaligen AfD-Politiker aus dem Bezirk, der sich selbst auf einem TikTok-Video als Vorstandsmitglied des Vereins bezeichnete (im Vereinsregister ist er Stand 12. Juni noch nicht aufgeführt). Die beiden kennen sich gut – nicht nur von der Arbeit auf dem Tierhof. Sie organisierten etwa gemeinsam Demonstrationen gegen eine vermeintliche Corona-Diktatur. Die Morgenpost berichtete.
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Auch in der Sitzung sorgten Lechelt und Pachal für Aufsehen. Als die Bezirksbürgermeisterin, Nadja Zivkovic (CDU), von einer Website der Hellen Tierarche sprach, standen Lechelt und Pachal wutentbrannt auf, brüllten die Bezirksbürgermeisterin laut an und stürmten aus dem Sitzungssaal (die Website wird nicht vom Verein Helle Tierarche betrieben, sondern von einem der Gründer des Projekts).
Bis die Helle Tierarche wieder öffnet, dürfte einige Zeit vergehen
Verkompliziert wird diese Gemengelage noch dadurch, dass die Halle, die von der Tierarche genutzt wird, in sehr schlechtem Zustand ist. Die Kosten für die Sanierung werden vom Amt auf 750.000 Euro geschätzt.
Bis der Tierhof seine Tore wieder öffnen kann, dürfte also noch einige Zeit vergehen. Noch ist nicht entschieden, ob der DRK Nord-Ost den Zuschlag erhält – auch wenn es sehr wahrscheinlich sein dürfte. Der Verband ist recht umtriebig und betreibt in Marzahn-Hellersdorf zahlreiche soziale Einrichtungen und Projekte. Er genießt einen guten Ruf. Auch ist er im Bezirk stark vernetzt. Im Präsidium sitzen Lokalpolitiker von SPD und CDU, der Präsident des DRK Berlin ist Mario Czaja, Vorsitzender der CDU in Marzahn-Hellersdorf.
Geschäftsführerin Avci gab sich im Ausschuss zuversichtlich. Auch bei der Akquise von Drittmitteln sei der Kreisverband erfahren. Sie stellte aber auch klar: „Wir müssen einmal den Bestand prüfen.“






