Machbarkeitsstudie

Freibad in Sicht: Marzahn stellt mögliche Standorte vor

Berlins einziger Bezirk ohne Freibad bringt drei mögliche Standorte ins Spiel. Darunter ist auch eine kreative Variante mit Badeschiff.

Badespaß in Berlin (Symbolbild)

Badespaß in Berlin (Symbolbild)

Foto: Reto Klar / Reto Klar / Funke Foto Services

Berlin. Marzahn kommt seinem langersehnten Freibad näher: Laut einer vom Bezirksamt vorgestellten Machbarkeitsstudie kommen mehrere Standorte für ein Bad infrage. Wo das erste und einzige Freibad im Bezirk entstehen könnte, darüber herrschte in der Vergangenheit unter den Parteien große Uneinigkeit.

20 mögliche Standorte hatten die Abgeordneten der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgeschlagen. Um die Standortsuche geordnet anzugehen, hat eine eigene „Arbeitsgruppe (AG) Freibad“ die Vorschläge geprüft. „Sieben Flächen kamen letztlich in die engere Auswahl“, erklärt Gordon Lemm, Initiator der Studie und Bezirksstadtrat für Schule, Sport, Jugend und Familie. Man habe bereits im letzten Jahr das Planungsbüro TOPOS beauftragt, Konzepte für die Standorte zu entwickeln. „Drei sind schließlich nach einer tiefergehenden Prüfung übrig geblieben“, so der SPD-Politiker.

Standorte in Hellersdorf und Biesdorf mit ÖPNV gut zu erreichen

Möglich wäre ein Freibad demnach im Jelena-Santic-Friedenspark. Auf über sechs Hektar könnte ein Freibad mit angrenzender Indoor-Schwimmhalle und einer Liegewiese entstehen. Stephan Buddatsch, Landschaftsarchitekt bei TOPOS Stadtplanung, spricht sich für den Standort aufgrund seiner topografischen Struktur aus. „Das Hallenbad würde quasi in den Abhang hinein gebaut“, sagt er. Zudem könnten die südlichen Parkflächen sowie der Hasenpfuhl im Norden weiterhin für die Öffentlichkeit erhalten bleiben.

Alternativ kommt eine Fläche am Biesdorfer Friedhofsweg infrage. Auf nur drei Hektar wäre auch hier ein Kombi-Bad aus Frei- und Hallenbad möglich, erklärt Buddatsch. „Wegen seiner rechteckigen Form könnte hier im Gegensatz zum Standort Jelena-Santic-Friedenspark auch eine 50-Meter-Bahn gebaut werden.“ Genau wie der erste Vorschlag sei der Biesdorfer Friedhofsweg gut ans ÖPNV-Netz angeschlossen. Parkplätze seien an beiden Standorten leicht realisierbar.

Badeschiff auf dem Biesdorfer Baggersee

Das ist beim dritten vorgeschlagenen Standort nicht der Fall. Zwar befindet sich der Biesdorfer Baggersee nicht weit von der U-Bahn-Station Biesdorf-Süd entfernt, doch aufgrund seiner geringen und unförmigen Fläche sei die Parksituation dort schwierig. Der Biesdorfer Baggersee ist als Badestelle allerdings bereits etabliert. Mangels einer legalen Badestelle baden im Sommer jedes Jahr viele Bewohner im Bezirk unerlaubter Weise im See.

„Der Standort könnte zu einer Entspannung der derzeitigen Situation führen“, meint Buddatsch. Geplant sei hier jedoch kein Hallenbad. „Wir könnten uns ein Badeschiff vorstellen, wie wir es schon aus anderen Teilen der Stadt kennen“, sagt Buddatsch. Dieses könnte im südwestlichen Bereich des Sees verankert sein, die dazugehörige Infrastruktur wie Kassenhäuschen und Umkleidekabinen wären am Ufer zu finden. „Eigentlich sehen wir den Standort jedoch eher als Ergänzung zu den anderen beiden Vorschlägen“, so Buddatsch weiter.

Der Ball liegt nun also wieder beim Bezirksamt. „Wir setzen uns jetzt zusammen, erarbeiten Prioritäten und stellen diese dem Senat vor“, erklärt Björn Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Linken im Bezirk und Mitglied der AG Freibad. Ob Marzahn-Hellersdorf wirklich in naher Zukunft ein Freibad bauen darf, entscheidet sich nämlich in der Landespolitik.

Um die Chancen für den Zuschlag der Freibad-Finanzmittel zu erhöhen, will man im Bezirk nun Einigkeit demonstrieren. Fraktionsübergreifend wird der Plan vom Freibad verfolgt. „Obwohl alle Parteien unterschiedliche Vorstellungen von einem Freibad haben, ist es uns wichtig, eine geeinte Position zu vertreten“, sagt Tielebein. „Wir können nicht beim Senat Geld verlangen, ohne zu wissen, wo wir das Bad überhaupt bauen wollen.“

Kostenfaktor: Baustart noch nicht absehbar

Überhaupt sind die Kosten ein wichtiger Faktor. Zwar präferiert der Bezirk ein Kombi-Bad. Dieses kostet jedoch rund doppelt so viel wie ein einfaches Freibad. Und auch hier gibt es Unterschiede: Aufgrund der Bodenstruktur müsse man beim Freibad im Jelena-Santic-Friedenspark mit 18,9, am Biesdorfer Friedhofsweg hingegen nur mit 15,7 Millionen Euro rechnen. Eine Kombination aus Hallen- und Freibad koste um die 32 Millionen Euro. Eigentlich bauen die Berliner Bäder-Betriebe jedoch keine Freibäder mehr, da diese nur im Sommer öffnen und Geld einbringen können. „Man könnte auch erst ein Freibad bauen und die Anlage später um ein Hallenbad erweitern“, regt Stephan Buddatsch an.

Wo im Bezirk nun gebaut werden soll, steht also noch nicht fest. „Ich rechne aber fest damit, dass wir vor der Sommerpause einen BVV-Beschluss haben“, prognostiziert Tielebein. Stadtrat Lemm weiß jedoch: Realistische Vorhersagen, wann der erste Badegast ins Wasser springt, kann er nicht machen. „Ich werde keine Jahreszahl nennen, sonst werde ich darauf festgenagelt“, meint er. „Sicher ist aber, dass sich alle Fraktionen beim Senat für ein Freibad einsetzen werden.“

Wer das Bad bauen und anschließend betreiben soll, steht ebenfalls noch nicht fest. Die Berliner Bäder-Betriebe oder der Bezirk selbst kämen dafür infrage. Die reine Bauzeit für ein Kombi-Bad betrage übrigens nur etwa anderthalb Jahre, heißt es von Seiten der Topos-Architekten. Wie viel Zeit Planungs- und Finanzierungsdebatten in Anspruch nehmen, sei eine andere Frage.