Rechtsextremismus-Vorwürfe

Freie Schule am Elsengrund: Rechtsextremist gab Seminar

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Lena Witte
Ein Klassenzimmer der Freien Schule am Elsengrund in Mahlsdorf. Ein Rechtsextremist hat dort ein Seminar für Lehrer gehalten.

Ein Klassenzimmer der Freien Schule am Elsengrund in Mahlsdorf. Ein Rechtsextremist hat dort ein Seminar für Lehrer gehalten.

Foto: Lena Witte

Holocaustleugner Bernhard Schaub hielt an der Privatschule ein Seminar für Lehrer. Der Verfassungsschutz schaltete sich ein.

Berlin. Im Streit um mögliche Verbindungen der Freien Schule am Elsengrund zur rechtsextremen Szene sind nun neue Details bekannt geworden. So gab der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub im April 2018 ein Seminar für die Lehrkräfte an der Mahlsdorfer Schule. Dies geht aus einer Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten June Tomiak hervor.

Die beiden Kinder von Schaub waren erstmals im Jahr 2013 an der Schule angemeldet, wegen eines Umzuges verließen sie diese zwischenzeitlich wieder. „Im Zuge eines erneuten Aufnahmegespräches für die Kinder im Jahr 2017 wurde durch den Vater laut Geschäftsführung und Schulleitung ein Sprachgestaltungsseminar für das Kollegium angeboten“, bestätiget ein Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Vereinbarung über die Inhalte der Schulung

Die Schulleitung willigte ein, und das Seminar fand im April 2018 statt. Die Schulleitung gab gegenüber der Schulaufsicht an, dass in dem Seminar nur der Umgang mit Sprache behandelt werden durfte – jedoch keine zeitgeschichtlichen und politischen Themen.

Die Beteiligten unterzeichneten demnach eine Vereinbarung, laut der bei Zuwiderhandlung kein Honorar gezahlt und die Veranstaltung abgebrochen würde. „Vertragskopie, Protokoll der Veranstaltung und Erklärung des Vortragenden aus 2018, dass weder Vorstrafen noch Berufsverbot bestünden, liegen der Schulaufsicht in Kopie vor“, so der Sprecher der Bildungsverwaltung.

Schaub war selbst als Lehrer an einer Waldorfschule in der Schweiz beschäftigt bis er im Jahr 1993 aufgrund der Veröffentlichung eines Buches, in dem er den Holocaust leugnete, fristlos entlassen wurde. Die Schulleitung gab gegenüber der Schulaufsicht an, dass sie Schaubs Angebot, weitere Seminare zu halten, danach abgelehnt habe – und dass es bei dessen Verpflichtung als Dozent nur um dessen „fachliche Expertise als Sprachgestalter“ gegangen sei. Andreas Schöpfer, stellvertretender Schulleiter der freien Schule am Elsengrund, sagte auf Morgenpost-Anfrage: „Aus zutreffenden Gründen war die Schulaufsicht bei der im November 2020 abgeschlossenen Überprüfung zum Ergebnis gekommen, dass die Durchführung des Lehrer-Seminars mit dem Schulgesetzt im Einklang stand.“

June Tomiak überzeugt diese Erklärung nicht, da Schaub sonst als Vortragsredner in einem rechtsextremen Umfeld tätig sei. „Es schockiert mich, dass fadenscheinige Erklärungen uneingeordnet durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie reproduziert werden“, sagt die Abgeordnete. Sie erwarte eine Evaluation der ersten Überprüfung von 2020 durch die Schulaufsicht.

Bund der freien Waldorfschulen kündigte Gaststatus

Die Schulaufsicht überprüfte die Mahlsdorfer Schule aufgrund von Vorwürfen ehemaliger Lehrer und Eltern, die Schule habe enge Verbindungen zum rechtsextremistischen Milieu und werde von entsprechendem Gedankengut unterwandert. Die Verbindungen zu Schaub führten 2013 zunächst beim Bund der freien Waldorfschulen zu Irritationen - woraufhin der Freien Schule am Elsengrund der Gaststatus gekündigt wurde. Die Schule, die sich zu diesem Zeitpunkt darum bewarb, als Waldorfschule aufgenommen zu werden, habe sich bei der Klärung des Sachverhaltes „nicht kooperativ gezeigt“, sagt Detlef Hardorp, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Waldorfschulen in Berlin Brandenburg.

Ein weiterer Rechtsextremist sorgte im Frühjahr 2019 für Irritationen: Der sogenannte „Volkslehrer“ Nikolai Nerling besuchte eine Theateraufführung an der Schule und wurde dabei fotografiert. Die Schulleitung gab auf Morgenpost-Anfrage an, weder persönlichen Beziehungen zu Schaub zu pflegen, noch Nerling zu der Veranstaltung eingeladen zu haben.

Auch die Aussagen eines ehemaligen Lehrers sorgten für Aufsehen: Er gab in einer WDR-Dokumentation an, ihm sei vonseiten der Schulleitung verboten worden, das Tagebuch der Anne Frank mit den Schülern zu lesen. Die Schulleitung hingegen bezeichnete diese Aussagen als Racheakt des ehemaligen Vorstandsmitglieds.

Im Januar 2020 erreichte ein Schreiben mit Vorwürfen gegen die Schule das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, das an die Senatsbildungsverwaltung übermittelt wurde – die Schule wurde erstmals im Zeitraum Februar bis November 2020 geprüft, wobei jedoch keine Anhaltspunkte im Hinblick auf eine Beeinflussung von Schülern festgestellt wurden.

Verfassungsschutz überprüft Schule

Inzwischen hat auch der Verfassungsschutz die Freie Schule am Elsengrund überprüft. Seine Behörde sei den Hinweisen, dass zwei Personen der rechtsextremistischen beziehungsweise Holocaustleugner-Szene Kontakte in die Schule haben sollen, nachgegangen, sagte Verfassungsschutz-Chef Michael Fischer. Die Ergebnisse dieser Überprüfung wurden bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.

Einige Eltern haben ihre Kinder bereits von der Schule genommen. Dies teilte Bezirksstadtrat Gordon Lemm (SPD) bei der letzten Bezirksverordnetenversammlung in Marzahn-Hellersdorf mit.