Ein sicheres Umfeld, ein warmes Zuhause: In Berlin haben das Tausende Kinder und Jugendliche nicht. Für diese jungen Menschen ist in Lichtenberg, direkt am S- und U-Bahnhof, ein neues Straßenkinderhaus entstanden, das am Freitag unter großer Aufmerksamkeit eröffnet wurde. Das Haus „Butze“ bietet 16- bis 23-Jährigen eine Anlaufstelle und soll sie von der Straße holen. Das einzigartige Haus wurde durch den Verein Straßenkinder und Spenden in Millionenhöhe realisiert.
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Laut aktuellen Zahlen sind in Deutschland 137.000 Minderjährige ohne festen Wohnsitz. In Berlin sind es etwa 15.700, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Es sind Schicksale wie das von Krümel, die als Neunjährige von zu Hause weglief, weil ihr Stiefvater sie schlug. „Das Beispiel von Krümel wird mich in den nächsten Jahren nicht loslassen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bei der Eröffnung. Beim Verein Straßenkinder fand das Mädchen Hilfe. Eine Anlaufstelle für Straßenkinder hat der Verein unter anderem an der Warschauer Straße in Friedrichshain. Doch dort mangelt es am Platz.

Hilfe für Jugendliche in Lichtenberg: Neues Haus bietet Schutz und Perspektiven
Das neue Haus in der Wönnichstraße 8 bietet nun reichlich davon. Auf sieben Ebenen und einer Fläche von rund 3400 Quadratmetern gibt es ein Begegnungscafé, Räume für Beratung und vor allem Notübernachtungsmöglichkeiten und kleine Wohnungen. Hinzukommen Wasch- und Duschmöglichkeiten, kostenlose Mahlzeiten, Hilfe bei der Berufsvorbereitung und eine Kleiderkammer. Insgesamt gibt es 41 Schlafmöglichkeiten. Berater helfen den Jugendlichen dabei, aus der Straßenszene auszusteigen, eine Ausbildung oder einen Beruf zu finden. Der Verein rechnet mit bis zu 15.000 Übernachtungen pro Jahr.



Mit einer Anlaufstelle wie Butze schaffen es die Sozialarbeiter des Vereins besser, mit den Kindern und Jugendlichen dauerhaft Kontakt zu halten. Begonnene Hilfsmaßnahmen werden zudem nicht unterbrochen. In der Zusammenarbeit mit den Pädagogen und Sozialarbeitern sollen die Jugendlichen ihre Potenziale entdecken.
Komikerin Ilka Bessin unterstützt Straßenkinderhaus in Lichtenberg
Lichtenbergs Bürgermeister Martin Schaefer (CDU) hieß den Verein willkommen. Dass das Haus am Bahnhof Lichtenberg entstanden ist, sei kein Zufall. „Der Kiez hier ist ein Hotspot“, so Schaefer. In der Nachbarschaft sei das Haus gespalten aufgenommen worden, hieß es vom Verein Straßenkinder. Manche befürchten, das Haus würde den Kiez zum sozialen Brennpunkt entwickeln. An der benachbarten Skaterbahn halten sich viele Jugendliche regelmäßig auf, übernachten teilweise auch da. Man spreche die jungen Menschen, die schon da sind, an, argumentiert der Verein.

Zu den langjährigen Unterstützern des Vereins gehört Komikerin und Schauspielerin Ilka Bessin, bekannt als die Kunstfigur „Cindy aus Marzahn“. Sie begleitet nicht nur den Neubau in Lichtenberg eng, sondern war schon als Botschafterin aktiv, als ein ähnliches Haus „Bolle“ in Marzahn entstand. „Seit 15 Jahren begleite ich euch und ihr werdet mich auch nicht mehr los“, sagte Bessin bei der Eröffnung am Freitag. „Ich möchte das Thema nicht aus dem Auge verlieren. Ihr habt mir auch eine Aufgabe gegeben, um die ich mich kümmern will.“

Finanziert wurde das 23 Millionen Euro teure Projekt ausschließlich durch Spenden. Zwei Drittel des benötigten Geldes kommen vom Ehepaar Birgit und Thomas Rabe und der von ihnen gegründeten Stiftung. Auch „Berliner helfen“, der Verein der Berliner Morgenpost, hat den Verein Straßenkinder unterstützt.




