Die Aufmerksamkeit und den Trubel sind sie gar nicht gewohnt. Scheu verstecken sich die sechs Katzen in ihren Boxen und hinter Kisten. Vorsichtig nähert sich die Tierpflegerin an die Jungtiere an, versucht ihr Vertrauen zu gewinnen. Noch nicht mal ein Jahr sind die kleinen schwarzen Katzen alt. Bisher hatten sie es in ihrem jungen Leben schwer. Jetzt müssen sie sich erst wieder an Menschen gewöhnen.

„Die Katzen stammen aus einer amtlichen Sicherstellung“, erklärt Inaie Macedo vom Tierheim Berlin. Das bedeutet: Die Tiere wurden nicht artgerecht gehalten, mussten unter schlechten Bedingungen aufwachsen. Das kann passieren, wenn Tierbesitzer zu viele Tiere auf einmal in einer zu kleinen Wohnung halten. Von „animal hoarding“ ist dann die Rede.

„Manchmal ist es so schlimm, dass sie sofort wegmüssen“, sagt Macedo. „Dann kommen die Tiere zu uns – ins Tierheim.“ Cleo, Cookie, Tilly, Tessi, Mio und Merlin – so heißen die sechs Katzen – haben nun im Tierheim zunächst einen sicheren Unterschlupf gefunden. Jetzt warten sie auf ein dauerhaftes Zuhause bei neuen Besitzern. Doch die Vermittlungschancen sind bei ihnen besonders gering. Und zwar nicht, weil sie noch so scheu sind. Sondern, weil sie schwarz sind.

Schornsteinfeger posieren für den guten Zweck

„Schwarze Tiere sind leider noch immer mit Vorurteilen behaftet“, erklärt Macedo. Das Tierheim Berlin hat daher Probleme, schwarze Tiere zu vermitteln. Mit der Charity-Aktion „Schwarz bringt Glück“ soll das geändert werden. Mit dabei ist auch die Schornsteinfeger-Innung Berlin.

Bereits zum sechsten Mal sind Berliner Schornsteinfeger und Schornsteinfegerinnen ins Tierheim gekommen, um bei einem Fotoshooting mit schwarzen Tieren zu posieren. Die daraus entstandenen Bilder werden dann als Kalender verkauft. Die Einnahmen kommen wiederum dem Tierheim zugute.

„Schwarz bringt Glück“ im Tierheim
„Schwarz bringt Glück“ im Tierheim: Schornsteinfeger Markus Springer gemeinsam mit Hund Jochen, der bereits seit einem halben Jahr im Berliner Tierheim ist und auf ein neues Zuhause wartet. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

„Wir wollen gegen Vorurteile in jeglicher Form ankämpfen“, erklärt Schornsteinfegermeister Alain Rappsilber seine Motivation. Dass die Farbe Schwarz Unglück bringe, sei leider noch immer ein weit verbreitetes Vorurteil. „2000 Jahre kirchliche Indoktrination bekommt man nicht so leicht aus den Köpfen raus“, sagt Rappsilber. Noch immer seien einige Menschen mit dem Aberglauben behaftet, dass es Unglück bringe, wenn eine schwarze Katze vor ihnen von rechts nach links die Straße kreuzt.

Schornsteinfeger kämpfen als Glücksbringer gegen Aberglaube

„Wir als Schornsteinfeger wollen diesen Aberglauben bekämpfen und Vorurteile abbauen“, erklärt Rappsilber. „Denn schließlich bringen Schornsteinfeger Glück“, sagt er und lacht. Aber ist das nicht auch ein Aberglaube? „Nein“, erklärt der Schornsteinfegermeister. „Schornsteinfeger haben dafür gesorgt, dass die Häuser nicht mehr brennen, weil sie den Ruß aus dem Schornstein entfernt haben.“ Für die Menschen sei das ein Zeichen gewesen, dass ihr Haus vor Bränden geschützt ist, wenn der Schornsteinfeger da war. So wurde der Schornsteinfeger zum Glückssymbol. Anders als der Aberglaube über die schwarze Katze beruhe diese Annahme also auf tatsächlichen Erfahrungen.

Auch Inaie Macedo vom Berliner Tierheim hat die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen bei der Wahl für ein neues Haustier noch immer vom Aberglauben geleitet werden. „Es gibt Leute, die daran festhalten, dass schwarze Tiere Unglück bringen und sich deshalb für ein anderes entscheiden.“

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Doch es gibt noch einen Grund, warum schwarze Tiere seltener vermittelt werden. „Schwarze Tiere sind schwieriger zu fotografieren“, sagt Macedo. Aufgrund des dunklen Fells seien die Konturen des Tiers auf Fotos oft nicht so gut zu erkennen. Das bedeutet, die Tiere sind dann nicht so „instagramable“, wie es Macedo ausdrückt. Die Fotos eignen sich also weniger gut dazu, in den sozialen Medien gepostet zu werden. Für einige Kunden des Tierheims sei das ein entscheidendes Kriterium.

Die Charity-Aktion „Schwarz bringt Glück“ sei somit eine Möglichkeit, Aufklärung zu betreiben, aber auch Aufmerksamkeit für die Tiere zu schaffen und Spendengelder einzunehmen. Seit sechs Jahren gibt es das Event schon. Über 80.000 Euro konnten seitdem eingenommen werden. Zuerst fand die Aktion nur in Berlin statt. Mittlerweile wurde das Projekt auf ganz Deutschland ausgeweitet. Für den Fotokalender 2026 wurden sechs Fotos in Berlin und sechs Fotos in Frankfurt am Main geknipst. Von den Einnahmen profitiert dann nicht nur das Berliner Tierheim, sondern auch die Berliner Tiertafel und weitere Tierheime in ganz Deutschland.

Und auch die schwarzen Tiere könnten profitieren, wenn zukünftige Tierbesitzer ihren Aberglauben ablegen und sich für ein schwarzes Tier entscheiden. Die sechs schwarzen Katzen Cleo, Cookie, Tilly, Tessi, Mio und Merlin haben am Ende ihre Scheu schon fast abgelegt. Nach kurzem Zögern kommen sie aus ihren Verstecken und posieren gemeinsam mit einem Schornsteinfeger für die Kamera. Die Fotos werden im Kalender 2026 landen. Und vielleicht schaffen es die Katzen ja sogar auf die Titelseite. Diese wird von der Öffentlichkeit per Abstimmung auf Social Media ausgewählt.

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