Ein Berliner Bartgeier hebt ab! In der andalusischen Sierra Nevada ist ein Vogelweibchen vor Kurzem ausgewildert worden. Zuvor war der junge Bartgeier von einer Handvoll Männer der Vulture Conservation Foundation (VCF) zu einem schwer zugänglichen Felsvorsprung gebracht worden. Das Tier, das sein Leben bis dahin im Berliner Tierpark gelebt hatte, habe seine erste Zeit in einer Felsnische verbracht – ohne direkten Kontakt zum Menschen – und sich auf das Leben in der Wildnis vorbereitet.
Erst nachdem sich der Geier einige Zeit an den Wind, das Licht und die Geräusche in seiner neuen Umgebung gewöhnt hatte, breitete er seine Flügel aus, schwang sich in die Lüfte und flog davon. Der Vogel ist Teil eines europaweiten Erhaltungszuchtprogramm für Bartgeier, an dem sich der Berliner Tierpark seit 1987 beteiligt. „Bartgeier wären ohne koordinierte Zucht- und Auswilderungsprogramme heute kaum noch in Europa anzutreffen“, erklärte Dr. Andreas Knieriem, Direktor von Tierpark und Zoo Berlin.

Bartgeier waren in Europa fast ausgerottet
In der südspanischen Sierra Nevada kamen Bartgeier bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts recht häufig vor. Sie wurden aber zu Unrecht als Bedrohung für Weidetiere verfolgt und verschwanden in vielen Teilen Europas fast vollständig. Dank grenzübergreifender Schutzmaßnahmen und koordinierter Nachzucht gibt es heute wieder stabile Brutpaare in den Alpen, den Pyrenäen und den südspanischen Gebirgszügen.
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Bartgeier sind spezialisierte Aasfresser und ernähren sie sich von einer Vielzahl von Tieren, wobei sie in besonderem Maße auch Knochen zu ihrer Nahrung zählen. Sie haben sich darauf spezialisiert, große Knochen zu zerschmettern, um an das nährstoffreiche Mark zu gelangen. „Bartgeier übernehmen eine entscheidende Rolle in der natürlichen Balance alpiner Ökosysteme“, erklärt Christian Kern, Zoologischer Leiter von Zoo und Tierpark Berlin. „Als spezialisierte Aasfresser tragen sie maßgeblich zur Hygiene in Gebirgssystemen bei, indem sie Kadaver von großen Tieren entsorgen.“ Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,80 Metern gehören sie zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt.
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