Normalerweise flackern auf der Lichtenberger Winterzeit bunte Lichter, Fahrgeschäfte schwingen durch die Luft. Der Weihnachtsrummel an der Landsberger Allee in Berlin-Lichtenberg lockt vor allem in den Abendstunden Jugendliche und Familien an. Hier trifft Adrenalinkick auf Besinnlichkeit.

Doch an diesem Montagvormittag stehen die Fahrgeschäfte noch still. Stattdessen krabbeln kleine Gestalten in luftiger Höhe über die Stahlkonstruktionen. Es sind die Höhenretter von der Berliner Feuerwehr und Polizei. An diesem Tag proben sie den Ernstfall: eine Rettung von Personen am höchsten Punkt des Fahrgeschäftes. Dafür finden Trainings am Riesenrad und Kettenkarussell statt.

Polizei und Feuerwehr übt Höhenrettung
Eine Person soll aus einer Gondel des Riesenrads gerettet werden: Das ist das Szenario, das die Berliner Polizei und Feuerwehr auf der Lichtenberger Winterzeit geübt haben.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Vor allem der Einsatz am 55 Meter hohen Riesenrad ist spektakulär. Ausgestattet mit etlichen Seilen, Karabinern und Sicherungsschlaufen machen sich die Einsatzkräfte nacheinander auf den Weg. Erklimmen Stück für Stück die Leiter entlang des Riesenrades und sichern sich dabei selbst – mit zwei Karabinern, die sie alle paar Sprossen in die Leiter einhängen.

Zunächst ist die Polizei an der Reihe, danach darf die Feuerwehr ran. Oliver Hellwig beobachtet das Spektakel vom Boden aus. „Das ist eine erstklassige Ausrüstung“, sagt er in Hinblick auf die Ausstattung, die am Gürtel der Einsatzkräfte baumelt. „Nur das Beste vom Besten.“ Hellwig ist Veranstalter und Organisator der Lichtenberger Winterzeit. Er begleitet den Aufbau und die Überprüfung der Fahrgeschäfte. Mit Sicherheitsausrüstung kennt er sich also aus.

Polizei und Feuerwehr übt Höhenrettung
Übung für die Höhenretter der Feuerwehr am Karussell der Lichtenberger Winterzeit.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

„Dass diese Übung hier auf einem Wintermarkt stattfindet, ist einmalig“, sagt er. Schon vor ein paar Wochen hat er gemeinsam mit der Feuerwehr die Idee entwickelt, den Weihnachtsrummel auch für Übungen zur Verfügung zu stellen. „Wir haben dann auch bei der Polizei nachgefragt, ob sie Interesse an einer Höhenübung hat“, sagt Hellwig. „Sie haben sofort zugesagt.“

Höhenrettung: Training am 55 Meter hohen Riesenrad

Die Szenarien, die hier geübt werden, sind für Feuerwehr und Polizei unterschiedlich. Normalerweise ist die Feuerwehr für die Rettung von Menschen in Höhen und Tiefen zuständig. Doch auch für die Polizei kann es zu solchen Einsätzen kommen. Etwa bei Demonstrationen. Zuletzt waren in Berlin Palästina-Demonstranten auf das Brandenburger Tor geklettert und mussten von Höhenrettern der Berliner Polizei heruntergeholt werden. Aber auch wenn sich Personen in psychischen Ausnahmesituationen befinden, rückt die Polizei an. Auch dann kann es zu Einsätzen in der Höhe kommen.

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Auf der Lichtenberger Winterzeit wird dieser Fall nun simuliert. Eine Person weigert sich, aus der Gondel auszusteigen und droht damit, sich etwas anzutun – das zumindest könnte eines der Szenarien sein, die die Polizei auf den Plan ruft. Dafür erklimmen die Einsatzkräfte langsam das Fahrgeschäft und nähern sich der Gondel an. Über einen Mechanismus unter der Gondel lässt sich die Tür öffnen. An einem 100 Meter langen Seil soll die Person schließlich abgeseilt werden. Dabei kommt eine sogenannte Laufkatze, eine Art Flaschenzug, zum Einsatz.

Feuerwehr mit Übung hochzufrieden: „Eine einmalige Gelegenheit“

Parallel zum Einsatz der Polizei trainiert die Feuerwehr am Kettenkarussell, dem sogenannten Kettenflieger. „Konkret üben wir hier, wie wir bei einem Kettenkarussell gesichert vorgehen und über die Arme des Fahrgeschäfts die Sitze erreichen können“, erklärt Timur Tischler, Pressesprecher der Berliner Feuerwehr.

Polizei und Feuerwehr übt Höhenrettung
Die Feuerwehr übt Ernstfall: Am Kettenflieger auf der Lichtenberger Winterzeit könnte sie die Rettung von Menschen trainieren.© FUNKE Foto Services | Jörg Carstensen

Übungen wie diese sind für die Höhenretter nicht neu. 70 sogenannte Seilstunden müssen sie pro Jahr absolvieren, um sich als Höhenretter zu qualifizieren. Doch ein Training an einem Fahrgeschäft ist auch für erfahrene Einsatzkräfte nicht alltäglich. „Für die Kollegen ist das ein sehr besonderer Übungstag“, erklärt Tischler. „Sie sind davon begeistert, die Techniken an diesem besonderen Objekt zu üben – das ist eine einmalige Gelegenheit.“ Insgesamt sei die Übung „erfolgreich und sehr wertvoll“ gewesen.

Das Team ausgebildeter Höhenretter der Feuerwehr besteht aus etwa 50 Kolleginnen und Kollegen. Wenn sie nicht gerade die Rettung in Höhen und Tiefen üben, sind sie im normalen Einsatzdienst der Feuerwehr. Doch immer wieder kommt es zu tatsächlichen Notfällen in der Höhe. „Beispielsweise auf der Baustelle“, sagt Tischler. „Wenn ein Kranführer einen Notfall hat und nicht von alleine absteigen kann, kommen wir zum Einsatz.“

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Dass es am Fahrgeschäft der Lichtenberger Winterzeit zu einem echten Einsatz kommt, ist übrigens äußerst unwahrscheinlich. Denn selbst wenn die Fahrgeschäfte mal ausfallen sollten, lassen sie sich noch manuell bedienen, wie Organisator Hellwig erklärt. „Das Kettenkarussell kann auch ohne Strom nach unten fahren“, sagt er. Und auch das Riesenrad lasse sich im Notfall per Hand drehen. „Aber es ist ja gut, auf alles vorbereitet zu sein.“

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