Der Schock war groß, als Wencke Nerlich am Freitagmorgen mit einem Kollegen auf das Gelände des Kinderzirkus Cabuwazi in Berlin-Hohenschönhausen kam. Noch am Abend zuvor hatten die letzten Kinder dort bis 20.30 Uhr trainiert. Am nächsten Morgen, gegen 8.45 Uhr, dann die böse Überraschung: Drei der vier Zelte des Zirkus waren an mehreren Stellen aufgeschlitzt. Bis zu 1,90 Meter lang waren die Schnitte. Offenbar wurden die Zelte mutwillig zerstört. Wer für die Tat verantwortlich ist und aus welchem Grund, ist völlig unklar.

Für den Kinder- und Jugendzirkus ist der Schaden immens. Nicht nur finanziell. Denn aktuell befinden sich die Nachwuchsartisten in der Vorbereitung auf ihre Premiere am 6. Dezember. „Wir mussten alle Proben für Freitag absagen“, erklärt Nerlich, Standortleiterin in Hohenschönhausen. „Zum Glück haben wir sofort Unterstützung von vielen Menschen bekommen, um die Schäden zu beheben.“ Den ganzen Samstag hätten die Freiwilligen damit verbracht, die Zelte einigermaßen wiederherzustellen. So hätten die Proben dann fortgesetzt werden können.

„Wie Narben auf der Haut“: Angriff trifft Kinder im Zirkus tief

Trotzdem sitzt der Schock bei den Verantwortlichen tief. „Die Schlitze in den Zelten sind für die Kinder wie Narben auf der Haut“, beschreibt Nerlich die Lage. „Denn für sie ist das hier ein geschützter Ort und wie ein zweites Zuhause, wo Gewalt und Rassismus keine Rolle spielen sollten.“ Der Zirkus solle ein „magischer Ort“ sein, an dem die Kinder und Jugendlichen unabhängig von Herkunft, Kultur und Geschlecht ihren Alltag vergessen und sie selbst sein können.

30 Jahre Zirkus Cabuwazi
Kinder und Jugendliche trainieren anlässlich des 30-jährigen Jubiläums in der Manege des Zirkus Cabuwazi.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Auch die Werkstatt sei stark beschädigt und die Eingangstore komplett zerstört worden. Die einzig positive Nachricht dabei: Die Täter haben offenbar nichts gestohlen. Die Zirkusverantwortlichen gehen daher von blindem Vandalismus aus und haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Hinzu kommt, dass ausgerechnet jetzt noch zwei von drei Heizungen ausgefallen sind. Eine Probe musste schon abgesagt werden, weil es im Zelt zu kalt wurde.

Kinderzirkus Hohenschönhausen bittet nach unerwarteten Kosten um Spenden

„Da kommen jetzt ausgerechnet am Ende des Jahres leider sehr hohe Kosten auf uns zu“, erklärt Nerlich. Zwar sei der Zirkus glücklicherweise vom Jugendamt gefördert, aber da seien diese Kosten nicht inbegriffen. Deswegen bittet der Zirkus für seinen Standort Hohenschönhausen nun um Spenden.

„Wenn die Tat etwas bewirkt hat, dann, dass wir nun als Gemeinschaft zusammenstehen“, erklärt Nerlich. Auch die Eltern der Kinder seien schockiert gewesen und würden auf Hochtouren mithelfen, den Spendenaufruf zu verbreiten und zu unterstützen, damit die Premiere der Vorstellung „Manegenzauber im Winter“ doch noch stattfinden kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Zirkus mit Übergriffen konfrontiert ist. „Bereits vor drei Wochen habe ich auffällige Spuren an den Türen zum Technikraum und zur Werkstatt entdeckt“, erklärt die Standortleiterin. Auch am Café habe es Einbruchsspuren gegeben.

Im Sommer sei es außerdem zu einem rassistischen Vorfall gekommen. Damals habe sich der Zirkus an einem Festival unter dem Motto „Demokratie und Vielfalt“ beteiligt und dieses auch beworben. „Wir haben dann mitbekommen, wie Jugendliche vorbeigelaufen sind und ausländerfeindliche Parolen gerufen haben“, sagt Nerlich. Ob der aktuelle Vorfall einen ähnlichen Hintergrund hat, ist jedoch völlig unklar.

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