Polizeieinsatz

Gerangel bei Gedenken an Holocaust-Opfer in Marzahn

Demonstranten wollten AfD-Mitglieder von der Teilnahme abhalten. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei musste einschreiten.

Demonstranten stehen auf dem Parkfriedhof Marzahn beim Gedenken für die Opfer der Nationalsozialisten.

Demonstranten stehen auf dem Parkfriedhof Marzahn beim Gedenken für die Opfer der Nationalsozialisten.

Foto: Julia Hubernagel

Berlin. Während einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Marzahner Parkfriedhof ist es am Sonnabend zu einem Polizeieinsatz gekommen. Hintergrund ist ein Streit darüber, ob Vertreter der AfD, die in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gewählt wurden, an einem solchen Gedenken teilnehmen sollen. Die BVV Marzahn-Hellersdorf und der Heimatverein hatten auf den Friedhof geladen. Bereits 2019 hatte es Diskussionen um die Teilnahme der AfD gegeben. Als rechte Partei der Nazi-Opfer zu gedenken, sei heuchlerisch, lautete der Vorwurf. Antifaschistische Bündnisse und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) hatten in diesem Jahr bereits angekündigt, zu protestieren.

Das „stille Gedenken“ fiel dann auch alles andere als still aus. Rund 120 Beamte trennten die rund 30 Gäste der Gedenkveranstaltung von mehr als 100 Demonstranten, unter ihnen auch Nachkommen von Holocaust-Überlebenden. Die Polizei sprach von einem „überwiegend störungsfrei“ verlaufenen Einsatz. „Es kam nur zu Trennungen der beiden Parteien“, sagte ein Polizeisprecher. Zunächst wurden die Demonstranten daran gehindert, den Friedhof zu betreten. Auch Vertreter des Bezirksamts warteten vor den Toren.

Die Polizei versperrte den Demonstranten den Weg zu der Gedenkstele. Durchgelassen wurden auch keine Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. „Ich will doch nur meiner Familie gedenken, die von den Nazis ermordet wurde“, sagte ein Mann mit Tränen in den Augen.

Pfarrer Ernst-Gottfried Buntrock sprach einige Gedenkworte. „Ich habe noch Erinnerungen an die ersten Schuljahre während der Nazi-Zeit“, sagte er. „Ich war nur ein kleiner Nazi. Dass ich kein großer wurde, habe ich den sowjetischen Befreiern zu verdanken.“ Währenddessen machten die Protestierenden hinter der Absperrung weiter ihrem Ärger Luft. Vereinzelt gab es Gerangel zwischen Antifaschisten und Polizisten.

Gerüchte über vorzeitige Kranzniederlegung durch AfD-Vertreter

Zuvor hatte das Gerücht die Runde gemacht, die AfD hätte bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre Kränze niederlegen können. „Wenn das in Abstimmung mit der BVV geschehen ist, wäre das ein starkes Stück“, meinte Stadträtin Juliane Witt (Linke). Zu einem Zwischenfall kam es schließlich bei der Kranzniederlegung. Nachdem Bezirksvertreter und die Fraktionen von Linke, SPD, CDU und Grüne ihre Gebinde niedergelegt hatten, legte schließlich auch die AfD-Fraktion ihren nieder.

„Wir haben wie alle anderen Fraktionen auch erst jetzt unseren Kranz hingelegt“, widersprach AfD-Mitglied Maria Arlt den Gerüchten. Ein Demonstrant legte daraufhin offenbar einen Gedenkkranz direkt auf das Gebinde der AfD, berichteten Augenzeugen. Ein Gerangel entstand, scheinbar schubsten sich Vertreter der AfD und der Demonstranten. Die Seine Partei wolle nun Anzeige erstatten, kündigte der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Bernd Pachal an.

Nach Ende der Veranstaltung mussten Vertreter der AfD unter Polizeischutz durch einen anderen Ausgang vom Friedhof geleitet werden. (mit dpa)