Eine gescheiterte Katastrophenschutz-Übung des Bezirks Lichtenberg sorgt für Diskussionen. Die spontane Aktion am Sonnabend offenbarte schonungslos die bestehenden Schwächen der Hilfsorganisationen, sagen Kritiker. Zum Hintergrund: Die Übung an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Alt-Friedrichsfeldes sollte die Handlungsfähigkeit bei einem Szenario „Massenanfall an Verstorbenen“ auf den Prüfstand stellen.
In dem Übungsszenario waren Helfer mit der Herausforderung konfrontiert, dass es bei einem chemischen Unfall knapp 70 Betroffene gibt, von denen am Ende wiederum mehr als die Hälfte stirbt. Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichtsmedizin, Bestattungsunternehmen, das Gesundheitsamt, die Landespolizei und die Bundeswehr waren als Beobachter vor Ort oder hätten im weiteren Verlauf der Übung eine Rolle spielen sollen.
Kompetenzzentrum soll derartige Übungen in Zukunft besser koordinieren
Dazu kam es aber nicht. Es habe Schwierigkeiten gegeben, freiwillig organisierte Dienste ausreichend zu mobilisieren, sagten Behördenvertreter, die den vorher geheim gehaltenen Ablauf beobachteten. Bedeutet: Als am Sonnabend die ersten Organisationen eintrafen und bemerkten, dass es sich nur um eine Übung handelte, verweigerten sie die weitere Unterstützung. Grund sollen die geringen Kapazitäten an dem Tag gewesen sein. Man klagte zudem darüber, nicht vorab informiert worden zu sein.
Der Katastrophen- und Zivilschutzbeauftragte des Bezirksamts Berlin-Lichtenberg, Philipp Cachée, sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), es seien Probleme deutlich geworden, aber auch Erkenntnisse gewonnen worden. Auch Sabine Beikler, Sprecherin der Senatsinnenverwaltung, betonte, dass man die Ergebnisse der Übung gemeinsam mit dem Bezirk zur allgemeinen Optimierung auswerten werde. Sie kritisierte jedoch, dass Lichtenberg die Übung nicht spezifisch für diesen Tag bei der Senatsinnenverwaltung angemeldet habe. „Wenn ab 2025 das Kompetenzzentrum für Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement an den Start geht, können derartige Übungen in Zukunft besser mit den Bezirken koordiniert und durchgeführt werden“, so Beikler.



