Kriminalität

„Goldnest“ geklaut: Clan-Familie R. im Fokus der Ermittlung

Nach dem Diebstahl aus der Grundschule am Fuchsberg führen Spuren ins Clan-Milieu. Die Skulptur ist womöglich eingeschmolzen.

Die Grundschule am Fuchsberg im Stadtteil Biesdorf in Marzahn-Hellersdorf: Eine kaputte Scheibe eines Außenfensters ist abgeklebt.

Die Grundschule am Fuchsberg im Stadtteil Biesdorf in Marzahn-Hellersdorf: Eine kaputte Scheibe eines Außenfensters ist abgeklebt.

Foto: Annette Riedl / dpa

Kenner des Berliner Clan-Milieus dürfte es kaum überraschen: Der Diebstahl des „Goldnestes“ aus der Grundschule am Fuchsberg in Biesdorf könnte auf das Konto von Mitgliedern der polizeibekannten arabischen Großfamilie R. gehen. Diesem Verdacht gehen zumindest Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) nach. Mit offiziellen Mitteilungen hielten sich Staatsanwaltschaft und Polizei am Donnerstag zurück. Die Familie R. stünde aber im Fokus, hieß es.

Die aus purem Gold gefertigte Skulptur, deren Wert auf bis zu 80.000 Euro geschätzt wird, war in der Nacht zum Mittwoch gestohlen worden. Den bisherigen Ermittlungen zufolge schlugen die Täter eine Scheibe ein und brachen eine Tür auf. Die Vitrine, in der das Nest lagerte, wurde mit Spezialwerkzeug aufgebrochen. „Wir suchen Zeugen, die in der Nacht an der Schule etwas Verdächtiges beobachtet oder gehört haben: fremde Autos, Menschen oder laute Geräusche“, sagte eine Polizeisprecherin.

Eine Spur führt die Ermittler nach Treptow-Köpenick. Dort hatten Unbekannte am 1. Mai zwei Löschfahrzeuge der Feuerwehr ausgeräumt. Die Einbrecher stahlen Motorpumpen, ein Kombigerät, Motor- und Trennschleifer sowie zwei Motor-Kettensägen. Schon damals hieß es aus Polizeikreisen, man sei gespannt, bei welchem Einbruch demnächst Spezialwerkzeug verwendet werde. Eine offizielle Bestätigung für diese Spur gibt es allerdings nicht.

Auf Mitglieder der Familie R. richtete sich der Fokus bereits am Mittwochnachmittag, als Beamte eines Spezialeinsatzkommandos in Britz, Buckow, Neukölln und Friedrichsfelde ein Auto und drei Objekte der Clan-Familie durchsuchten. Gefunden wurde dabei allerdings nichts, hieß es in Ermittlerkreisen.

Beamte stellen Clan-Mitglieder bei einer Kontrolle fest

Die Spur zur Familie R. zu prüfen, liegt dennoch nahe. Denn Mitglieder des Clans sind mutmaßlich auch für den Diebstahl der Goldmünze aus dem Bode-Museum verantwortlich. Sie müssen sich dafür zurzeit vor Gericht verantworten. Hinzu kommt, dass Mitglieder der Familie R. und eines weiteren Clans wenige Tage vor dem Diebstahl im Umfeld der Grundschule bei einer Polizeikontrolle festgestellt wurden. Die zeitliche Nähe zu dem Diebstahl nährt den Verdacht, dass der Aufenthalt einer Ausspähung des Tatorts gedient haben könnte.

Der „Tagesspiegel“ berichtet unter Berufung auf interne Polizeiakten, dass die Beamten nach der Kontrolle eine Meldung an den polizeiinternen Lagedienst herausgegeben hätten. Darin hätten sie sie auf einen möglicherweise geplanten Einbruch hingewiesen. Die Direktion 6 habe daraufhin verstärkte Streifen an der Schule angeordnet. Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht.

Aus der Pressestelle der Polizei hieß es nur, dass die Sicherung von Ausstellungsstücken grundsätzlich dem Ausstellenden obliege. Die Polizei würde aber „situativ“ unterstützen und beraten. „Auch wenn das Hauptaugenmerk jetzt natürlich auf den Täterermittlungen liegt, prüfen wir selbstverständlich auch, ob im Vorfeld eine Intensivierung unserer Bemühungen die Tat hätte verhindern können“, hieß es.

Im Raum steht weiterhin die Frage, ob die Grundschule ein geeigneter Standort für die Gold-Skulptur war. Die Sicherheitsvorkehrungen seien nach einem ersten Einbruchsversuch verstärkt worden. „Es gab nicht nur Sicherungsmaßnahmen in der Schule, sondern auch Wachschutz und Polizeistreifen“, sagte der Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, Gordon Lemm (SPD). Die Maßnahmen nannte er „sehr, sehr gut“.

Wem gehört eigentlich das „Goldnest“?

Nun werde geprüft, wie man nun weitermache. Das betreffe etwa Versicherungsfragen und wem das Kunstwerk eigentlich gehört. Das Kunstwerk solle nach Möglichkeit ersetzt werden – allerdings aus einem anderen Material. Stadtrat Lemm: „Das war uns eine Lehre.“

Wie bei der Goldmünze aus dem Bode-Museum gehen Ermittler davon aus, dass auch das Gold der Skulptur aus der Fuchsberg-Grundschule bereits eingeschmolzen worden sein könnte. Festzustellen, wo das Gold herkommt, sei nach dem Einschmelzen ausgeschlossen, sagte der Berliner Goldschmiedemeister Jens Sierra Lingemann der Berliner Morgenpost. „Gold hat je nach Legierung einen Schmelzpunkt bei 800 bis 1000 Grad Celsius“, sagte Lingemann. Diese Temperaturen könne man auch im selbstgebauten Ofen in der heimischen Garage erreichen. Bei sehr kleinen Mengen reiche auch die Flamme eines Bunsenbrenners. Sei das Gold erstmal eingeschmolzen, könne man es beim Juwelier oder Goldhändler verkaufen. Wenn alles ordnungsgemäß verlaufe, würden dabei die Personalien aufgenommen. Kleinere Mengen könne man über einen langen Zeitraum und an verschiedenen Orten aber sehr unauffällig verkaufen.