Mitten in der Plattenbausiedlung im Norden Berlins gibt es eine Naturoase. Dort, auf einer kleinen Koppel trotten die beiden Pferde brav hintereinander her und ziehen ihre Runden. In der Mitte steht André Sroka und ermahnt die Tiere, wenn sie aus der Reihe tanzen. „Das ist heute eine Premiere“, sagt er. Zum ersten Mal laufen die Fjordpferde Bobbi und Nicole gemeinsam über das Gelände auf dem Abenteuerspielplatz Fort Robinson in Neu-Hohenschönhausen. „Wir wollen das mit ihnen üben, damit sie später auch mit den Kindern nebeneinander laufen können“, erklärt Sroka. „Nicole drängt Bobbi allerdings noch manchmal ab – sie ist halt eine Stute“, sagt er und lacht.

Auf dem Abenteuerspielplatz im Norden Lichtenbergs bereiten sie sich also schon auf die kommenden Projekte mit den Kindern und Jugendlichen vor. Doch ob es damit weitergeht, ist ungewiss. Denn vor einigen Wochen haben sie erfahren, dass der Bezirk dem Projekt „Tiergestützte Intervention“ für das kommende Jahr die Finanzierung gestrichen hat. 41.000 Euro von den benötigten 50.000 fallen damit weg. Ohne dieses Geld ist das Projekt nicht zu finanzieren. Futter, Ausstattung, Personal – all das muss bezahlt werden, wenn die beiden Pferde gehalten werden sollen.

„Bobbi und Nicole sind seit vielen Jahren feste Begleiter für Kinder und Jugendliche im Kiez“, sagt Anja Thonig vom Projektträger Kietz für Kids, der den Abenteuerspielplatz und das Pferdeprojekt betreibt. Dafür gab es bisher zwei unterschiedliche Förderungen. Auf dem Abenteuerspielplatz können Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 14 Jahren klettern, basteln, bauen und spielen. Es gibt Angebote wie Hütten aus Holz bauen, Stockbrot über dem Lagerfeuer backen, Grillen und Bogenschießen.

Projektträger Kietz für Kids: Arbeit mit Pferden pädagogisch sehr wertvoll

Auf dem kleinen Reiterhof direkt nebenan können die Kids auf den Pferden reiten und etwas über die Tiere lernen – von der richtigen Pflege bis hin zu der Frage, was Pferde essen und wie sie sich verhalten. Doch genau diese Projektförderung fällt jetzt weg.

Anja Thonig vom Projektträger Kietz für Kids hofft noch auf eine Finanzierung, damit die beiden Pferde auf dem Abenteuerspielplatz Fort Robinson in Neu-Hohenschönhausen bleiben können.
Anja Thonig vom Projektträger Kietz für Kids hofft noch auf eine Finanzierung, damit die beiden Pferde auf dem Abenteuerspielplatz Fort Robinson in Neu-Hohenschönhausen bleiben können.© BM | Leonard Laurig

„Es ist schon etwas Besonderes, hier mitten in der Plattenbausiedlung zwei Pferde zu haben“, sagt Thonig. „Die Kinder lernen, Verantwortung im Umgang mit Tieren zu übernehmen.“ Das sei ein wichtiger Teil in der Entwicklung der Kinder. „Gerade mit großen Tieren kommen Kinder selten in Berührung“, ergänzt Thonig. „Wenn sie spüren, dass sie auch mit solchen Tieren klarkommen, stärkt das ihr Selbstbewusstsein.“ Der pädagogische Wert des Projekts sei daher sehr groß.

Umso ärgerlicher sei nun der Wegfall der Finanzierung. Vor allem, weil das Bezirksamt die Kürzung erst so kurz vor Jahresende mitgeteilt habe. Jetzt bleibe nur noch wenig Zeit, um die Finanzierungslücke zu schließen. „Wir planen erstmal so, als ob wir weiter machen können“, sagt Thonig. Aufgeben sei keine Option.

Wie das Bezirksamt reagiert

Auf Anfrage erklärt eine Sprecherin der Bezirksstadträtin für Jugend und Familie, dass die Förderung für die Fjordpferde nur vorübergehend gewesen sei. Die Mittel waren demnach aufgrund von Sanierungsarbeiten in einer Jugendfreizeiteinrichtung frei geworden. 2026 soll die Einrichtung in Betrieb gehen, deswegen werden die Gelder dort wieder benötigt. „Der Jugendhaushalt erlaubt keine zusätzlichen Förderungen“, so die Sprecherin.

Der Projektträger Kietz für Kids hat nun einen Spendenaufruf gestartet, um die Pferde im nächsten Jahr doch noch halten zu können. Insgesamt 48.252 Euro müssten damit eingenommen werden. Bisher ist nur ein Bruchteil, knapp 9000 Euro, zusammengekommen. Sollte das Spendenziel nicht erreicht werden, müsste der Abenteuerspielplatz die Pferde schlimmstenfalls abgeben. „Dann bleibt ihnen vermutlich nur der Gnadenhof“, sagt Thonig in Bezug auf Bobbi und Nicole. Auch zwei Mitarbeiter, die sich um die Pferde kümmern, müssten dann entlassen werden.

Lesen Sie auch

Ob und wie es ohne die Pferde weitergehen soll, können sich die Mitarbeiter momentan noch nicht richtig vorstellen. „Die Pferde sind das Herzstück des Abenteuerspielplatzes“, sagt Thonig. Und vor allem sind sie schon lange Teil davon. Stute Nicole ist seit sieben Jahren auf dem Fort Robinson zuhause. Ihr Gefährte Bobbi kam vor einem Jahr dazu, nachdem sein Vorgänger Yannik verstorben war. Dieser lebte 20 Jahre lang auf dem Abenteuerspielplatz und wurde 32 Jahre alt. „Für ein Pferd ein sehr hohes Alter“, erklärt Pferdetrainer und Pädagoge André Sroka.

Das Bezirksamt erklärte, die Spendenaktion des Trägers zu begrüßen. Das Beispiel zeige eindringlich, wie problematisch die Haushaltslage im Land Berlin für bezirkliche Angebote und damit die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen sei.

Mehr aus Lichtenberg lesen Sie hier.