Urlaub zu Hause

Miniaturwelten und grüne Wälder im Volkspark Wuhlheide

Einmal Lokführer sein oder Abenteurer in der Wildnis: Im ehemaligen Pionierpark „Ernst Thälmann“ liegt nun ein Kinderfreizeitzentrum.

Attraktionen im Volkspark Wuhlheide in Oberschöneweide: Neben dem Kletterwald gibt es die Parkeisenbahn und das FEZ mit vielen Mitmach-Angeboten.

Attraktionen im Volkspark Wuhlheide in Oberschöneweide: Neben dem Kletterwald gibt es die Parkeisenbahn und das FEZ mit vielen Mitmach-Angeboten.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Gerade im Sommer, bei heißen Temperaturen, mag die Vorstellung, stundenlang durch weitläufige Parkanlagen zu schlendern, wenig attraktiv klingen. Doch im Volkspark Wuhlheide ist es trotz Mittagssonne angenehm kühl. Das kilometerlange Wegesystem ist gesäumt von dichten Alleen, deren Eichen Schatten spenden. Immer wieder gehen Pfade vom Hauptweg ab und verlieren sich im Dickicht. Dort kann man auch bei Wochenendbetrieb alleine wandeln, denn die meisten Besucher bewegen sich mit dem Fahrrad durch die knapp 79 Hektar große Wald- und Parkanlage.

Seit über 50 Jahren fährt die Bahn durch den Park

In dem dichten Grün in Oberschöneweide lässt es sich so einige Stunden verbringen – vor allem, wenn Kinder dabei sind. In dem Fall stattet man am besten gleich zu Anfang der Parkeisenbahn einen Besuch ab. Seit über 50 Jahren fährt die Bahn nun schon auf 7,5 Kilometern Gleisnetz durch den Park. Sechs Bahnhöfe gibt es, doch der Zustieg ist wegen der coronabedingten Hygieneauflagen momentan nur am Park-Hauptbahnhof möglich. Alle 30 Minuten fährt die Bahn am Hauptbahnhof los, montags bis freitags von 10 bis 12.30 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr, sonnabends durchgängig von 10.30 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10.30 bis 17 Uhr.

Das Besondere an der Parkeisenbahn: Außer dem Lokführer besteht das gesamte Zugpersonal aus Jugendlichen. Ab elf Jahren kann eine Ausbildung zum Zugschaffner, Schrankenwärter oder Fahrdienstleiter absolviert werden. Ein Blick aus dem Zugfenster am Bahnhof bestätigt dies: Etwa 1,50 Meter groß, signalisiert ein Junge in Uniform und mit geschäftigem Blick mittels Trillerpfeife und Befehlsstab, dass der Abfahrt nichts mehr im Wege steht.

Ferienprogramm im Freizeit- und Erlebniszentrum wurde nach draußen verlegt

Neben der Parkeisenbahn ist für Kinder die wohl wichtigste Station im Park das FEZ, Berlins größtes Freizeit- und Erlebniszentrum für Kinder. Normalerweise finden hier täglich Workshops, Mitmach-Aktionen und Spiele für Kinder statt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das Ferienprogramm jedoch nach draußen verlegt. „SpieloFEZien: frech, wild draußen“ lädt noch bis zum 9. August Kinder ab 5 Jahren auf das Außengelände rund um den Badesee ein.

Das Angebot ist vielfältig. So können Nachwuchsritter etwa an Ritterturnieren teilnehmen oder bei einer digitalen Schnitzeljagd Rätsel lösen. Der Fokus liegt jedoch auf umweltnahen Themen. An der Survival-Station etwa lernen schon die Kleinsten elementare Überlebenstechniken. Auf der Öko-Insel im Badesee kommen die Kinder der Natur näher und erkunden einen kleinen Regenwald, lernen Wissenswertes über Kräuter oder beobachten Honigbienen.

Beim Body Painting können sogar die Eltern mitmachen. Doch der Ausflug sollte im Vorhinein geplant werden, denn mitmachen darf nur, wer vorher online ein Ticket mit Zeitfenster gebucht hat. Fünf Euro werden so für drei Stunden Spielspaß pro Person fällig, geöffnet ist dienstags bis donnerstags und am Wochenende von 10 bis 13 Uhr sowie 14 und 17 Uhr.

Streichelzoo und kleinere Ausstellungen zur Tier- und Pflanzenwelt

Auch außerhalb des FEZ können Kinder und Erwachsene ihr Umweltwissen vertiefen. Unweit des Erlebniszentrums, vorbei an der großen Parkbühne, die momentan noch geschlossen bleibt, trifft man auf Tiere. Rehe lassen sich nur wenige Meter vom Besucher entfernt hinter einem Zaun ihre Mahlzeit aus Blättern schmecken, etwas weiter weg stehen einige Pferde schnaubend zusammen.

Das Haus Natur und Umwelt bietet für einem Euro für Kinder und zwei Euro für Erwachsene Einlass zum Streichelzoo und kleineren Ausstellungen zur Tier- und Pflanzenwelt. Auch hier müssen online Zeitfenster reserviert werden, dienstags bis sonntags ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Wem nach einer Pause zumute ist, dem sei das „Waldcafé“ im Haus empfohlen, in dem psychisch kranke und behinderte Menschen arbeiten.

Volkspark wurde erst 1932 fertig

Das weitläufige Gelände der Wuhlheide wurde zu DDR-Zeiten ausgiebig genutzt. Doch der Wald an sich ist schon viel älter. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Wuhlheide im Jahr 1577, unter der Bezeichnung „wolowische Heide“. 1902 gab es Pläne, einen Volkspark auf dem Gebiet zu errichten. Der Erste Weltkrieg vereitelte diese jedoch, sodass erst 1932 der seinerzeit größte Volkspark in Berlin mit 175 Hektar komplett fertig wurde.

Wiesenflächen, eine Rodelbahn, Spielplätze, eine Badeanstalt und eine Eislaufbahn sorgten für hohe Besucherzahlen: Etwa 5400 Besucher kamen so oft am Wochenende zusammen, recherchierten die Geschichtsfreunde Karlshorst. Während des Zweiten Weltkriegs verfiel der Park jedoch. „Wie in anderen Parkanlagen wurden auch hier Einrichtungen für den Luftschutz gebaut“, schreibt Jörg Bock in seinem Artikel zur Geschichte des Parks. „Kampfhandlungen und Luftangriffe führten zu Zerstörungen in vielen Parkbereichen.“

Sowjetische Armee errichtete Kasernenanlagen

Nach Kriegsende errichtete die sowjetische Armee Kasernenanlagen im nordwestlichen Teil des Parks. Die DDR-Regierung wandelte den Park in einen Pionierpark um, mit eigenem Pionierpalast mit Schwimmbad und Sporthalle sowie der „Pioniereisenbahn“. Im FEZ sind heute viele Teile der ehemaligen Anlage integriert. Ende der 1990er-Jahre wurde der Park saniert, ehemalige Anlagen freigelegt und Spielplätze vom Bewuchs befreit.

Dort, wo früher der Sportübungsplatz war, findet man heute eine eher kuriose Attraktion. Versteckt im hinteren Teil des Parks wartet der Modellpark Berlin-Brandenburg auf Besucher. Bekannte Sehenswürdigkeiten im Maßstab 1:25 stehen verstreut auf einer Wiesenfläche. Am höchsten ragen die Türme des Frankfurter Tors in die Luft, markante Gebäude wie das Pergamonmuseum oder die Neue Wache sind ebenso zu finden wie Unbekannteres wie die Dorfkate Falkenberg oder auch ein Howoge Niedrigenergiehaus.

Der Witterung permanent ausgesetzt, ist so manches Miniaturbauwerk in schlechterem Zustand als sein Vorbild. Der Reichstagskuppel fehlen einige Glasstücke und das Dach der Nikolaikirche Spandau sieht aus, als habe ein Sturm ihre Schindeln zerstört. Der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche fehlt ihr Turm gleich ganz.

Kletterpark für Kinder

Wer sich nun noch nicht genug bewegt hat, kann sich zum Abschluss hoch in die Lüfte schwingen. Auf neun verschiedenen Parcours können sich Kinder ab sieben Jahren durch den Kletterwald von Plattform zu Plattform hangeln. Für Jüngere gibt es sogar einen „Zwergenparcours“. Auch hier müssen coronabedingt Tickets online gekauft werden. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr, je nach Altersgruppe kostet der Eintritt zwischen zehn und 20 Euro.

Unweit des Volksparks Wuhlheide befindet sich übrigens eine weitere sportliche Attraktion. Auf dem Gelände des Mellowparks können BMX-Fahrer und Skater verschiedene Rampen und Strecken ausprobieren. Geöffnet ist täglich von 10 bis 21 Uhr, der Eintritt beträgt drei Euro.

„Seit 1. Juli können wir wieder ohne Anmeldung Besucher einlassen“, sagt Betreiber Max Tuchtenhagen, der selbst gern auf seinem Bike umherfährt und bereits einige BMX-Contests moderiert hat. Neben dem Skaten können sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch künstlerisch ausprobieren: Auf dem Gelände gibt es eine Graffiti-Wall, auf der legal mit der Sprühdose gearbeitet werden kann.

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Anfahrt

Mit dem ÖPNV Je nach gewünschter Route mit der S3 nach S Karlshorst oder S Wuhlheide. Bis zum 13. Juli ist die Strecke jedoch wegen Bauarbeiten gesperrt. Zwischen Ostkreuz und Köpenick ist ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die Anfahrt per Tram ist mit den Linien 21, 27, 60, 61, 62, 67, 68 bis zur Haltestelle Freizeit- und Erholungszentrum möglich.

Mit dem Auto über die A100: Ausfahrt Adlershof, Straßenverlauf Richtung Köpenick folgen, auf dem Adlergestell auf Höhe des S-Bahnhofs Adlershof rechts in die Dörpfeldstraße abbiegen, links in die Oberspreestraße abbiegen, dann nach rechts in die Spindlersfelder Straße, nach der Spreebrücke links auf die Straße „An der Wuhlheide“ ab. Ab hier der Beschilderung folgen.

Über die A113: Richtung Flughafen Schönefeld halten, auf Abzweig A1 17 Richtung Berlin Zentrum (Alexanderplatz)/Treptow abbiegen, an Ikea vorbei, dann auf die B 96a Richtung Friedrichshain, auf Höhe des S-Bahnhofs Adlershof rechts in die Dörpfeldstraße abbiegen und von hier dem Weg wie oben beschrieben folgen.

Essen und Trinken

„Der Waldkater“ traditionelle Küche, An der Wuhlheide 195, 0152/26 23 47 23, der-waldkater.de, Wochenende 12 bis 21 Uhr (Küche bis 18 Uhr).

„Finnhütten am Badesee“ deutsche Küche, An der Wuhlheide 161, 0177/8794 368, geöffnet außer montags, 12 bis 18 Uhr.

Frittenfritze Pommes und Softeis, An der Wuhlheide 197, 0163/ 8266 101, www.frittenfritze.de, geöffnet ist dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11.30 bis 18 Uhr.

Im Park

Parkeisenbahn Abfahrt alle 30 Minuten vom Park-Hauptbahnhof nahe der Tram-Haltestelle Freizeit- und Erholungszentrum, montags bis freitags von 10 bis 12.30 Uhr, sowie von 14 bis 17 Uhr, sonnabends von 10.30 bis 18 Uhr, sonntags von 10.30 bis 17 Uhr. Fahrkarten kosten drei, ermäßigt zwei Euro. Bei Dampfloks kommt ein Euro Dampfzuschlag hinzu.

FEZ Tickets sind vorab online für fünf Euro pro Person zu buchen, Anmeldung unter www.tickets.fez-berlin.de erforderlich. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags und am Wochenende von 10 bis 13 sowie 14 und 17 Uhr.

Modellpark Berlin-Brandenburg Erwachsene zahlen 4,50 Euro, Kinder und Jugendliche 2,50, Kinder unter sechs Jahren können kostenlos eintreten. Geöffnet ist täglich von 10 bis 18 Uhr.

Kletterwald Wuhlheide Tickets müssen vorab online gebucht werden, unter www.kletterwald-wuhlheide.de. Eintritt: 20 Euro für Erwachsene, 17 Euro für Jugendliche, Studenten oder Azubis, 14 Euro für Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren und 10 Euro für Kinder, die unter 1,30 Meter groß beziehungsweise unter sieben Jahre alt sind. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr, letzter Einlass: 16.30 Uhr.

Haus Natur und Umwelt Der Eintritt zum Haus und in den Tierpark kostet einen Euro für Kinder und zwei Euro für Erwachsene. Tickets müssen vorab unter 030/ 53 51 986 oder per E-Mail an info@hnu-berlin.de gebucht werden. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

In der Nähe

Mellowpark Die Skate- und BMX-Anlage liegt unweit des Volksparks direkt an der Straßenbahn-Haltestelle Alte Försterei, Adresse: An der Wuhlheide 250. Geöffnet ist täglich von 10 bis 21 Uhr, ein Tagesticket kostet drei Euro, eine Monatskarte 15 Euro. Helme und Schutzausrüstung werden vor Ort nicht verliehen. Eine Online-Anmeldung ist hier nicht notwendig.