Peter-Weiss-Bibliothek

Gisela Peter aus Hellersdorf: Ein Leben für die Bücher

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Peter-Weiss-Bibliothek erhält Gisela Peter den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Peter-Weiss-Bibliothek erhält Gisela Peter den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Peter-Weiss-Bibliothek erhält Gisela Peter den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Klar freue sie sich über die Auszeichnung, sagt Gisela Peter. Erst kürzlich erhielt sie den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle überreichte ihn bei einem feierlichen Akt. Doch eigentlich hätten diese Auszeichnung vor allem die Gründungsmitglieder der Peter-Weiss-Bibliothek verdient, ohne die ihr eigenes Engagement nicht möglich gewesen wäre, stellt die Hellersdorferin klar.

Die 81-jährige sagt, sie habe viele Jahre und sehr gerne als Bibliothekarin und mittlerweile ehrenamtlich in der Peter-Weiss-Bibliothek gearbeitet. In ihrem Elternhaus sei es selbstverständlich gewesen, Bücher zu lesen.

Gisela Peter wuchs in Greifswald auf. Ihr Vater war Angestellter an der Universität, ihre Mutter von Beruf Schneiderin, arbeitete daheim. „Es war eine schöne Kindheit am langen Band“, sagt sie. Peter heiratete schon kurz nach dem Abitur und bekam in nur fünf Jahren vier Töchter. „Heutzutage kann man sich das kaum vorstellen, aber das klappte gut“, erzählt Peter. Morgens brachte sie ihre vier Kinder mit dem Auto zum Kindergarten, dann ging sie zur Arbeit. Es habe auch andere Berufswünsche gegeben – aber das Fernstudium zur Bibliothekarin ließ sich gut mit dem Familienleben vereinbaren.

Gisela Peter zog kurz vor der Wende nach Hellersdorf

Kurz vor der Wende, 1988, zog sie mit ihrem zweiten Mann Heinz Peter, der auch Bibliothekar und maßgeblich an der Entwicklung der Peter-Weiss-Bibliothek teilhatte, nach Hellersdorf. „Auch damals waren die Wohnungen schon knapp, und wir wollten am Stadtrand leben“, sagt Peter, die Hellersdorf als inzwischen sehr grünen Stadtbezirk schätzt. Eine kulturelle und soziale Infrastruktur habe in diesen Jahren jedoch gefehlt.

Als ihr Mann und sie von dem 1990 gegründeten Verein zur Förderung der Peter-Weiss-Bibliothek erfuhren, wurden sie Mitglied. Nach der Wende wurden viele in der DDR erschienenen Bücher weggeworfen. Das Paar kämpfte für deren Erhalt. „Wir haben uns verantwortlich dafür gefühlt, dass diese Bücher als Kulturgut aufgehoben wurden“, so Peter. Der Bestand der Bibliothek sei einmalig – doch an ihrer Arbeit schätzt die 81-Jährige vor allem die vielen Begegnungen mit Lesern und Schriftstellern. „Da treffen Leute aufeinander, die einfach am Austausch interessiert sind.“ Etwa 500 Veranstaltungen wurden organisiert – und so die kleine Bibliothek auch zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Lesung des afghanischen, im Exil lebenden Schriftstellers Rafat Hussaini in den 1990er-Jahren, dessen damals zwölfjährige Tochter Mariam die Texte damals ins Deutsche übersetzte. „Nun planen wir eine Lesung mit der inzwischen erwachsenen Tochter“, so Gisela Peter. Mit der Arbeit aufhören? Daran denkt sie nicht.