Gesundheit

Klinik für Altersmedizin in Biesdorf soll bald eröffnen

In knapp drei Wochen soll die Klinik ihren Betrieb aufnehmen. Die privaten Betreiber sehen klaren Mehrbedarf bei geriatrischen Betten.

Die private Altersklinik Arona in Biesdorf soll am 25. Januar eröffnet werden. In dem Bau mit rund 60 Betten werden auch Kassenpatienten aufgenommen.

Die private Altersklinik Arona in Biesdorf soll am 25. Januar eröffnet werden. In dem Bau mit rund 60 Betten werden auch Kassenpatienten aufgenommen.

Foto: Arona

Berlin. Die Betten liegen zum Teil noch unter einer Plastikfolie, im Rest des Hauses laufen die letzten Vorbereitungen. In weniger als drei Wochen soll alles fertig sein, dann wird die neue Klinik für Altersmedizin in Biesdorf ihren Betrieb aufnehmen. In dem Bau mit rund 60 Betten, innerhalb von knapp drei Jahren auf einem 17.000 Quadratmeter großen Grundstück am Blumberger Damm errichtet, will der private Betreiber Arona ein zusätzliches Angebot im Bezirk schaffen.

„Es gibt in Marzahn-Hellersdorf eine ganz klare Unterdeckung an geriatrischen Betten“, begründet Marketingchef Laurent Burkart das Vorhaben. Tatsächlich wird sich laut Prognosen die Zahl der über 80-Jährigen in Berlin bis 2030 von derzeit knapp 180.000 auf mehr als 260.000 erhöhen. Dabei altert kein Bezirk aktuell so schnell wie Marzahn-Hellersdorf. Zwar haben diverse Kliniken im Bezirk bereits geriatrische Einrichtungen, doch die Arona-Kliniken sehen einen Mehrbedarf.

Zusammenarbeit mit dem Unfallkrankenhaus Berlin

„Die neue Klinik stellt eine sinnvolle Ergänzung für den Gesundheitscampus am Unfallkrankenhaus dar“, findet auch die für den in Marzahn-Hellersdorf so wichtigen Zweig der Gesundheitswirtschaft zuständige Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU). Der Bezirk, der am schnellsten altere, habe nun auch ein entsprechendes, gutes klinisches Angebot für seine älteren Bürger. So gründet das Modell der neuen Klinik vor allem auf einer Zusammenarbeit mit dem in nächster Nähe gelegenen Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), das keine Kapazitäten für Geriatrie hat.

Patienten höheren Alters – allgemein gilt ab 65 Jahren –, die im Unfallkrankenhaus erstbehandelt werden, sollen nach Bedarf in die neue Klinik für Altersmedizin überwiesen werden und dort die entsprechende Versorgung erhalten. „Viele Patienten über 65 Jahren sind multimorbid“, sagt Burkart. Bedeutet, sie leiden unter mehreren Krankheiten. Senioren mit einem Oberschenkelhalsbruch leiden parallel oft auch an Demenz oder Diabetes. Alterskliniken sind darauf spezialisiert, sich um solche Patienten zu kümmern.

Die Klinik für 30 Millionen Euro wurde als eine der kurzen Wege geplant, da ihre Patienten oft nicht gut zu Fuß sind. Der helle, geschwungene und mit viel Glas versehene Bau erstreckt sich über drei Etagen mit Blick auf einen begrünten Innenhof. Es gibt eine Cafeteria, die das Haupthaus mit dem Verwaltungsgebäude verbindet und ein Restaurant auf dem Dach. Zudem einen Fitnessraum mit Geräten für virtuelles Training – etwa mit Spielkonsolen – und für Wassertherapie. Die Flure sind teils farbig gestaltet und sollen unter anderem die Namen von Sehenswürdigkeiten erhalten, damit Demenzkranke sich dort besser orientieren können.

Die zunächst 80 Stellen – für mehr braucht es noch eine Genehmigung – für Ärzte und Fachkräfte sind nach Angaben des Betreibers bereits alle besetzt, nur ehrenamtliche Patientenfürsprecher werden noch gesucht. Alle Mitarbeiter wurden über die sozialen Netzwerke angeworben, auch soll es ein „papierloses“ Krankenhaus werden mit ausschließlich elektronischer Datenerfassung. Generell ist man ob seiner Modernität bei den Arona-Kliniken vom eigenen Tun überzeugt. Durch „modernste Labordiagnostik“ soll vorausgesagt werden, wie gut der einzelne Patient auf ein Medikament anspreche. Die Folge: weniger Intoxikationen. Diese Art der Medikamentenaufnahme sei in Deutschland einmalig. „Bei uns wird personalisierte Medizin angewandt“, schwärmt Burkart.

Das Projekt stieß bei der Planung auch auf Kritik

Die Klinik gehört zur Upwind Holding GmbH, die aus einem Familienunternehmen am Bodensee hervorging. Dazu gehörte auch die seit mehr als 25 Jahren im Märkischen Viertel privat betriebene Altersklinik, die auch unter dem Namen Arona geführt wird. Seit 2007 wird auch eine Klinik in Zagreb betrieben, wo sich unter anderem die Vizeweltmeister der Fußballnationalmannschaft von Kroatien behandeln lassen.

In Berlin will das Unternehmen weiterwachsen, in Biesdorf ist eine weitere Klinik für Sport- und Physiotherapie geplant. Bei der Planung in Biesdorf stieß das Projekt für die neue Altersklinik nicht nur auf Gegenliebe. Der damalige Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU), der aus Marzahn-Hellersdorf stammt, wurde scharf kritisiert, dass er das Projekt in den Krankenhausplan aufnahm. Kliniken dieser Größe würden sich für die Krankenkassen nicht lohnen, monierte die Opposition. Auch hieß es, dass das Krankenhaus niemals den Bedarf an Fachpersonal würde akquirieren können. Bei den Arona-Klinken argumentieren sie, dass sie das einzige privat betriebene Krankenhaus in Berlin seien, das auch Kassenpatienten aufnehme. Am 25. Januar ist Eröffnung, dann „werden die Patienten sehen können, ob die Versprechen auch eingehalten werden“, sagt ein Insider.

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