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Hund verschwunden: Verzweifelte Suche nach Ponyo

| Lesedauer: 5 Minuten
Beatrix Fricke
Patrick Lehmann sucht verzweifelt seinen Hund Ponyo.

Patrick Lehmann sucht verzweifelt seinen Hund Ponyo.

Foto: privat

Nur zehn Minuten ließ Patrick Lehmann seinen Jack-Russell-Terrier-Mix Ponyo aus den Augen. Jetzt ist er weg. Wurde der Hund entführt?

Berlin. Wäre alles wie immer, dann wäre Patrick Lehmann an diesem Morgen mit Ponyo im Park. So wie jeden Morgen. "Ponyo liebt es, gleich nach dem Aufstehen raus zu gehen", sagt der Webdesigner. Doch seit einer Woche ist nichts wie immer. Denn Ponyo ist verschwunden.

Ponyo ist ein braun-weißer Jack-Russell-Terrier-Mix. Seit sieben Jahren – so lange, wie Ponyo lebt – sind Patrick Lehmann und Ponyo ein eingeschworenes Team. Tag und Nacht sind sie zusammen, teilen den Alltag, Freude und Leid. Auch Abenteuer haben sie schon gemeinsam bestanden. Ponyo begleitete den gebürtigen Brasilianer auf einer dreimonatigen Rucksacktour durch Europa, schlief mit ihm im Zelt, war immer an seiner Seite.

"Ponyo ist alles für mich", sagt Patrick Lehmann. "Er tut mir gut und ich tue ihm gut." Daher sei der Verlust unheimlich schwierig für ihn. "Ich vermisse ihn jede Sekunde."

Ponyo gesucht: Nur zehn Minuten war der Hund allein

Der Tag, der alles veränderte, war der 22. Oktober. Patrick Lehmann ging bei Kaufland in der Sewanstraße in Friedrichsfelde einkaufen, er wohnt um die Ecke. Wie immer dabei: sein Hund Ponyo. Lehmann machte Ponyo mit der Leine vor dem Supermarkt fest. Es sei ziemlich viel los gewesen, erinnert er sich, und dass er sich nicht die geringsten Sorgen gemacht habe. Doch dann der Schock. "Als ich nach etwa zehn Minuten wieder raus kaum, war Ponyo weg", so Lehmann.

Verzweiflung liegt in Patrick Lehmanns Stimme. "Ich habe ihn immer mitgenommen und draußen gelassen, nie ist etwas passiert." Von der Leine habe sich Ponyo unmöglich losreißen können. Auch habe Ponyo nicht mit der langen, ausziehbaren Leine weglaufen können: Sie sei für das zierliche 6-Kilo-Tier viel zu schwer.

Jetzt habe er gehört, dass es in Berlin zuletzt häufiger Fälle von Hundekidnapping gegeben habe. Er vermutet, dass Ponyo ein Opfer geworden ist.

In Berlin verschwinden jährlich mehr als 100 Hunde

Laut Polizei Berlin werden in der Hauptstadt jährlich mehr als 100 Hunde gestohlen. Doch die Dunkelziffer dürfte höher sein. Die Corona-Pandemie hat den Wunsch vieler Menschen nach einem vierbeinigen Gefährten geweckt. Dabei schrecken einige offenbar nicht davor zurück, sich durch Hunde-Klau diesen Wunsch zu erfüllen. Die gestiegene Nachfrage hat zudem den Handel gerade mit kleinen Rassehunden zu einem lukrativen Geschäft gemacht und Diebe auf den Plan gerufen.

Bereits im Sommer 2021 warnte der Tierschutzverein Berlin eindringlich davor, Hunde zum Einkaufen mitzunehmen. „Bitte! macht! das! nicht!“, twitterte der Tierschutzverein, denn die Diebstähle von Hunden vor Supermärkten häuften sich. Für Patrick Lehmann und Ponyo kommt diese Warnung zu spät.

Lehmann beschreibt Ponyo als einen sehr zugewandten Hund. "Er mag alle Menschen, ist sehr freundlich und verspielt." Bälle zu apportieren gehöre zu seinen Lieblingsbeschäftigungen, auch Schwimmen sei eine große Leidenschaft. "Vielleicht hat ein Kind Ponyo mitgenommen oder ein Mensch, der sich einsam fühlt", mutmaßt Lehmann. Jetzt empfindet er, der rechtmäßige Besitzer, eine große Leere. Doch er hat die Hoffnung nicht aufgegeben, seinen geliebten Hund wiederzusehen.

Hund verschwunden: Fremde geben Tipps und wollen helfen

Die Suche nach Ponyo läuft auf Hochtouren. Gleich nach dem Verschwinden von Ponyo verständigte Lehmann seine Freunde und teilte einen Aufruf auf Instagram. "Wir haben Suchtrupps gebildet, Flyer verteilt und Poster aufgehängt in einem Radius von dreieinhalb Kilometern."

Tatsächlich habe er viele Rückmeldungen erhalten. "Fremde haben mir Tipps gegeben und mir Mut gemacht", sagt Lehmann dankbar. Doch niemand konnte ihm bisher sagen, wo Ponyo genau ist oder ihm gar seinen Hund zurückbringen. "Doch vielleicht wird bald irgendjemand Ponyo erkennen und mir den entscheidenden Hinweis geben", sagt er voller Hoffnung.

Alle Kontaktdaten trägt Ponyo am Hals: Der 2015 geborene, etwa 50 Zentimeter lange Hund hatte zuletzt ein grünes Halsband an. Er ist gechippt und im Haustierzentralregister der Tierschutzorganisation Tasso registriert.

Hundebesitzer appelliert: "Bitte helft mir"

Erst am Vortag hat wieder jemand Patrick Lehmann angeschrieben. Ein Hund, der Ponyo zum Verwechseln ähnlich sehe, sei in Marienfelde unterwegs gewesen. War es ein Doppelgänger? War es Ponyo? Leider habe die Person kein Foto machen können. Nun will Lehmann selbst hinfahren und auf die Suche gehen.

"Es fühlt sich alles so unwirklich an", sagt Lehmann. "Und ich kann auch nicht glauben, dass jemand so etwas tun kann: einen Hund entführen." Er hofft so sehr, dass es Ponyo gut geht, dass die Menschen, bei denen er jetzt ist, sich gut um ihn kümmern. Und dass er bald selbst wieder mit Ponyo kuscheln, spielen und spazierengehen kann. "Ich suche weiter", sagt Lehmann. "Bitte helft mir, Ponyo zu finden."