Die akribische Überprüfung von Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras der U-Bahnlinie 5 hat sich offenbar ausgezahlt: Drei Tage nach dem Mord an der 18-jährigen Abiturientin Hanna K. aus Kaulsdorf sucht die Polizei jetzt einen unbekannten Mann, der als tatverdächtig gilt. Die Auswertung der Bilder ergab, dass der Gesuchte mittleren Alters schon vor dem Gewaltverbrechen mit dem gleichen U-Bahnzug gefahren war, in dem auch das spätere Opfer gesessen hatte. Der Unbekannte, der mit einer dunklen Jacke und hellblauer Jeans bekleidet war, stieg wie die Schülerin in der Nacht zum vergangenen Sonnabend am U-Bahnhof Frankfurter Allee in die U-Bahn in Richtung Hönow.

In den ersten 48 Stunden nach der Entdeckung der Leiche an dem Verbindungsweg zwischen der U- und S-Bahnstation Wuhletal und der Dorfstraße waren etwa 70 Hinweise aus der Bevölkerung bei der Polizei eingegangen – zunächst jedoch ohne eine heiße Spur. Die hat sich jetzt durch die Bilder der Überwachungskameras ergeben. Auszüge dieser Videos von den Überwachungskameras der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben die Polizei und die Staatsanwaltschaft Berlin am Dienstagnachmittag veröffentlicht. Das deutet darauf hin, dass die Ermittler sicher sind, den Mann herausgefiltert zu haben, der verdächtig ist, die Frau getötet zu haben.

Nach Angaben der 1. Mordkommission haben die bisherigen Ermittlungen ergeben, dass die 18-jährige Schülerin am Sonnabend, den 16. Mai, von einer Party auf dem Weg nach Hause war. Anhand der Aufzeichnungen konnte ihr Heimweg rekonstruiert werden. Demnach stieg sie um 1.24 Uhr am U-Bahnhof Frankfurter Allee in die U5 in Fahrtrichtung Hönow. Etwa 13 Minuten später, um 1.37 Uhr, erreichte sie ihr Ziel und verließ am Bahnhof Wuhletal den Zug. Von dort aus setzte sie ihren Weg zu Fuß fort. Die Videoaufzeichnungen haben den verdächtigen Mann ebenfalls auf beiden Bahnhöfen erfasst. Der gesuchte Mann hatte wie die junge Frau dieselbe U-Bahn ebenfalls am U-Bahnhof Frankfurter Allee bestiegen und am Bahnhof Wuhletal verlassen.

Interesse für das spätere Opfer

Aus weiteren, nicht veröffentlichten Videosequenzen ist nach Angaben der Polizei deutlich zu sehen, wie sich der Mann bereits auf dem Bahnhof Frankfurter Allee auffällig für das spätere Opfer interessierte. Darüber hinaus haben die Kameras auch aufgezeichnet, so ein Polizeisprecher, wie sich der Gesuchte auf dem Bahnhof und später auch im Waggon in die Nähe von Hanna K. begibt. Nach dem Aussteigen am Bahnhof Wuhletal in Kaulsdorf folgte ihr der Unbekannte auf dem Bahnsteig zügig zum Ausgang.

Die Mordkommission fragt nun: Wer kann Angaben zur Identität des unbekannten Mannes machen? Weitere Personen, die den U-Bahnzug um 1.37 Uhr verließen und/oder auf der Videosequenz auf dem Bahnsteig Wuhletal zu sehen sind, mögen sich bitte unbedingt als wichtige Zeugen melden, betonte ein Polizeisprecher gegenüber der Berliner Morgenpost. Als Zeugin gesucht wird auch eine junge Frau, die auf dem Video auf dem Bahnsteig Wuhletal hinter dem Tatverdächtigen zu sehen ist. Weiter fragen die Ermittler: Wer hat in der Umgebung des Bahnhofes Frankfurter Allee verdächtige Beobachtungen gemacht beziehungsweise dort bereits die abgebildete unbekannte männliche Person gesehen? Hinweise nimmt die 1. Mordkommission in Berlin-Tiergarten, Keithstraße 30, unter der Telefonnummer (030) 4664 – 911 111, Email LKA111@polizei.berlin.de oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Auch neue Hinweise zu dem früheren Zeugenaufruf der Polizei sind von großer Bedeutung für die Ermittlungen: Wer hat in der Nacht von Freitag zu Sonnabend ab etwa 23 Uhr bis gegen 6 Uhr früh in Kaulsdorf in der Umgebung des U-Bahnhofes Wuhletal und auf dem Verbindungsweg zur Dorfstraße verdächtige Beobachtungen oder Wahrnehmungen gemacht? Wer hat in dieser Nacht die U-Bahn-Linie 5 in Richtung Hönow benutzt und hat den Zug am Bahnhof Wuhletal um 1.37 Uhr verlassen oder bestiegen? Diese Fahrgäste werden gebeten, sich mit der 1. Mordkommission in Verbindung zu setzen.

Blumen und Kerzen am Tatort

Das Verbrechen an der 18-jährigen Schülerin, die mitten in den Abiturprüfungen stand, hat berlinweit für Entsetzen gesorgt. Viele Anwohner in Kaulsdorf hat die Gewalttat in Angst versetzt. Sie meiden jetzt den abgelegenen Weg zwischen dem Bahnhof und der Siedlung an der Dorfstraße. Gleichzeitig trauern ungezählte Berliner um die getötete Hanna K., die in Lichtenberg zur Schule gegangen war. Am Tatort haben in den vergangenen Tagen viele Trauernde Blumen und Kerzen in Gedenken an die junge Frau abgelegt. Die Leiche der 18-Jährigen war am Sonnabend gegen 6 Uhr von einer Passantin in einem Gebüsch nahe dem S- und U-Bahnhof Wuhletal entdeckt worden.